“Wer impft die Arbeitsmigranten?” fragt Pfarrer Peter Kossen

Pressemitteilung:  Kossen: Wer impft die Arbeitsmigranten?

Peter Kossen fordert eine bessere Aufklärung und die schnellstmögliche Impfung der großen Gruppe ost- und südosteuropäischer Arbeitsmigranten.

Risikogruppe ohne Schutz

„Aufgrund vielfach unmenschlich harter Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie, in Ausstallkolonnen oder als Paketzusteller haben wir es zu tun mit einer Vielzahl von Infektionen und schweren und tödlichen Verläufen der Corona-Erkrankung bei den Arbeitern und Arbeiterinnen in diesen Branchen“, so Kossen. Er verweist auf die andauernd hohen Infektionszahlen im Umfeld der Fleischindustrie. „Die Totalerschöpfung dieser Menschen ist die Normalität. Als Wegwerfmenschen werden sie verschlissen und in großer Zahl infiziert!“

„“Wer impft die Arbeitsmigranten?” fragt Pfarrer Peter Kossen“ weiterlesen

„Ein Kasten Bier erscheint nicht auf der Türschwelle, weil man auf eine App getippt hat …“

Experten nahmen Arbeitsbedingungen in Lieferdienste und Online-Handel unter die Lupe

Haltern am See. „Könnten Essens-Lieferdienste nicht als Genossenschaften, die den Beschäftigten gehören, organisiert werden?” Werner Nienhüsers Abschlussfrage eines eindrücklichen Abends über die Arbeitsbedingungen von Frauen und Männer in Lieferdiensten und Online-Kaufhäusern zeigt eines deutlich: Mit Kritik allein ist es bei der Frage nach unwürdigen Arbeitsverhältnissen nicht getan. Dennoch: Schlechte, unwürdige Arbeitsbedingungen müssen „skandalisiert und öffentlich gemacht werden“, wie Karsten Rupprecht von der Gewerkschaft verdi aus Dortmund sagt. Die Empörung der Bevölkerung wuchs, als die schlechten Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie nicht mehr zu ignorieren waren. Nun müssen die anderen Branchen wie die vor allem seit Corona stetig wachsenden Branchen der Lieferdienste und Online-Handelsunternehmen in den Blick genommen werden.

„„Ein Kasten Bier erscheint nicht auf der Türschwelle, weil man auf eine App getippt hat …““ weiterlesen

Einladung: “‘Click and Buy’- (Un-)Würdige Arbeit bei Lieferdiensten und Co.” – 15.04.2021

Einladung: “‘Click and Buy’- (Un-)Würdige Arbeit bei Lieferdiensten und Co.”

Onlineveranstaltung am Donnerstag, 15.04.2021 um 19:00 Uhr

Podiumsgespräch und Diskussion

Alles nach Hause bestellen. Das ist bequem. Ob Pizza, Sushi oder Rindsroulade, alles wird in weniger als einer Stunde geliefert. Ein neuer Pullover oder ein Buch? Kein Problem, alles gekauft über die Plattform eines Weltkonzerns. Der Paketdienst bringt das Bestellte oft schon am nächsten Tag. Virtuelle Kaufhäuser und Supermärkte verbreiten sich. Auch virtuelle Werkskantinen gibt es. Seit Jahren nimmt der Umsatz solcher Dienstleistungen massiv zu. Die Corona-Pandemie hat das Geschäft nochmals befeuert.

Wie geht es den Beschäftigten in diesen Unternehmen? Wie sind die Arbeitsbedingungen bei Paketlieferern, Essenslieferdiensten, auch bei den Beschäftigten in den Logistikzentren der digitalen Plattformen? Setzen die Geschäftsmodelle nicht schon Kosteneinsparung voraus, die sich in Form niedriger Löhne, gesundheitsschädlichen Arbeitsdrucks und ständiger Kontrolle niederschlägt? Wie steht es um die Mitbestimmung der Beschäftigten? Kann man bei Lieferdiensten und Co. von würdiger Arbeit sprechen?

