Veranstaltungen des Forums im Rahmen der “Sommerkirche”

Bei der “Sommerkirche” (https://www.st-sixtus.de/gottesdienste/sommerkirche) ist das Forum bei zwei Veranstaltungen mit dabei.

Mittwoch, 6. Juli

Würdige Arbeit – eine aktuelle Fragestellung
17 Uhr Könzgenhaus
Veranstalter: Forum DRV/Könzgenhaus/KAB-Bildungswerk

Bericht und Diskussion über eine Veranstaltungsreihe zum Thema “(Un-)würdige Arbeit”. Die Reihe behandelt drei Fragen: Was ist würdige, was ist unwürdige Arbeit? In welchen Bereichen finden wir besonders problematische Arbeitsbedingungen vor? Und wodurch können wir die Bedingungen verbessern?
Wir berichten über die verschiedenen Veranstaltungen, die Ideen zum Thema und diskutieren mit den Besuchern Entwicklungen im Bereich “Würde der Arbeit”.

Sonntag, 17. Juli

Vitus – Haus der Begegnung und Hilfe
11-14 Uhr Haus Vitus (Lippstraße 7-9)
Veranstalter: Vitus/Asylkreis/Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt

Drei Akteure stellen sich vor: Vitus, Verein zur Förderung von Integration, Teilhabe und Solidarität / Asylkreis / Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt.
Im Schulterschluss der drei Institutionen stellen wir Beispiele gelebter Solidarität vor, im Zentrum werden u.a. aktuelle Aktionen/Projekte zur Ukrainehilfe stehen! Wege, sich zu engagieren für sozialen Zusammenhalt, für Integration und Hilfe für Menschen mit und ohne Fluchtgeschichte.

Zum kompletten Programm: https://www.st-sixtus.de/gottesdienste/sommerkirche

Muss leider ausfallen: 30.3.2022: Nachgefragt bei: Frank Bsirske, MdB (Bündnis90/Die Grünen)”Wie verändert der Ukraine-Krieg die sozialen Vorhaben der Ampelkoalition in Deutschland?”

Leider haben sich nur wenige Menschen zu dem Diskussionsabend angemeldet. Der Krieg und die andauernde Corona-Pandemie mögen Ursachen dafür sein. Daher fällt die Veranstaltung zu unserem großen Bedauern aus.


Pressemitteilung (aufgrund des Ukrainekrieges aktualisierte Fassung unserer Ankündigung vom 17.2.2022) :

Wie verändert der Ukraine-Krieg die sozialen Vorhaben der Ampelkoalition in Deutschland? – Nachgefragt bei MdB Frank Bsirske am 30. März im Halterner Könzgenhaus

HALTERN AM SEE. Die folgenschweren Kriegsereignisse in der Ukraine stellen die deutsche Regierung und die betroffenen Menschen auch in Haltern plötzlich vor ungewohnte Herausforderungen wegen der massiven Auswirkungen für unsere Volkswirtschaft. Ursprünglich wollte die Ampelkoalition in den ersten 100 Tagen viele soziale Vorhaben mit dem Ziel würdiger Arbeit auf den Weg bringen, über die am 30. März um 18.30 Uhr im Halterner Könzgenhaus auf einer öffentlichen Veranstaltung nachgefragt werden sollte. Doch die Veranstalter – das Halterner Forum, die KAB und der DGB sowie das Könzgenhaus – werden sich aus aktuellem Anlass mit ihren Referenten Frank Bsirske, grüner Bundestagsabgeordneter und zuvor 19 Jahre lang Bundesvorsitzender der Gewerkschaft ver.di, nunmehr der Frage zuwenden: Was wird aus den sozialen Vorhaben unter den veränderten Verhältnissen?

Mit dem engagierten Gewerkschafter und jetzigen MdB Frank Bsirske konnte der arbeits- und sozialpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion gewonnen werden, der zuvor maßgeblich in der Arbeitsgruppe „Arbeit und Soziales“ an den Koalitionsverhandlungen beteiligt war und Mitglied des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales ist. Erste Schritte und Maßnahmen z.B. ein Gesetzentwurf über die Erhöhung des Mindestlohnes auf 12 Euro sind bereits angestoßen.

Nach ersten Pressemeldungen sollen angeblich wesentliche Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag für dieses Haushaltsjahr zurückgestellt werden, weil die Entlastungspakete gegen die drastischen Preissteigerungen bei der Energieversorgung und Mobilität für die Verbraucher Vorrang haben.

