19.5.2022, Recklinghausen: Lesung “Gewaltfrei wirken – Mahatma Gandhi”

Gewaltfrei wirken Mahatma Gandhi
Aus einer anderen Welt und einer anderen Zeit und
doch für unsere Zeit und Welt heute entscheidend?

Lesung mit Dr. Thomas Nauerth und Klaus Hagedorn

  • Wann: Donnerstag, 19. Mai 2022, 20 Uhr
  • Wo: Gastkirche Recklinghausen, Heilig-Geist-Str. 7,  45657 Recklinghausen
Mahatma-Gandhi, studio, 1931.jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/Mohandas_K._Gandhi

“Gandhi war der erste, der aktive Gewaltfreiheit als Handlungsprinzip für das große politische und gesellschaftliche Feld erschlossen hat.
Er hat damit u.a. Martin Luther King und Nelson Mandela inspiriert und insgesamt eine neue Sichtweise auch für Kernprinzipien christlicher Lehre (Bergpredigt und Kreuzestheologie) eröffnet. „Die westliche Christenheit muss aus der Bergpredigt neu geboren werden; das ist der entscheidende Grund dafür, dass ich Ihnen schreibe“ (Dietrich Bonhoeffer 1934 in einem Brief an Gandhi). Die Rezeption bzw. die Auseinandersetzung mit den Ideen und Erfahrungen Gandhis ist in Europa heutzutage nicht sehr stark, innerhalb der Kirchen Europas und ihrer Theologie ist sie fast nicht mehr nachzuweisen. Wir wollen einen Beitrag leisten, eine neue theologische Perspektive auf Gandhi und seine Experimente mit der Wahrheit zu gewinnen: „Sehr oft wird die religiöse Dimension Gandhis für selbstverständlich gehalten oder ausgeklammert. Der Schlüssel zum Verständnis Gandhis liegt aber gerade in seiner Religiosität.” (George Pattery S.J.).

Die Lesung ist eine Kooperationsveranstaltung der Gastkirche, der pax christi-Regionalgruppe Recklinghausen und des Gartens der Religionen.


Das Buch kann am Leseabend für 9,90 € erworben werden.” (Flyer der Veranstalter, auch zum Download und Weiterverteilen

8. Juni 2022: Vortrag Ralf Becker “Sicherheit neu denken”, KönzgenHaus, Haltern am See

Einladung: Vortrag und Diskussion am Mittwoch, 8. Juni 2022 um 19.00 Uhr
(bis 21.30 Uhr) im KönzgenHaus, Haltern am See, Annaberg 40

mit Ralf Becker

Sicherheit neu denken: Impulse für eine neue friedenspolitische Sicherheitsarchitektur in Europa

Ralf Becker  ist Koordinator der zivilgesellschaftlich-kirchlichen Initiative www.sicherheitneudenken.de.

Der Krieg in der Ukraine markiert eine Zeitenwende. Welche Optionen bieten sich zur Neugestaltung einer nachhaltig friedlichen Nachkriegsordnung in  Europa nach Beendigung dieses Kriegs? Welche Rolle spielen dabei die Klimagerechtigkeitsbewegung und Soziale Verteidigung?

Die öffentliche Veranstaltung in Federführung des Halterner IWiPo-Institutes und der katholischen Friedensbewegung Pax Chisti wird vom KönzgenHaus Haltern und von zahlreichen weiteren Kooperationspartnern mit getragen oder empfohlen: Dem Halterner Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt, dem Bildungswerk Münster der katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB, der  katholischen Pfarrei St. Sixtus Haltern und der evangelischen Kirchengemeinde Haltern, dem evangelischen Erwachsenenbildungswerk Westfalen-Lippe, den Friedensfreunden Dülmen und der Attac-Regionalgruppe Recklinghausen sowie der Ortsgruppe Recklinghausen von Fridays for Future.

 

Rede zum 8. Mai 2022

Einführende Rede von Bernhard Damm zum 8. Mai 2022

Die folgende Rede wurde von Bernhard Damm am Kriegerdenkmal Lippramsdorf bei der Gedenkfeier aus Anlass des Tages der Befreiung am 8.Mai gehalten.