An diesem Abend werden drei Experten aus verschiedenen Perspektiven den Fragen nachgehen, wie die Arbeitsbedingungen der bei Lieferdiensten arbeitenden Menschen sind, warum diese so sind und sie werden sich darüber austauschen, was man ändern muss und wie dies möglich ist.
An dem Podium nehmen teil:

  • Heiner Heiland: Soziologe an der Technischen Universität Darmstadt. Er forscht zu plattformvermittelten Dienstleistungen und hat selbst als Fahrer bei Essenslieferdiensten gearbeitet.
  • Karsten Rupprecht: Als Gewerkschaftssekretär bei verdi ist er zuständig für den Bereich Einzelhandel. Er ist unter anderem Ansprechpartner für die Beschäftigten in einem großen Logistikzentrum des US-Online-Unternehmens Amazon.
  • Lennart Vogt: Er war bis 2020 als Fahrer (geringfügige
    Beschäftigung/Student) bei Flaschenpost, einem über eine Online-Plattform operierenden Getränkelieferdienst, tätig.

Moderation: Ortrud Harhues, Leiterin des KAB-Bildungswerkes Münster, und Prof. Dr. Werner Nienhüser, Universität Duisburg-Essen.

Digitaler Ort: Zoom-Einladungslink_
Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Informationen über diese Veranstaltung und die gesamte Reihe “(Un-)Würdige Arbeit” finden Sie auch in einem Flyer zum Download.

Jetzt online: „(Un-)Würdige Arbeit – Das Beispiel der Pflege(berufe)” – Digitalmitschnitt der Veranstaltung vom 21.01.2021

Jetzt online: „(Un-)Würdige Arbeit – Das Beispiel der Pflege(berufe)” – Digitalmitschnitt der Veranstaltung vom 21.01.2021

Nur Applaus reicht nicht aus!

Dass viele der rund 1,9 Mio Arbeitnehmer*innen im Pflege- und Gesundheitsbereich von „Schicht-Hopping“, viel Wochenendarbeit und den körperlichen Belastungen unter großem Zeitdruck aufgrund der Personalknappheit durch die gnadenlose Ökonomisierung des Gesundheitssystems völlig überlastet sind, ist erstmal nichts Neues; seit der Corona-Pandemie ist jedoch unübersehbar, wie krank das ganze System wirklich ist.

Erneut digital statt real

Rund 50 Teilnehmer sind der Einladung gefolgt und haben am zweiten Teil der digitalen Veranstaltungsreihe „(Un-)Würdige Arbeit“ teilgenommen – einer Kooperation des KönzgenHauses Haltern am See, dem Halterner Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt, der KAB Diözesanverband Münster sowie  dem KAB Bezirksverband Recklinghausen.

Wie komplex das Thema der Pflege tatsächlich ist, zeichnete sich schon in der Vielfalt der Referent*innen und Einzelthemen ab. Es war den Veranstaltern gelungen, das Podium breit gefächert zu besetzen.  Ulrich Christofczik vom Evangelischen Christophoruswerk e.V. brachte die Arbeitgebersicht ein. Gregor Pleiss, Krankenpfleger und Medizin-Pädagoge, wies unter anderem darauf hin, dass die Pflegekräfte hoch motiviert seien, obwohl ihre Arbeit oft nicht genügend geschätzt werde. Marion Schäfer, Gewerkschaftssekretärin bei  ver.di, und Prof. Thorsten Schulten, Hans-Böckler-Stiftung, hoben hervor, wie wichtig Flächentarifverträge für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen sind.

Bei vielen Fragen gab es erstaunlich viel Einigkeit. Auch Ulrich Christofczik als Vertreter der Arbeitgeber*innenseite sprach sich für eine bessere Organisierung der Arbeitnehmenden und flächendeckende Tarife aus. In einem flächendeckenden und fairen Tarifvertrag für alle, inklusive der Kirchen, sah ein Großteil der Teilnehmenden die Lösung vieler Probleme. Uneinigkeit bestand allerdings in der Frage, ob der dritte Weg der Kirchen eine grundsätzliche Klärung der Probleme verhindere.