Durch den Ukraine-Krieg stellt sich eine neue soziale Frage

Während der Haushaltsdebatte standen u.a. das geplante Bürgergeld als Ablösung von Hartz IV, die Kindergrundsicherung und das erweiterte Elterngeld in Frage, während die prioritären militärischen Ausgaben drastisch erhöht werden. Für die Flüchtlingsunterbringung sind für den sozialen Wohnungsbau deutlich erhöhte Mittel vorgesehen. Darüber hinaus solle der Fachkräftemangel durch die geflüchteten Ukrainer aufgefangen werden.

Den Veranstaltern ist bewusst, dass die jetzt bevorstehenden Maßnahmen und bereits beschlossenen Sanktionen, die gegen die russische Aggression und aus Solidarität mit der leidgeprüften ukrainischen Bevölkerung unvermeidlich sind, Auswirkungen auf den Wohlstand und die Einkommensentwicklung für uns haben werden. Das sei auch der Preis für die Verteidigung von Demokratie, Frieden und Freiheit in Europa. Jedoch befürchten nicht nur Gewerkschaften eine weitere Spreizung zwischen Arm und Reich. Die Lastenverteilung muss gerecht erfolgen, fordern die Veranstalter.

Darüber soll mit Frank Bsirske am 30.03. diskutiert werden.

Zu der Hybridveranstaltung am Mittwoch, dem 30. März von 18.30 Uhr bis 21.00 Uhr im Halterner Könzgenhaus auf dem Annaberg ist eine vorherige Anmeldung erforderlich unter:

https://t1p.de/Bsirske20220330

 

Frank Bsirske war langjähriger Vorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und ist heute Bundestagsabgeordneter für die Partei „Bündnis 90/Die Grünen“. Als Gewerkschaftsvorsitzender gehörte er auch dem Vorstand des Europäischen Gewerkschaftsbundes an.

Bei den Koalitionsverhandlungen im Herbst 2021 war er maßgeblich in der Arbeitsgruppe zum Thema „Arbeit” beteiligt. Jetzt ist er Arbeits- und sozialpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion und Mitglied des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales.

Presserechtlich verantwortlich: Arbeitskreis würdige Arbeit (Könzgenhaus / Halterner Forum/ KAB / DGB-Region) , Kontakt: Wilhelm Neurohr, Tel. 02364 6043104, 45721 Haltern am See, Email: Wilhelm.Neurohr@web.de

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30.3.2022: Nachgefragt bei: Frank Bsirske, MdB (Bündnis90/Die Grünen)”100 Tage Ampel-Koalition – Wie soll würdiger Arbeit politisch zum Durchbruch verholfen werden?”

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Die Reihe “Würdige Arbeit” wird fortgesetzt mit einer Reihe von Veranstaltungen, die unter dem Motto “Nachgefragt” stehen. Begonnen wird mit einem Diskussionsabend mit Frank Bsirske, MdB, Bündnis90/DieGrünen.

Nachgefragt bei:

Frank Bsirske, MdB (Bündnis90/Die Grünen) – Mitglied der Arbeitsgruppe zum Thema „Arbeit“ bei den Koalitionsverhandlungen

100 Tage Ampel-Koalition – Wie soll würdiger Arbeit politisch zum Durchbruch verholfen werden?

  • Termin: Mittwoch, 30.3.2022, 18.30 – 21.00 Uhr
  • Ort: KönzgenHaus Haltern am See
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Frank Bsirske war langjähriger Vorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und ist heute Bundestagsabgeordneter für die Partei „Bündnis 90/Die Grünen“. Bei den Koalitionsverhandlungen im Herbst 2021 war er in der Arbeitsgruppe zum Thema „Arbeit” beteiligt. Jetzt ist er Arbeits- und sozialpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion.

Die Veranstaltung wird als Hybrid­-Veranstaltung durchgeführt. Eine Teilnahme ist sowohl in Präsenz als auch digital möglich.

