„(Un-)Würdige Arbeit – der Fall der Fleischindustrie“ – Rückschau, Reaktionen auf unseren offenen Brief und Vorschau auf weitere Aktionen

„(Un-)Würdige Arbeit – der Fall der Fleischindustrie“ – das war der Titel einer Veranstaltung des Halterner Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt, der KAB Diözesanverband Münster, dem KAB Bezirksverband Recklinghausen sowie dem KönzgenHaus Haltern am See. Die Veranstaltung hatte die schlechten Arbeitsbedingungen und Wohnverhältnisse der Arbeitskräfte zum Thema. Die Situation der zumeist aus Osteuropa kommenden Arbeitskräfte war (und ist) entwürdigend: Gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen, schlechte Bezahlung, ausbeuterische Beschäftigung über dubiose Sub-Sub-Werksvertragsunternehmen oder Leiharbeitsfirmen, katastrophale Wohnbedingungen.

Was ist mittlerweile – nach unserer Veranstaltung und unserem offenen Brief – passiert?

Unsere Veranstaltung lag zeitlich genau in dem Zeitfenster der politischen Auseinandersetzung auch innerhalb der Bundesregierung und der CDU über das sog. „Arbeitsschutzkontrollgesetz“. Dieses Gesetz sieht vor, Werkverträge und Leiharbeit in der Fleischindustrie zu verbieten, die Arbeitsschutzkontrolle und die Wohnsituation der osteuropäischen Arbeitskräfte zu verbessern. In der CDU wurde das bereits geplante Gesetz plötzlich wieder Gegenstand innerparteilicher Auseinanderansetzungen. Flankiert durch das Lobbying der Fleischwirtschaft drohten die geplanten gesetzlichen Regulierungen entschärft und damit wirkungslos zu werden. Deshalb haben wir als Veranstalter der Diskussionsveranstaltung zur Situation in der Fleischindustrie u.a. den CDU-Bundestagsabgeordneten aus NRW einen offenen Brief  geschickt, um zu verhindern, dass das geplante Gesetz zugunsten der Fleischindustrie verwässert wird.
Zwischenzeitlich ist dann im Dezember in der Bundesregierung ein auch aus unserer Sicht tragfähiger Kompromiss gefunden worden; und mittlerweile ist das Gesetz im Bundestag und Bundesrat beschlossen und zu Beginn dieses Jahres in Kraft getreten.

Reaktionen auf unseren Offenen Brief

Es hat uns eine Email des Wahlkreisbüro des SPD-MdB Michael Groß erreicht, in der das gesamte Team uns seinen Dank für unser Engagement ausspricht.

Eine weitere Email erhielten wir vom Landtagsbüro des MdL Josef Hovenjürgen  mit dem Hinweis auf das Engagement von Minister Karl-Josef Laumann für die Realisierung des Arbeitsschutzkontrollgesetzes.

Ende Dezember erhielten wir noch einen Brief von Minister Karl-Josef Laumann  in seiner Funktion als Bezirksvorsitzender der CDU Münsterland. Minister Laumann beschreibt in seinem Brief seinen persönlichen Beitrag bei der Kompromissfindung und dem Zustandekommen des Arbeitsschutzkontrollgesetzes. Gleichzeitig dankt er uns dafür, dass wir uns für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie eingesetzt haben.

Wir haben uns kürzlich brieflich bei Minister Laumann für sein Engagement bedankt.

„Wir begrüßen Ihr Engagement beim Zustandekommen des Gesetzes außerordentlich. Verbinden wollen wir unseren Dank mit dem Hinweis, dass es – wie Sie wissen – noch eine ganze Reihe von Branchen mit Niedriglöhnen, schlechten Arbeitsbedingungen, fehlender Tarifbindung und einem viel zu umfassenden Einsatz von Werkverträgen und Leiharbeit gibt.
Wir meinen, dass es nicht nur eine Aufgabe der Tarifpartner ist, sondern begleitende politische Initiativen erfordert, die Arbeitsbedingungen auch in anderen Branchen zu verbessern. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Belastungen, die durch die Pandemie im Pflegebereich entstanden sind, müssen endlich dazu führen, dass die Personalnotstände, die beschwerlichen Arbeitsbedingung und die zu niedrige Bezahlung durch verschiedene Maßnahmen beseitigt werden. Pflegetätigkeiten sind besser zu bezahlen, und der bereits abgeschlossene Tarifvertrag in der Altenpflege sollte für allgemeinverbindlich erklärt werden.
Initiativen von Ihnen mit dieser Zielrichtung würden uns freuen und unsere Unterstützung finden.“

Wie geht es weiter?