Aus den Ausführungen von Hans-Werner Quasten der „Initiative Respekt“ bezüglich der Lebensrealitäten von rund 500.000 Wanderarbeiter*innen und Pflege-Schwarzarbeit erwuchs die Forderung – „Wo Appelle nichts mehr nutzen, muss geklagt werden!“ Das bekräftigte auch ver.di-Gewerkschaftssekretärin Marion Schäfer. Dabei sei allerdings Rechtshilfe notwendig – die ver.di und die KAB anbieten.

„Mitarbeiter*innen in Pflege und Kirche klagen nicht – die jammern nur!“

Neben der von allen geforderten Kräftebündelung durch die bessere Organisation von Gewerkschaften und Mitarbeiter*innenvertretungen müssen neben allen richtigen Appellen an höhere Ebenen und die gesamte Politik aber zuallererst eben auch die lokale Ebene und die konkrete Einrichtung mit den leibhaftigen Vorgesetzten in die Pflicht genommen werden, kam ein feuriger Einwurf aus der Zuhörerschaft. Hier wäre es schon ein Riesenerfolg, wenn bestehende Tarifverträge inklusive Pausenregelungen und geltender Arbeitsbedingungen überhaupt erstmal eingehalten würden. So würden die heute mehrfach positiv erwähnten Pflegekammern zwar richtige Wege weisen – es braucht aber eine echte Unternehmensmitbestimmung.

Mit unserer gemeinsamen Veranstaltungsreihe geht es am 15. April weiter. Dann nehmen wir mit dem Thema „Würdige Arbeit jenseits der Normalarbeitsverhältnisse“ weitere Bereiche unwürdiger Bedingungen in den Blick und entwickeln gemeinsam Perspektiven würdiger Arbeit, ethischer Grundlagen und gerechter Strukturen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des Könzgenhauses und des Forums für Demokratie, Respekt und Vielfalt.

„(Un-)Würdige Arbeit – der Fall der Fleischindustrie“ – Rückschau, Reaktionen auf unseren offenen Brief und Vorschau auf weitere Aktionen

„(Un-)Würdige Arbeit – der Fall der Fleischindustrie“ – das war der Titel einer Veranstaltung des Halterner Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt, der KAB Diözesanverband Münster, dem KAB Bezirksverband Recklinghausen sowie dem KönzgenHaus Haltern am See. Die Veranstaltung hatte die schlechten Arbeitsbedingungen und Wohnverhältnisse der Arbeitskräfte zum Thema. Die Situation der zumeist aus Osteuropa kommenden Arbeitskräfte war (und ist) entwürdigend: Gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen, schlechte Bezahlung, ausbeuterische Beschäftigung über dubiose Sub-Sub-Werksvertragsunternehmen oder Leiharbeitsfirmen, katastrophale Wohnbedingungen.

Was ist mittlerweile – nach unserer Veranstaltung und unserem offenen Brief – passiert?

Unsere Veranstaltung lag zeitlich genau in dem Zeitfenster der politischen Auseinandersetzung auch innerhalb der Bundesregierung und der CDU über das sog. „Arbeitsschutzkontrollgesetz“. Dieses Gesetz sieht vor, Werkverträge und Leiharbeit in der Fleischindustrie zu verbieten, die Arbeitsschutzkontrolle und die Wohnsituation der osteuropäischen Arbeitskräfte zu verbessern. In der CDU wurde das bereits geplante Gesetz plötzlich wieder Gegenstand innerparteilicher Auseinanderansetzungen. Flankiert durch das Lobbying der Fleischwirtschaft drohten die geplanten gesetzlichen Regulierungen entschärft und damit wirkungslos zu werden. Deshalb haben wir als Veranstalter der Diskussionsveranstaltung zur Situation in der Fleischindustrie u.a. den CDU-Bundestagsabgeordneten aus NRW einen offenen Brief  geschickt, um zu verhindern, dass das geplante Gesetz zugunsten der Fleischindustrie verwässert wird.
Zwischenzeitlich ist dann im Dezember in der Bundesregierung ein auch aus unserer Sicht tragfähiger Kompromiss gefunden worden; und mittlerweile ist das Gesetz im Bundestag und Bundesrat beschlossen und zu Beginn dieses Jahres in Kraft getreten.