Eine vorherige Anmeldung ist zwingend erforderlich:
Link zur Anmeldung:
https://www.könzgenhaus.de/bildungsangebote/bildungsprogramm/politische-bildung/#c765

Teilnahmegebühren: siehe unten

Flyer zum Download und gerne zum Weiterverteilen

Wir wollen mit Frank Bsirske ins Gespräch kommen zu diversen Themen aus der Arbeitswelt. Insbesondere interessiert uns, ob und wie mit den Vorhaben des Ampel-Koalitionsvertrags würdiger Arbeit zum Durchbruch verholfen werden kann. Es geht um:

Mindestlohn  – Tarifvertragstreue – Tarifbindung statt Tarifflucht  – Weiterbildungs- und Qualifizierungsgeld – Transfer-Kurzarbeitergeld  – Ausbildungsgarantie – verbesserte Mitbestimmung – Betriebszugang der Gewerkschaften – Bürgergeld statt Hartz IV

Es sollen aber auch Stichworte aufgerufen werden, die im Ampelvertrag nicht vorgesehen sind, wie z.B. die Abschaffung der Minijobs, eine Bürgerversicherung und die Problematik der Aktienrente.

Die Moderation an diesem Abend liegt in den Händen von Herbert Bludau-Hoffmann und Wilhelm Neurohr.


Teilnahmegebühr:

  • Präsenzveranstaltung (kleiner Imbiss inclusive ): 10,– Euro
  • Digitale Teilnahme: 10,– Euro
  • Ermäßigt (für KAB-Mitglieder und Mitglieder einer DGB-Gewerkschaft): 5,– Euro

Veranstalterinnen:

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Dokumentation zur Veranstaltungsreihe “Würdige Arbeit” zum kostenlosen Download

Eine Arbeitsgruppe (AG) des Forums hat zur Reihe “Würdige Arbeit” und zur Autorinnenlesung mit Julia Friedrichs eine Dokumentation zusammengestellt.  Die Dokumentation enthält alle auf der Webseite (https://forumdrv.de/category/wuerdigearbeit) zu den Veranstaltungen veröffentlichten Texte und weitere Dokumente wie zum Beispiel ein einführendes Grundlagenpapier der AG zum Thema “Gute Arbeit” sowie thematisch einschlägige Veröffentlichungen des AG-Mitglieds  Herbert Bludau-Hoffmann.

Wir freuen uns darüber, wenn die Dokumentation Verbreitung findet, gelesen wird und Denk- und Handlungsanstöße geben kann.

Hier können Sie die Dokumentation als PDF herunterladen.

Bild: AnonymousUnknown author, Public domain, via Wikimedia Commons, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Man_with_Megaphone.png

 

 

Buch “Working Class” – kostenlos zum Download

Das Buch “Working Class” von Julia Friedrichs kann hier kostenlos als PDF heruntergeladen werden. Oder wer es  wie ich lieber auf Papier möchte – das gebundene Buch kostet 4,50 Euro plus Versandkosten.

Das Buch gibt es bei der Bundeszentrale für politische Bildung (Stöbern lohnt sich immer).

Mehr zum Buch und zu einer Lesung von Julia Friedrichs finden Sie unter: https://forumdrv.de/category/wuerdigearbeit/

„Jeder muss von seiner Arbeit leben können“ – Bericht über die Buchlesung mit Julia Friedrichs

Pressebericht über die Veranstaltung am 8. September:

Würdige Arbeit mit Respekt vor jeder Arbeits- und Lebensleistung:

„Jeder muss von seiner Arbeit leben können“

Lebhafte Diskussion bei der Buchvorstellung von Julia Friedrichs im Könzgenhaus

HALTERN AM SEE. „Endlich wieder eine Veranstaltung mit richtigen Menschen“ freute sich die bekannte Bestseller-Autorin und Grimme-Preisträgerin Julia Friedrichs im Halterner Könzgenhaus auf gemeinsame Einladung des Halterner Forums, der KAB und des Könzgenhauses. Nach ungezählten Online-Veranstaltungen während der Pandemie konnte sie mit 40 Anwesenden und 5 online Zugeschalteten nach ihrer einleitenden Buchlesung ein bewegendes Thema lebhaft diskutieren: „Für Millionen in Vollzeit Berufstätige bleibt ein Leben in sozialer Sicherheit ein Traum, weil sie von ihrer Arbeit nicht leben können und zu den 50% Menschen in Deutschland gehören, die kein nennenswertes Vermögen besitzen.“

Mit der Metapher der gerissenen Achilles-Sehne bei einem Fußballer von Werder Bremen sah Julia Friedrichs das einigende gesellschaftliche Band gerissen oder überdehnt. In ihrem neuesten Buch mit dem Titel „Working Class – Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können“ (mehr zum Buch und zur Autorin auch hier und hier: https://www.juliafriedrichs.de) geht sie den Ursachen nach und schildert eindrucksvoll das persönliche Schicksal einiger von ihr begleiteter Personen in prekären Dienstleistungstätigkeiten, denen während der Pandemie noch Beifall gezollt wurde und die nun wieder in Vergessenheit geraten.