“Redemanuskript – Gedenken 8. Mai

Willy Brandt sagte 1970:

“Nach fast 6 Kriegsjahren schwiegen in Europa endlich die Waffen. Der von Hitler begonnene Krieg forderte das Opfer von Millionen Menschen, von Kindern, Frauen und Männern, von Gefangenen und von Soldaten vieler Nationen. Wir gedenken ihrer aller in Ehrfurcht. Das Leid, das ihr Sterben mit sich brachte, und die Leiden, die der Krieg zur Folge hatte, mahnen uns, die Lehren der Vergangenheit nicht zu vergessen und in der Sicherung des Friedens das oberste Ziel unseres politischen Handelns zu sehen” (Abgabe einer Erklärung der Bundesregierung durch den Bundeskanzler Willy Brandt: Plenarprotokoll des Deutsches Bundestages, 51. Sitzung, Bonn, den 8. Mai 1970, S. 2564).

Walter Scheel (1975):

„Wir wurden von einem furchtbaren Joch befreit, von Krieg, Mord, Knechtschaft und Barbarei, und wir atmeten auf, als dann das Ende da war“ (W. Scheel; zitiert nach: Korte, Karl-Rudolf (2019): Gesichter der Macht. Über die Gestaltungspotenziale der Bundespräsidenten. Frankfurt: Campus, S. 171).

Scheel spricht von 55 Mill. Opfern/Toten. Ihre Gesamtzahl lässt sich nur schätzen. Für die durch direkte Kriegseinwirkung Getöteten werden Schätzungen von 60 bis 65 Millionen angegeben. Die Schätzungen, die Verbrechen und Kriegsfolgen einbeziehen, reichen bis zu 80 Millionen (https://de.wikipedia.org/wiki/Tote_des_Zweiten_Weltkrieges).

Richard von Weizsäcker 1985:

„Und dennoch wurde von Tag zu Tag klarer, was es heute für uns alle gemeinsam zu sagen gilt: Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Niemand wird um dieser Befreiung willen vergessen, welche schweren Leiden für viele Menschen mit dem 8. Mai erst begannen und danach folgten. Aber wir dürfen nicht im Ende des Krieges die Ursache für Flucht, Vertreibung und Unfreiheit sehen. Sie liegt vielmehr in seinem Anfang und im Beginn jener Gewaltherrschaft, die zum Krieg führte.
Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen.“ (Weizsäcker, Richard von (2015): Weizsäcker-Rede zum Kriegsende im Wortlaut – “Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung”, https://www.tagesschau.de/inland/rede-vonweizsaecker-wortlaut-101.html).

Was könnten wir heute wissen?

  • Dass Frieden in diesem Fall nur durch die massive militärische Niederlage des Aggressors möglich war. Nur die Kapitulation brachte Befreiung, Zu den Befreiern gehörten Amerikaner, Russen, Ukrainer, Engländer, Franzosen. Belgier, Niederländer uvm.
  • Dass Frieden ein Gut ist, für den man einen Preis bezahlen muss.
  • Dass ohne behutsame und Sicherheit schützende Politik kein Frieden gewahrt wird.
  • Dass Frieden und Sicherheit nicht nur militärisch gedacht werden dürfen, aber ohne Militär wohl nicht zu wahren sind.
  • Dass Pazifismus die Bereitschaft bedeutet, selbst eher Leid in Kauf zu nehmen als es anderen zuzufügen. Es bedeutet nicht, diese Haltung anderen abzuverlangen. (Habeck nennt das Vulgärpazifismus. Münkler spricht in dem Zusammenhang von Unterwerfungspazifismus)
  • Dass Frieden immer gewollt werde sollte und Krieg in keiner Weise und zu keiner Zeit verherrlicht werden darf. Deshalb haben wir die Granaten durch Rosen ersetzt. Wir sehen hier zwei Soldaten, die in keiner Weise den Eindruck von Friedensliebe erwecken, so dass man hier nicht von einem würdigen Ort der Friedenssuche sprechen kann.

Heute wissen wir vieles nicht. Die Wahrheit ist flüchtig. Das Leid vieler Menschen ist es nicht.

Vielleicht sind wir in dem Dilemma, den Angegriffenen und unterdrückten Menschen beistehen zu müssen/ zu wollen und gleichzeitig die totale Selbstgefährdung nicht riskieren zu wollen/ dürfen. Das ist der Preis der möglichen atomaren Eskalation.
Dass wir Angst haben können vor dem einen und Angst haben können vor dem anderen, sollten wir uns unbedingt gegenseitig zugestehen.”


Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf der folgenden Webseite veröffentlicht,  wo auch weitere Informationen zu finden sind: http://denkmallippramsdorf.atspace.eu.

“Rosen statt Handgranaten” – Gedenkveranstaltung zum Tag der Befreiung 2022

Circa 50 Personen versammelten sich am Sonntagnachmittag in Lippramsdorf am Ehrenmal, um des Tages der Befreiung und der vielen Millionen Opfer zu gedenken. Organisiert wurde die Gedenkfeier von der Arbeitsgruppe Denk.Mal und dem Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde die Handgranate, die einer beiden Soldatenfiguren des Denkmals in angreifender Pose trägt, mit Rosen umkleidet.