Reaktionen auf unseren Offenen Brief

Es hat uns eine Email des Wahlkreisbüro des SPD-MdB Michael Groß erreicht, in der das gesamte Team uns seinen Dank für unser Engagement ausspricht.

Eine weitere Email erhielten wir vom Landtagsbüro des MdL Josef Hovenjürgen  mit dem Hinweis auf das Engagement von Minister Karl-Josef Laumann für die Realisierung des Arbeitsschutzkontrollgesetzes.

Ende Dezember erhielten wir noch einen Brief von Minister Karl-Josef Laumann  in seiner Funktion als Bezirksvorsitzender der CDU Münsterland. Minister Laumann beschreibt in seinem Brief seinen persönlichen Beitrag bei der Kompromissfindung und dem Zustandekommen des Arbeitsschutzkontrollgesetzes. Gleichzeitig dankt er uns dafür, dass wir uns für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie eingesetzt haben.

Wir haben uns kürzlich brieflich bei Minister Laumann für sein Engagement bedankt.

„Wir begrüßen Ihr Engagement beim Zustandekommen des Gesetzes außerordentlich. Verbinden wollen wir unseren Dank mit dem Hinweis, dass es – wie Sie wissen – noch eine ganze Reihe von Branchen mit Niedriglöhnen, schlechten Arbeitsbedingungen, fehlender Tarifbindung und einem viel zu umfassenden Einsatz von Werkverträgen und Leiharbeit gibt.
Wir meinen, dass es nicht nur eine Aufgabe der Tarifpartner ist, sondern begleitende politische Initiativen erfordert, die Arbeitsbedingungen auch in anderen Branchen zu verbessern. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Belastungen, die durch die Pandemie im Pflegebereich entstanden sind, müssen endlich dazu führen, dass die Personalnotstände, die beschwerlichen Arbeitsbedingung und die zu niedrige Bezahlung durch verschiedene Maßnahmen beseitigt werden. Pflegetätigkeiten sind besser zu bezahlen, und der bereits abgeschlossene Tarifvertrag in der Altenpflege sollte für allgemeinverbindlich erklärt werden.
Initiativen von Ihnen mit dieser Zielrichtung würden uns freuen und unsere Unterstützung finden.“

Wie geht es weiter?

In Kürze findet eine weitere Veranstaltung unserer Reihe Würdige Arbeit“ statt, diesmal über die Arbeit im Pflegebereich (in Krankenhäusern, in der Altenpflege in Altenheimen wie auch in der häuslichen Pflege) (zur Anmeldung hier klicken).
Wir werden die Reihe fortsetzen mit den Veranstaltung „Würdige Arbeit jenseits des Normalarbeitsverhältnisses“ (15.4.,21, 19:00) und „Würdige Arbeit – solidarische Gesellschaft“ (Mai/Juni 2021) (Anmeldungen hier).

Einladung: “Un)würdige Arbeit – Das Beispiel der Pflege(berufe)” – Onlineveranstaltung am Donnerstag, 21.01.2021 um 19:00 Uhr

(Un)würdige Arbeit – Das Beispiel der Pflege(berufe)

Onlineveranstaltung am Donnerstag, 21.01.2021 um 19:00 Uhr

Podiumsgespräch und Diskussion

Die aktuelle Situation der Pandemie legt die Grenzen und Schwächen im Bereich der Pflege in aller Deutlichkeit offen. Auch wenn die Situation in vergleichbaren Ländern noch schlimmer scheint, ist unübersehbar, dass Applaus nicht reicht.

An dem Abend sollen als Podiumsteilnehmer*innen fachkundige Personen über folgende Fragekreise ins Gespräch kommen:
1. Wie ist die Arbeitssituation in den Bereichen, die Sie kennen bzw.  hier vertreten (z.B. Arbeitsbelastungen, Beschäftigtenstruktur, Entlohnung, Arbeitszeiten, ethische Standards)?
2. Was müsste sich ändern?
3. Was ist konkret als nächstes zu fordern und zu tun?