In Kürze findet eine weitere Veranstaltung unserer Reihe Würdige Arbeit“ statt, diesmal über die Arbeit im Pflegebereich (in Krankenhäusern, in der Altenpflege in Altenheimen wie auch in der häuslichen Pflege) (zur Anmeldung hier klicken).
Wir werden die Reihe fortsetzen mit den Veranstaltung „Würdige Arbeit jenseits des Normalarbeitsverhältnisses“ (15.4.,21, 19:00) und „Würdige Arbeit – solidarische Gesellschaft“ (Mai/Juni 2021) (Anmeldungen hier).

Heilige Familie in der Flüchtlingsunterkunft – Alternative Krippe in St. Laurentius (Haltern am See)

In der Laurentiuskirche in Haltern erwartete die Besucher eine Besonderheit: Neben dem gewohnten Bild von Maria, Josef und dem Jesuskind inmitten der Hirten und Schafe war dort auch eine „alternative“ Krippe aufgebaut.

Wo würde Jesus heute geboren werden? Antwort: in einer Flüchtlingsunterkunft! Der Stall in Bethlehem war schließlich nichts anderes als eine Notunterkunft für Menschen, die niemand bei sich haben wollte.


Die Besucher der Laurentiuskirche waren dazu eingeladen, die Perspektive der Geflüchteten einzunehmen. An die aufgestellten Trennwände konnten eigene Gedanken und Gefühle geschrieben werden.

Außerdem waren Videoproduktionen zu sehen: Zum einen der mehrfach preisgekrönte Animationsfilm „01 Gravity“ der in Haltern arbeitenden Künstlerin Katharina Potratz,  der die Fluchtgeschichte eines kleinen Jungen erzählt. Zum anderen der Livemitschnitt eines Theaterstücks aus dem Jahr 2018, in dem Halterner Laiendarsteller unter Regie des Theaterpädagogen der Ruhrfestspiele, Alois Banneyer, sowie der Theaterpädagogin Kathi Klöpfer Erfahrungsberichte aus NRW-Sammelunterkünften szenisch umsetzen.

Im Schatten der Corona-Pandemie darf die dramatische Situation in den Flüchtlingsunterkünften nicht aus dem Blick verloren werden – zumal die Menschen dort durch die Unterbringungsbedingungen dem höchsten Ansteckungsrisiko überhaupt in dieser Gesellschaft ausgesetzt sind (weitere Informationen u.a. hier: https://www.asyl.net/start/nachrichten/informationen-zu-auswirkungen-des-coronavirus/.

 

Kommendes Treffen des Forums – per Videokonferenz

Das nächste Treffen des Forums findet als Videokonferenz statt am 21.02.20201 (11:00 bis 13:00 Uhr) .

Alle Mitglieder des Forums erhalten rechtzeitig eine Email mit den Einwahldaten.

Interessent*innen / Gäste sind herzlich willkommen: Bitte senden Sie eine Email an werner.nienhueser+forumdrv@gmail.com; dann bekommen Sie die Einwahldaten.

 

 

Was wir bisher gemacht haben – Aktivitäten des Forums

 

Da hängt unser Transparent – Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt.

Das Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt wurde am 17.07.2016 mit 11 Gründungsmitgliedern gegründet. Die Gruppe traf sich vorher als “Politischer Stammtisch” des Asylkreises. Mit der Gründung des Forums gab es eine Öffnung auch für weitere Themen über die nach wie vor dringende Asylfrage hinaus.  (Siehe mehr dazu auch hier: https://forumdrv.de/ueberuns).

Im Folgenden stellen wir dar, was das Forum bisher getan und  erreicht hat.