„Dass Frieden immer gewollt werden sollte und Krieg in keiner Weise und zu keiner Zeit verherrlicht werden darf. Deshalb haben wir die Granaten durch Rosen ersetzt. Wir sehen hier zwei Soldaten, die in keiner Weise den Eindruck von Friedensliebe erwecken, so dass man hier nicht von einem würdigen Ort der Friedenssuche sprechen kann“  (Einführungsrede von Bernhard Damm).


 

 

 

“Sicherheit neu denken – gottseidank”

Sicherheit neu denken – gottseidank

100 Milliarden Euro für die Sicherheit? Endlich!

Bernhard Damm

Die Bundeswehr brauche angesichts der Zeitenwende durch den russischen Angriff auf die Ukraine “neue, starke Fähigkeiten”, sagte Scholz. Maßstab müsse sein, dass alles getan werde, was für die Sicherung des Friedens in Europa gebraucht werde. “Klar ist: Wir müssen deutlich mehr investieren in die Sicherheit unseres Landes, um auf diese Weise unsere Freiheit und unsere Demokratie zu schützen”, sagte Scholz. [1]

Dem kann man nur zustimmen und auch als pax-christi-Mitglied würde ich das unterschreiben.

Nun beginnt also endlich der Ausbau ziviler Sicherheitspolitik:

Unsere Vision 2040 wird schon jetzt wahr:

  • Deutschland stellt bis 2040 in Kooperation mit anderen Ländern komplett auf eine nachhaltige zivile Sicherheitspolitik um. Deutschland investiert jährlich 80 Mrd. Euro in zivile Krisen-Prävention anstatt in die Bundeswehr.
  • Entsprechend der Forderungen der Fridays-for-Future-Bewegung leben und wirtschaften wir im Einklang mit den Pariser Klimazielen. Wir nehmen die Klimakrise genauso ernst wie die Corona-Pandemie.
  • Dankjährlich 27 Mrd. Euro deutscher Beitragszahlungen ist die UNO wirklich wirksam. [2]

Leider alles nur Wunschdenken. Nicht, dass man nur die Hälfte der Vision Realität werden lässt.

Man denkt gar nicht daran:

  • dass Sicherheit anders als militärisch gedacht werden kann. In der gesamten Diskussion dominiert die militärische Variante des Sicherheitsdiskurses.
  • dass Sicherheit mit zivilen, gewaltfreien sozialen Verteidigungsformen unterstützt werden muss.
  • dass mit dieser Politik allein die erhoffte Abschreckung Wirkung zeigt.
  • dass im Falle des Scheiterns ein Krieg keine Sicherheit erzeugen kann.
  • dass die neuen Flugzeuge ein extremes Eskalationspotential entfalten, was man verharmlosend “nukleare Teilhabe” nennt.

Sicherheit wird nur militärisch gedacht, obwohl alle sehen: allein militärisch gibt es keine Sicherheit. Aber auch keinen Sieg, wie Putin erkennen wird. Damit ist nicht bestritten, dass ein Land bei einem aggressiven Angriff das Recht hat, sich zu verteidigen mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, solang sie nicht das Bestehen großer Teile der Menschheit gefährden.

Wir sollten weiterhin darauf bestehen, dass Frieden ein großes Projekt ist, das nur gelingen kann, wenn (neben militärischen Mitteln) mit den Elementen gewaltfreier sozialer Verteidigungsformen gearbeitet werden kann.

  1. https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/bundeswehr-sondervermoegen-scholz-101.html
  2. https://www.sicherheitneudenken.de/sicherheit-neu-denken-unsere-vision/?

Der Text  ist erschienen in: pax christi (Diözesanverband Münster): Europa des Friedens – ein frommer Wunsch?  Korrespondenz 1/2022,  S. 49f. Für die Erlaubnis, den Text hier wiedergeben zu dürfen, danken wir dem Verfasser Bernhard Damm und pax christi Münster. (Die Ansichten des Verfassers geben nicht unbedingt die Meinung des gesamten Forums oder seiner Mehrheit wieder.)

Jean Ziegler über Geflüchtete: “Herr Ziegler, sehen Sie auch einen Klassenunterschied unter Geflüchteten?”