„„Jeder muss von seiner Arbeit leben können“ – Bericht über die Buchlesung mit Julia Friedrichs“ weiterlesen

“working class” – Autorinnenlesung und Diskussion mit Julia Friedrichs

Autorinnenlesung und Diskussion mit Julia Friedrichs
“working class – Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können”

Mittwoch, den 8. September 2021, 19 bis 21 Uhr, Könzgenhaus, Haltern am See

Anmeldung und weitere Informationen hierEinladung als PDF zum Herunterladen und Weitersenden

Teilnahmegebühr:

  • Präsenzveranstaltung: 10,– Euro (kleiner Imbiss inclusive)
  • Digital-Webinar: 5,– Euro
  • Ermäßigt: 5,– Euro

Die Buchhandlung Kortenkamp wird mit einem Büchertisch vertreten sein.

Working Class – das ist der Titel des Buches von Julia Friedrichs, das in der Öffentlichkeit starke Beachtung gefunden hat. Worum geht es indem Buch? Obwohl die Wirtschaft ein Jahrzehnt lang wuchs, ist es dennoch für viele schwieriger geworden, sich Wohlstand aus eigener Kraft zu erarbeiten. Eine Mehrheit besitzt kaum Kapital und Vermögen, Angst vor Altersarmut geht um.
Julia Friedrichs hat Menschen begleitet, die lange hofften, dass Arbeit und ein hinreichendes Einkommen sie durch das Leben tragen und sie damit auskömmlich ihre Familien ernähren können. Es geht um Menschen, die ins Büro gehen, die für uns alle öffentliche Flächen reinigen, um Menschen, die unterrichten. Alle diese Menschen müssen feststellen, dass sie Tag für Tag hart arbeiten und das Geld trotzdem nicht reicht. Das Buch erzählt ihre Geschichte.
Julia Friedrichs zeigt in dieser eindrücklichen Reportage, wie schwer es für viele geworden ist, trotz unermüdlicher und engagierter Arbeit als Krankenpflegerin, als Kassiererin oder als Musikerin auskömmlich leben zu können. Sie hat dafür mit den Betroffenen selbst, aber auch mit Experten und Politikern gesprochen.

Die Autorin ist Journalistin und Filmemacherin; zu ihren Arbeiten zählen Reportagen und Dokumentationen für die ARD, das ZDF und „Die Zeit”. Mit dem Redaktionsteam „docupy” hat sie den Film „Ungleichland” herausgebracht. Sie hat mehrere viel beachtete und hochgelobte Bücher verfasst, u.a. den Bestseller „Gestatten: Elite – Auf den Spuren der Mächtigen von morgen” [2008], Julia Friedrichs erhielt für ihre Arbeit mehrere Auszeichnungen, u.a. den Grimme-Preis 2019.

Hier einige Links zu Vorträgen von und Interviews bzw.  Gesprächen mit Julia Friedrichs über ihr Buch:

 

„Schlechte Arbeit fällt nicht einfach vom Himmel“

Abschluss der Kooperations-Veranstaltungsreihe „(Un-)Würdige Arbeit“[1]Der Text ist eine von W. Nienhüser leicht bearbeitete, um Literaturhinweise ergänzte Version der Pressmitteilung des Könzgenhauses. Danke an Sarah Dunkel.

Schlechte Arbeit ist politisch gewollt – das war eine der Kernerkenntnisse der Kooperationsveranstaltung von KönzgenHaus, Halterner Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt, KAB Bildungswerk Münster und KAB Bezirksverband Recklinghausen.

In den vorherigen Veranstaltungen der Reihe wurde an konkreten Fällen die Situation von Arbeitenden in der Fleischindustrie, in Pflegeberufen und bei Lieferdiensten beleuchtet. Wie ist es um die Würde der Arbeit in unserer Gesellschaft bestellt? Wie sind die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten? Welche Probleme drängen besonders?

Die Abschlussveranstaltung am 17. Juni stand unter dem Motto „Würdige Arbeit – Solidarische Gesellschaft“ nun die Analyse der menschenrechtlichen Folgen und die Voraussetzungen würdiger Arbeit im Vordergrund.