„Was wir bisher gemacht haben – Aktivitäten des Forums“ weiterlesen

Einladung: “Un)würdige Arbeit – Das Beispiel der Pflege(berufe)” – Onlineveranstaltung am Donnerstag, 21.01.2021 um 19:00 Uhr

(Un)würdige Arbeit – Das Beispiel der Pflege(berufe)

Onlineveranstaltung am Donnerstag, 21.01.2021 um 19:00 Uhr

Podiumsgespräch und Diskussion

Die aktuelle Situation der Pandemie legt die Grenzen und Schwächen im Bereich der Pflege in aller Deutlichkeit offen. Auch wenn die Situation in vergleichbaren Ländern noch schlimmer scheint, ist unübersehbar, dass Applaus nicht reicht.

An dem Abend sollen als Podiumsteilnehmer*innen fachkundige Personen über folgende Fragekreise ins Gespräch kommen:
1. Wie ist die Arbeitssituation in den Bereichen, die Sie kennen bzw.  hier vertreten (z.B. Arbeitsbelastungen, Beschäftigtenstruktur, Entlohnung, Arbeitszeiten, ethische Standards)?
2. Was müsste sich ändern?
3. Was ist konkret als nächstes zu fordern und zu tun?

Die Referent*innen:

Ulrich Christofczik, Evangelisches Christophoruswerk e.V.
Gregor Pleiss, Krankenpfleger und Medizin-Pädagoge
Marion Schäfer, Gewerkschaftssekretärin ver.di
Prof. Dr. Thorsten Schulten, Hans-Böckler-Stiftung
Hans-Werner Quasten, Initiative Respekt

Moderation: Prof. Dr. Werner Nienhüser, Universität Duisburg-Essen

(Flyer – PDF – zum Download und Weiterverteilen)

Digitaler Ort: Zoom-Einladungslink_
Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger (online-)Anmeldung mit Angabe aller zur Rückverfolgbarkeit notwendigen Kontaktdaten über den folgenden Link möglich: Anmeldung online

Noch zwei Hinweise:

Eine Teilnahme an der Diskussion ist zunächst über eine Chatfunktion möglich. Die Chatbeiträge werden durch eine*n Moderator*in in den Gesprächsverlauf eingebracht. Eine direkte Diskussionsbeteiligung wird in der letzten halben Stunde angestrebt. Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und anschließend bearbeitet der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Für die Veranstaltung wird kein Eintrittsgeld erhoben, aber stattdessen eine Spende für den Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit e. V.“ empfohlen. Spendenkonto: https://www.wuerde-gerechtigkeit.de/mitgliedschaft-spenden

„Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt“ – Aktion der Evangelischen Frauenhilfe auf dem Marktplatz in Haltern am See

Dem Aktionsaufruf der Evangelischen Frauenhilfe „Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt“ sind etliche Menschen gefolgt. Auf dem Marktplatz in Haltern am See wurde am Tag der Menschenrechte  mit gefalteten Schiffchen der 1.319 Menschen gedacht, die allein 2019 als Bootsflüchtlinge ertrunken sind.

Der Asylkreis und das Halterner Forum haben die Aktion unterstützt.

Hier einige Bilder von der bewegenden Aktion.


Zum Tag der Menschenrechte – Forum fordert: „Zurück zur dezentralen Flüchtlingsunterbringung und -betreuung“

Tag der Menschenrechte:

 Aufrüttelnder Appell von Asylkreis und Halterner Forum: „Zurück zur dezentralen Flüchtlingsunterbringung und -betreuung“

 Erneute Quarantäne nach Corona-Fällen in der ZUE endlich aufgehoben

 HALTERN / MARL. Einen aufrüttelnden  Appell  zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember richten der Asylkreis und das Halterner Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt an die verantwortlichen Politiker und  die Öffentlichkeit: „Die unantastbare Menschenwürde der Flüchtlinge in den zentralen Unterbringungseinrichtungen (ZUE) ist vor allem in Corona-Zeiten nicht gewährleistet, weil die wiederholte Quarantäne der Bewohner in den Massenunterkünften unter unzumutbaren Lebensbedingungen stattfindet“,  so empören sich die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer. 