Die Referent*innen:

Ulrich Christofczik, Evangelisches Christophoruswerk e.V.
Gregor Pleiss, Krankenpfleger und Medizin-Pädagoge
Marion Schäfer, Gewerkschaftssekretärin ver.di
Prof. Dr. Thorsten Schulten, Hans-Böckler-Stiftung
Hans-Werner Quasten, Initiative Respekt

Moderation: Prof. Dr. Werner Nienhüser, Universität Duisburg-Essen

(Flyer – PDF – zum Download und Weiterverteilen)

Digitaler Ort: Zoom-Einladungslink_
Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger (online-)Anmeldung mit Angabe aller zur Rückverfolgbarkeit notwendigen Kontaktdaten über den folgenden Link möglich: Anmeldung online

Noch zwei Hinweise:

Eine Teilnahme an der Diskussion ist zunächst über eine Chatfunktion möglich. Die Chatbeiträge werden durch eine*n Moderator*in in den Gesprächsverlauf eingebracht. Eine direkte Diskussionsbeteiligung wird in der letzten halben Stunde angestrebt. Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und anschließend bearbeitet der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Für die Veranstaltung wird kein Eintrittsgeld erhoben, aber stattdessen eine Spende für den Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit e. V.“ empfohlen. Spendenkonto: https://www.wuerde-gerechtigkeit.de/mitgliedschaft-spenden

Pressemitteilung des Forums: Offener Brief aus Haltern an Bundestagsabgeordnete: „Leiharbeit in den Schlachtbetrieben gesetzlich beenden“

Offener Brief aus Haltern an Bundestagsabgeordnete: „Leiharbeit in den Schlachtbetrieben gesetzlich beenden“

Empörung über Rückzieher bei Gesetzesberatung im Bundestag

HALTERN. In einem gemeinsamen offenen Brief an die CDU-Bundestagsabgeordneten aus NRW haben das Halterner Forum, der KAB-Bezirks- und Diözesanverband und das Könzgenhaus ihre Empörung und ihre Forderungen zum Ausdruck gebracht über eine zurückgestellte Gesetzesvorlage: „Das von der Bundesregierung vorgelegte Artbeitsschutzkontrollgesetz zur Beendigung der Werks- und Leiharbeit in der Fleischindustrie wurde durch eine Gruppe von CDU-Abgeordneten nach Lobbyeinfluss ausgebremst“ so lautet der Vorwurf der Briefverfasser. 

(Hier der Text des Offenen Briefes)

Erst am 5. November hatte das Halterner Forum zusammen mit der KAB und dem Könzgenhaus in einer öffentlichen Online-Veranstaltung mit Pfarrer Peter Kossen und Helge Adolphs von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten den Blick auf die unwürdigen Arbeitsverhältnisse in der Fleischindustrie gerichtet (wir berichteten). Auf der Website des Halterner Forums (www.forumdrv.de) ist die Veranstaltung als Video nachzuverfolgen, zusammen mit einem ARTE-Bericht über „das Schuften im Schlachthof“, das Pfarrer Peter Kossen sogar als „sklavenähnliche Verhältnisse“ bezeichnet.

„Noch im Sommer war durch die Corona-Fälle bei Tönnies und Westfleisch die Empörung auch bei den politischen Parteien über die jahrzehntelangen Missstände so groß, dass die Bundesregierung am 23. Oktober dem Bundestag einen Gesetzentwurf für ein Arbeitsschutzkontrollgesetz vorlegte, um damit die Werks- und Leiharbeit in der Fleischindustrie zu unterbinden“ erinnert Herbert Bludau-Hoffmann vom Halterner Forum, selber langjähriger Gewerkschafter beim ver.di-Landesverband NRW. „Doch eine Gruppe von CDU-Bundestagsabgeordneten fiel durch den Einfluss von Lobbyisten der eignen Koalitionsregierung in den Rücken und vertagte die Beschlussfassung, um die Leiharbeit zu erhalten“, bemerkt der KAB-Bezirksvorsitzende Klaus-Dieter Amtmann fassungslos.