Die Experten Prof. Dr. Gerhard Bosch (Universität Duisburg-Essen) und Prof. Dr. Franz Segbers (Universität Marburg) diskutierten, wie würdige Arbeit aussieht und wie wir diese politisch und gesellschaftlich erreichen können. Beide fanden deutliche Worte zur aktuellen Situation; so stellte Franz Segbers fest, dass prekäre Arbeitsbedingungen eben nicht einfach vom Himmel fallen – vielmehr sei schlechte Arbeit politisch gewollt und eine Folge des Neokapitalismus. Die Hinnahme von „Unwürdiger Arbeit“ bezeichnet er als Ausdruck der Verachtung von Menschenrechten.

Auch Gerhard Bosch prangerte an, dass sich in den vergangenen Jahren immer mehr und mehr Unternehmen still und heimlich vom deutschen Sozialmodell verabschiedet hätten: Tätigkeiten wurden und werden mehr und mehr in günstigere Subunternehmen ausgelagert, Tarifverträge und Gewerkschaften seien nicht mehr gewollt, Betriebsratsgründungen und Mitbestimmung verhindert. So bekomme mittlerweile nur noch jede*r Zweite Lohn nach Tarif; fast 50 Prozent der Beschäftigten erhalte einen Lohn, der einseitig vom Unternehmen festgesetzt wird. „Geht es so weiter, sind es in zehn Jahren nur noch ein Drittel aller Beschäftigten, die nach Tarif bezahlt werden. Wir verlieren die soziale Mitte.“ Allgemeinverbindliche Tarifverträge – das sei die Hauptaufgabe, die wir verfolgen müssten, um diesen Trend aufzuhalten: „Es ist unsere Aufgabe, ein System herzustellen, dass die würdige Arbeit sichert.“

„Arbeit muss wieder Vorrang haben vor dem Kapital!“ Diese alte Forderung der katholischen Soziallehre will Franz Segbers wieder in den Fokus rücken: „Wir hatten mal bessere Bedingungen – die sind verschlechtert worden. Jetzt müssen wir Terrain zurückgewinnen.“ In der Pflicht: Gewerkschaften und Sozialverbände, so der Konsens des Abends. Diese müssten als „Aussäer“ fungieren und eine Debatte darüber führen, wie ein gerechtes Wirtschafts- und Arbeitsmodell aussehen kann.

Der heftige Sinkflug der Gewerkschafts-Mitgliedszahlen in den vergangenen zwanzig Jahren sei immerhin gestoppt, so Diskussionsteilnehmer und Gewerkschaftler Mark Rosendahl; jetzt müsse man wieder und weiter genau da ansetzen, wo es beispielsweise „Fridays For Future“ gezeigt hätte: „Soziale Bewegung ist ein wichtiger Motor, ohne ändert sich einfach gar nichts!“

KönzgenHaus-Geschäftsführer Norbert Jansen stimmte zu: „Wir haben momentan ein Organisationsproblem – ein Imageproblem. Nicht nur die Gewerkschaften, sondern alle größeren Organisationen. Ob in den Gewerkschaften, Parteien, bei den Sozialverbänden, auch in der KAB – es sind soziologische und pädagogische Fragen, die wir jetzt in den Fokus nehmen müssen, um neue Mitglieder zu gewinnen.“ Die wichtigste Frage, die sich dann herauskristallisierte: Wie kommen die Gewerkschaft denn jetzt zu neuen Mitgliedern?

Mit der Diskussion über die Möglichkeiten von steuerrechtlichen Vorteilen oder der Herausstellung der großen Bedeutung im öffentlichen Diskurs wurden Antwortversuche gestartet, die demnächst tiefgründiger behandelt werden sollen; denn auch wenn diese Kooperations-Veranstaltungsreihe an dieser Stelle endet, steht die nächste schon in den Startlöchern, verkündeten die Moderatoren des Abends, Prof. Dr. Werner Nienhüser von der Universität Duisburg-Essen und Ortrud Harhues, Leiterin des KAB-Bildungswerkes Münster: „Schlechte Arbeit wird gemacht. Und alles, was von Menschen gemacht wird, ist auch veränderbar. Wir sind noch lange nicht fertig mit diesem Thema und dem Nachdenken darüber.“, so Harhues zum Abschluss.

Erleben Sie den Abschluss unserer Veranstaltungsreihe noch einmal mit:

Zum Nachlesen: Literaturhinweise / ausgewählte Texte der Referenten

Anmerkungen

Anmerkungen
1 Der Text ist eine von W. Nienhüser leicht bearbeitete, um Literaturhinweise ergänzte Version der Pressmitteilung des Könzgenhauses. Danke an Sarah Dunkel.