„Bundesweit und in der  ZUE Marl standen die Bewohner der Massenunterkünfte  zum wiederholten Male  unter ständig verlängerter Quarantäne, obwohl die Infektionen vermeidbar wären bei  dezentraler Unterbringung und Betreuung“, beklagen die Flüchtlingshelfer vom Asylkreis. „Alle  Angebote zur dezentralen Unterbringung mit ehrenamtlicher Betreuung wurden bisher abgelehnt“, kritisiert der Asylkreis und will das über einen eindringlichen Appell an die verantwortlichen Politiker ändern. Notfalls will man sogar versuchen, die Gesetzesregelung über eine Volksinitiative nach der Landesverfassung mit zahlreichen Unterschriften zu Fall zu bringen.

72 Flüchtlinge in der ZUE Marl unter Quarantäne wegen erneuter Corona-Fälle

„In der Marler ZUE im alten Kreisgesundheitsamt standen erst im Mai dieses Jahres 22 der dort untergebrachten 106 Flüchtlinge sowie zwei Mitarbeiter wegen der Corona-Fälle unter Quarantäne. Nun stand  in der zweiten Corona-Welle wegen acht positiv getesteter Personen die gesamte ZUE mit ihren 72 derzeit dort untergebrachten Flüchtlingen schon wieder bis vor kurzem unter Quarantäne“, so berichten die besorgten Flüchtlingshelfer.

„Die Flüchtlingsräte bundesweit warnen schon länger vor diesen von vornherein absehbaren Fehlentwicklung in den kritikwürdigen Massenunterkünften mit dreistelligen Zahlen von Infizierten in einzelnen Einrichtungen“, erinnert Hermann Döbber vom Halterner Asylkreis: „Viele traumatisierte Menschen auf engem Raum, wenig Privatsphäre, Isolation von der Außenwelt, sexualisierte Gewalt an Frauen und queren Menschen. Corona macht diese Orte noch gefährlicher und machen die Pandemie zu einer außerordentlichen Belastung für Körper und Psyche der Menschen“.

„Privatsphäre und Selbstbestimmungsrecht ausgesetzt“

„Die Folgen sind fatal und unmenschlich“, wissen die Ehrenamtlichen Helfer  zu berichten: „Während der Quarantäne saßen die Betroffenen  Tage und Wochen ohne Privatsphäre in ihren Mehrbettzimmern mit drei vorgesetzten Mahlzeiten, ohne die Möglichkeit,  einzukaufen, zu spazieren oder Beratungsstellen aufzusuchen. Dabei sind sie in absoluter Abhängigkeit vom Träger der Einrichtung und des dortigen Personals. Das Selbstbestimmungsrecht ist ausgesetzt“.

Und weil das Infektionsgeschehen bei Mehrbettzimmern und Gemeinschaftsbädern kaum einzudämmen sei, komme es meist zu verlängerten Ketten-Quarantänen und wegen der ausweglosen Lage mancher Bewohner zu Ausschreitungen. „Schon ohne Corona sei wegen der langwierigen Asylverfahren die Situation verfahren und das Bleiberecht wird ausgehöhlt, so die Feststellung der weitgehend ausgegrenzten ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer.

Asylkreis plant Spendenaktion für die Betroffenen in der ZUE

Die Mitglieder des Asylkreises beklagen: „Kinder können solange nicht zur Schule oder zum Kindergarten, Integrationsförderung findet nicht statt und Erwachsene haben für mindestens 9 Monate nach Ankunft ein Arbeitsverbot und verbringen als Kinderlose  bis zu 24 Monaten ohne Privatsphäre in der Massenunterkunft. Und sie bekommen zu wenig Taschengeld, um selber Sprachkurse zu bezahlen oder  Fahrtkosten zu ihrem Anwalt aufzubringen“.

Der Asylkreis plant deshalb eine Spendenaktion für die betroffenen Bewohner in der ZUE und hofft dabei auf die Unterstützung und Zulassung durch die Bezirksregierung und den Betreiber.

„Man lässt keine Menschen ertrinken“

Da die Probleme bereits bei den Fluchtursachen und  den Fluchtumständen beginnen, wollen der Asylkreis und das Halterner Forum am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, auch die geplante Aktion der evangelischen Frauenhilfe Westfalen unterstützen: „Da momentan wieder viele Flüchtlinge im Mittelmeer, etwa in Booten Richtung Kanaren, ertrinken und die zivile Seenotrettung erschwert wird, soll auf allen öffentlichen Plätzen mit gefalteten Schiffchen der 1.319 Menschen gedacht werden, die allein 2019 als Bootsflüchtlinge ertrunken sind“, so heißt es im Aktionsaufruf der evangelischen Frauenhilfe.