Jean Ziegler über Geflüchtete: “Eine Tragödie hinter der Tragödie”
NDR vom 30.03.2022

“Seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges ist deutlich geworden, dass in Europa unterschiedlich mit Geflüchteten umgegangen wird – je nach dem, woher sie stammen. Ein Gespräch mit dem Globalisierungskritiker Jean Ziegler.”
Frage von Jürgen Deppe (Interviewer):  “Herr Ziegler, sehen Sie auch einen Klassenunterschied unter Geflüchteten?Jean Ziegler: Zuerst möchte ich sagen, dass die rasche, großzügige, unbürokratische Aufnahme von tausenden von Flüchtlingen aus der Ukraine eine sehr gute Entscheidung der europäischen Staaten ist. Das ist ein fürchterlicher Vernichtungskrieg in der Ukraine von einem Massenmörder Putin, geführt gegen die Zivilbevölkerung. Dass diese Menschen aufgenommen werden und dass ihnen geholfen wird, ist sehr gut. Aber es gibt eine Tragödie hinter der Tragödie, von der jetzt kaum mehr jemand spricht: Das ist die Rückweisung, die Verweigerung des Asylrechtes, die Verbrechen, die an der Ost- und Südgrenze des europäischen Kontinentes begangen werden gegen die Flüchtlinge, die nicht europäischen Ursprungs sind: Gegen Afghanen, Syrer, Iraker, Südsudanesen, Jemeniten, Somalier wird Europa abgeschottet, denen wird das Asylrecht praktisch abgesprochen – obschon das Asylrecht ein universelles Menschenrecht ist, festgelegt im Artikel 14 der universellen Deklaration für Menschenrechte der UNO: Wer in seinem Land bombardiert, gefoltert oder verfolgt wird, hat das Recht, eine Grenze zu überschreiten und in einem anderen Staat Schutz und Asyl zu ersuchen. Dieses Recht wird verweigert, wenn es um diese Flüchtlinge geht. (…)

Frage: “In Polen sind noch bis zum Ausbruch des Ukraine-Krieges an der Grenze zu Belarus Menschen zurückgeschickt worden, auch im eisigsten Winter. Nach dem Ausbruch des Krieges hat Polen, obwohl die Ukraine weder zur NATO noch zur EU gehört, die Grenzen geöffnet. Da gibt es offensichtlich ein Unterscheidung in unser aller Köpfen und Herzen. Können Sie sich die erklären?

Ziegler: Die Hypothese ist: Rassismus. Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Exekutive der Europäischen Kommission, hat die griechische Grenzpolizei, diese fürchterlichen Schlägertruppen, als “Schutzschild Europas” gepriesen und ihnen gratuliert. Die Angst vor Menschen, die nicht aus Europa kommen, dass diese Menschen Feinde der europäischen Lebensweise seien, dieses Gespenst geht um in Brüssel und in den Regierungsämtern der Mitgliedsstaaten. Das ist Rassismus, der mörderisch ist. Diese Unterscheidung zwischen nichteuropäischen Flüchtlingen, die die europäische Lebensweise mit ihrer Präsenz “bedrohen” – wie, weiß ich auch nicht -, und europäischen Flüchtlingen, die wie wir sind und deshalb aufgenommen werden und mit völkerrechtskonformer Strategie großzügig behandelt werden. Dieser Rassismus muss bekämpft und gebrochen werden. Es gibt keine Ohnmacht in der Demokratie. Deutschland ist ein Rechtsstaat und in einem Rechtsstaat darf es keine rassistische Diskriminierung der Rechtssubjekte geben. Das muss die öffentliche Meinung durchsetzen. Wir, die Völker Europas, haben alle Möglichkeiten, unsere Regierungen zu zwingen, das Asylrecht wieder herzustellen – ob es Europäer oder Araber sind.” (Quelle: Jean Ziegler über Geflüchtete: “Eine Tragödie hinter der Tragödie”,  https://www.ndr.de/kultur/Ukraine-Fluechtlinge-Ist-das-Vorgehen-der-EU-rassistisch,gefluechtete266.html, 30.3.2022)

Bürgerrat in 2023: Rat der Stadt Haltern beschließt einstimmig die testweise Einrichtung eines Bürgerrats

Ein Bild, das Text enthält. Automatisch generierte BeschreibungDer Rat der Stadt Haltern hat am 31. März 2022 einstimmig mit allen 5 Fraktionen die (testweise) Einrichtung eines Bürgerrats in 2023 beschlossen und dafür 15.000 € Haushaltsmittel bereitgestellt. Das Forum dankt auf diesem Wege für den positiven Beschluss.

Abgehakt? Nein. Aber ein wesentlicher Schritt ist getan. Nun müssen wir den Beschluss gemeinsam umsetzen und mit Leben füllen.

Quelle Piktogramm