Einladung: Podiumsgespräch und Diskussion “Würdige Arbeit – Solidarische Gesellschaft” 17. 06.2021

Einladung: Onlineveranstaltung: Podiumsgespräch und Diskussion „Würdige Arbeit – Solidarische Gesellschaft“.  Donnerstag, 17. 06.2021 – 19.00 bis 21.15

Link zur Anmeldung: https://www.xn--knzgenhaus-ecb.de/bildungsangebote/bildungsprogramm/politische-bildung/#c765

Würdige Arbeit: das ist mehr als ein sicherer Arbeitsplatz mit einem festen Einkommen in ausreichender und gerechter Höhe. Das ist mehr als Arbeitsplatz der in die Altersarmut führt. Das ist mehr als ein Arbeitsplatz, an dem man vor körperlicher Beeinträchtigung geschützt ist.
Damit die Würde des Menschen in der Arbeit gewahrt bleibt, bedarf es einer sinnhaften Aufgabe, auf die man stolz sein kann und die von anderen geschätzt wird. Würdige Arbeit heißt, selbst Einfluss auf Arbeitsinhalte und -ablauf nehmen und sich in der Arbeit weiterentwickeln zu können.
Würdige Arbeit ist ein Beitrag zu einer guten, zu einer solidarischen Gesellschaft. Umgekehrt ist eine solidarische Gesellschaft notwendig für würdige Arbeit. So müssen wir gemeinsam z.B. individuelle Einkommensverluste durch Arbeitslosigkeit, durch Erkrankung oder durch Übernahme der Pflege von Angehörigen ausgleichen. Arbeit beeinflusst unser Leben. Leben ist mehr als Arbeit. Arbeit ist Teil eines gelingenden Lebens.

In den ersten drei Veranstaltungen haben wir die konkrete Situation von Arbeitenden in der Fleischindustrie, in Pflegeberufen und bei Lieferdiensten diskutiert. In der vierten, abschließenden Diskussion wollen wir über einzelne Branchen und Berufe hinausgehen und bei der Analyse die gesellschaftlichen und menschenrechtlichen Folgen und Voraussetzungen würdiger Arbeit einbeziehen.

Diskutieren werden wir an diesem Abend mit zwei Experten:
* Prof. Dr. Gerhard Bosch: Professor (em.) für Soziologe und langjähriger Direktor des Instituts Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen. Sein Forschungsgebiet ist die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik.
* Prof. Dr. Franz Segbers: Theologe und Sozialwissenschaftler; Professor (em.) für Sozialethik am Fachbereich Evangelische Theologie an der Philipps-Universität in Marburg. Sein zentrales Forschungsgebiet ist die christliche Sozial- und Wirtschaftsethik.

Moderation: Ortrud Harhues, Leiterin des KAB-Bildungswerkes Münster, und Prof. Dr. Werner Nienhüser, Universität Duisburg- Essen.

Es wird keine Teilnahmegebühr erhoben. Gerne weisen wir aber auf die Möglichkeit einer Spende an den Verein Würde und Gerechtigkeit e. V. hin:
Spendenkonto: Aktion Würde und Gerechtigkeit e.V.
IBAN: DE84 4015 4476 0001 1578 17
BIC: WELADED1 LEN – Stadtsparkasse Lengerich
Verwendungszweck: „Spende” / Ihr Name und Ihre Adresse

Mehr Informationen zum Download:

“Wer impft die Arbeitsmigranten?” fragt Pfarrer Peter Kossen

Pressemitteilung:  Kossen: Wer impft die Arbeitsmigranten?

Peter Kossen fordert eine bessere Aufklärung und die schnellstmögliche Impfung der großen Gruppe ost- und südosteuropäischer Arbeitsmigranten.

Risikogruppe ohne Schutz

„Aufgrund vielfach unmenschlich harter Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie, in Ausstallkolonnen oder als Paketzusteller haben wir es zu tun mit einer Vielzahl von Infektionen und schweren und tödlichen Verläufen der Corona-Erkrankung bei den Arbeitern und Arbeiterinnen in diesen Branchen“, so Kossen. Er verweist auf die andauernd hohen Infektionszahlen im Umfeld der Fleischindustrie. „Die Totalerschöpfung dieser Menschen ist die Normalität. Als Wegwerfmenschen werden sie verschlissen und in großer Zahl infiziert!“

„“Wer impft die Arbeitsmigranten?” fragt Pfarrer Peter Kossen“ weiterlesen