Zeitungsartikel Menschenwürde in den ZUE (PDF)

Pressemitteilung des Forums: Offener Brief aus Haltern an Bundestagsabgeordnete: „Leiharbeit in den Schlachtbetrieben gesetzlich beenden“

Offener Brief aus Haltern an Bundestagsabgeordnete: „Leiharbeit in den Schlachtbetrieben gesetzlich beenden“

Empörung über Rückzieher bei Gesetzesberatung im Bundestag

HALTERN. In einem gemeinsamen offenen Brief an die CDU-Bundestagsabgeordneten aus NRW haben das Halterner Forum, der KAB-Bezirks- und Diözesanverband und das Könzgenhaus ihre Empörung und ihre Forderungen zum Ausdruck gebracht über eine zurückgestellte Gesetzesvorlage: „Das von der Bundesregierung vorgelegte Artbeitsschutzkontrollgesetz zur Beendigung der Werks- und Leiharbeit in der Fleischindustrie wurde durch eine Gruppe von CDU-Abgeordneten nach Lobbyeinfluss ausgebremst“ so lautet der Vorwurf der Briefverfasser. 

(Hier der Text des Offenen Briefes)

Erst am 5. November hatte das Halterner Forum zusammen mit der KAB und dem Könzgenhaus in einer öffentlichen Online-Veranstaltung mit Pfarrer Peter Kossen und Helge Adolphs von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten den Blick auf die unwürdigen Arbeitsverhältnisse in der Fleischindustrie gerichtet (wir berichteten). Auf der Website des Halterner Forums (www.forumdrv.de) ist die Veranstaltung als Video nachzuverfolgen, zusammen mit einem ARTE-Bericht über „das Schuften im Schlachthof“, das Pfarrer Peter Kossen sogar als „sklavenähnliche Verhältnisse“ bezeichnet.

„Noch im Sommer war durch die Corona-Fälle bei Tönnies und Westfleisch die Empörung auch bei den politischen Parteien über die jahrzehntelangen Missstände so groß, dass die Bundesregierung am 23. Oktober dem Bundestag einen Gesetzentwurf für ein Arbeitsschutzkontrollgesetz vorlegte, um damit die Werks- und Leiharbeit in der Fleischindustrie zu unterbinden“ erinnert Herbert Bludau-Hoffmann vom Halterner Forum, selber langjähriger Gewerkschafter beim ver.di-Landesverband NRW. „Doch eine Gruppe von CDU-Bundestagsabgeordneten fiel durch den Einfluss von Lobbyisten der eignen Koalitionsregierung in den Rücken und vertagte die Beschlussfassung, um die Leiharbeit zu erhalten“, bemerkt der KAB-Bezirksvorsitzende Klaus-Dieter Amtmann fassungslos.

Der heimische Bundestagsabgeordnete Michael Groß (SPD) kritisiert dazu auf Facebook den CDU-Landesminister Laumann, der zuvor das „parteiübergreifende Versagen“ bei den Zuständen in der Fleischindustrie beklagte und nach seinen Worten „den „Sumpf austrocknen wollte“, aber jetzt nach dem Lobbyeinfluss selber nur noch von „notwendige Kompromissen“ im Gesetzesverfahren spricht.

Die Verfasser des offenen Briefes appellieren an die CDU-Bundestagsabgeordneten der einzelnen Landesbezirke in NRW, die am 23. Oktober in 3. Lesung zurückgestellte Gesetzesvorlage „unverzüglichen und unverwässert in Kraft zu setzen, um die unhaltbaren Zustände für die Beschäftigten in der Fleischindustrie zugunsten würdiger Arbeitsverhältnisse zu beenden“. Sie erinnern die Abgeordneten an die „Ansprüche ihrer christlichen Partei“ und erwarten, „dass sie im bevorstehenden Bundestagwahljahr ihr persönliches Abstimmungsverhalten in dieser Sache transparent machen“.