Der heimische Bundestagsabgeordnete Michael Groß (SPD) kritisiert dazu auf Facebook den CDU-Landesminister Laumann, der zuvor das „parteiübergreifende Versagen“ bei den Zuständen in der Fleischindustrie beklagte und nach seinen Worten „den „Sumpf austrocknen wollte“, aber jetzt nach dem Lobbyeinfluss selber nur noch von „notwendige Kompromissen“ im Gesetzesverfahren spricht.

Die Verfasser des offenen Briefes appellieren an die CDU-Bundestagsabgeordneten der einzelnen Landesbezirke in NRW, die am 23. Oktober in 3. Lesung zurückgestellte Gesetzesvorlage „unverzüglichen und unverwässert in Kraft zu setzen, um die unhaltbaren Zustände für die Beschäftigten in der Fleischindustrie zugunsten würdiger Arbeitsverhältnisse zu beenden“. Sie erinnern die Abgeordneten an die „Ansprüche ihrer christlichen Partei“ und erwarten, „dass sie im bevorstehenden Bundestagwahljahr ihr persönliches Abstimmungsverhalten in dieser Sache transparent machen“.

Text des Offenen Briefes

 

Anschauen: “Re: Schuften im Schlachthof – Rumänen in Deutschland, Asiaten in Rumänien” (ARTE)

Re: “Schuften im Schlachthof – Rumänen in Deutschland, Asiaten in Rumänien” | ARTE Re: – in der Mediathek von Arte zu finden

“Die Arbeit ist hart, oft ekelhaft und durch Corona sogar gefährlich – und trotzdem kommen zig-tausende Rumänen nach Deutschland oder Frankreich, um in der Fleischbranche oder bei der Ernte ihr Geld zu verdienen. Warum tun sie sich das an, warum ist die Fremde oft der einzige Ausweg – und wer macht die Arbeit in Rumänien? Asiaten füllen die Lücken. Eine Spirale der Verzweiflung. Das Dorf Goreni liegt im rumänischen Transsilvanien. Hier gibt es außer Landwirtschaft kaum Jobs. Die meisten gehen daher zum Arbeiten nach Westeuropa. So wie Elisabeta, die in Deutschland Erdbeeren pflückt. Ihr Mann Zlotan ist Schweißer in Frankreich. Sohn Paul war bis März Schichtarbeiter bei Tönnies und will jetzt wieder zurück – obwohl sich seine Tante und sein Onkel genau bei diesem Fleischkonzern mit Covid-19 infiziert haben und im Moment in Deutschland in Quarantäne sind. Elisabeta bereitet das große Sorgen. Gerade erst wurde die 54-Jährige in Deutschland um einen großen Teil ihres Lohnes betrogen. Dennoch, irgendwie muss die Familie Geld verdienen, sonst kommen sie nicht durch. Seit dem EU-Beitritt Rumäniens sind die Preise explodiert und gerade Lebensmittel oft sogar noch teurer als in Deutschland. Doch ein Viertel aller Rumänen sind als Kleinbauern tätig. Gerade sie kommen nicht über die Runden. Vier Millionen Rumänen arbeiten daher im Ausland – das ist jeder fünfte – darunter viele junge Erwachsene, wie Elisabetas 20-jähriger Sohn Paul. Die Folge der Arbeiterkarawane nach Westeuropa erlebt man in Cluj, Nordrumänien: Vasile, der Betreiber einer Hamburger-Restaurantkette, sucht händeringend Arbeitskräfte. Doch kein Rumäne will für das Geld, das er zahlen kann, arbeiten. Und so hat er 13 Männer aus Sri Lanka angeworben. Auch in der Fleischfabrik in Cluj arbeiten Asiaten, die dort für wenig Lohn Därme reinigen und Fleisch zerlegen. Über 30.000 Visa hat Rumänien – trotz der Coronakrise – allein im Jahr 2020 für Arbeiter aus asiatischen Ländern ausgestellt.”
Reportage (D 2020, 32 Min) (s.a. https://www.arte.tv/de/videos/098419-002-A/re-schuften-im-schlachthof/)