Text des Offenen Briefes

 

Anschauen: “Re: Schuften im Schlachthof – Rumänen in Deutschland, Asiaten in Rumänien” (ARTE)

Re: “Schuften im Schlachthof – Rumänen in Deutschland, Asiaten in Rumänien” | ARTE Re: – in der Mediathek von Arte zu finden

“Die Arbeit ist hart, oft ekelhaft und durch Corona sogar gefährlich – und trotzdem kommen zig-tausende Rumänen nach Deutschland oder Frankreich, um in der Fleischbranche oder bei der Ernte ihr Geld zu verdienen. Warum tun sie sich das an, warum ist die Fremde oft der einzige Ausweg – und wer macht die Arbeit in Rumänien? Asiaten füllen die Lücken. Eine Spirale der Verzweiflung. Das Dorf Goreni liegt im rumänischen Transsilvanien. Hier gibt es außer Landwirtschaft kaum Jobs. Die meisten gehen daher zum Arbeiten nach Westeuropa. So wie Elisabeta, die in Deutschland Erdbeeren pflückt. Ihr Mann Zlotan ist Schweißer in Frankreich. Sohn Paul war bis März Schichtarbeiter bei Tönnies und will jetzt wieder zurück – obwohl sich seine Tante und sein Onkel genau bei diesem Fleischkonzern mit Covid-19 infiziert haben und im Moment in Deutschland in Quarantäne sind. Elisabeta bereitet das große Sorgen. Gerade erst wurde die 54-Jährige in Deutschland um einen großen Teil ihres Lohnes betrogen. Dennoch, irgendwie muss die Familie Geld verdienen, sonst kommen sie nicht durch. Seit dem EU-Beitritt Rumäniens sind die Preise explodiert und gerade Lebensmittel oft sogar noch teurer als in Deutschland. Doch ein Viertel aller Rumänen sind als Kleinbauern tätig. Gerade sie kommen nicht über die Runden. Vier Millionen Rumänen arbeiten daher im Ausland – das ist jeder fünfte – darunter viele junge Erwachsene, wie Elisabetas 20-jähriger Sohn Paul. Die Folge der Arbeiterkarawane nach Westeuropa erlebt man in Cluj, Nordrumänien: Vasile, der Betreiber einer Hamburger-Restaurantkette, sucht händeringend Arbeitskräfte. Doch kein Rumäne will für das Geld, das er zahlen kann, arbeiten. Und so hat er 13 Männer aus Sri Lanka angeworben. Auch in der Fleischfabrik in Cluj arbeiten Asiaten, die dort für wenig Lohn Därme reinigen und Fleisch zerlegen. Über 30.000 Visa hat Rumänien – trotz der Coronakrise – allein im Jahr 2020 für Arbeiter aus asiatischen Ländern ausgestellt.”
Reportage (D 2020, 32 Min) (s.a. https://www.arte.tv/de/videos/098419-002-A/re-schuften-im-schlachthof/)

Jetzt online: Digitalmitschnitt zu „(Un-)Würdige Arbeit – der Fall der Fleischindustrie“

Jetzt online: „(Un-)Würdige Arbeit – der Fall der Fleischindustrie“ – Digitalmitschnitt der Veranstaltung

Die aktuelle Lage in der Fleischindustrie war Thema der Auftaktveranstaltung der Reihe „(Un-)Würdige Arbeit”. Erleben Sie den spannenden Diskussionsabend noch einmal digital mit.

Referent*innen und Teilnehmer*innen kamen – pandemiebedingt – in einer Online-Konferenz zusammen. Referent Pfarrer Peter Kossen prangert die unwürdigen und unzumutbaren Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie seit Jahren an. Aktuell kritisiert er, dass die CDU/CSU das versprochene und überfällige Arbeitsschutzkontrollgesetz verzögert und entkräftet. Er fordert: “Werkverträge und Leiharbeit verbieten! Keine Schlupflöcher im Arbeitsschutzkontrollgesetz!” (Siehe Pressemitteilung von Peter Kossen, 16.11.2020)

Helge Adolphs von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten – NGG gab einen Einblick in die Arbeit der Gewerkschaften im Bereich der Fleischwirtschaft. Unwürdige Arbeitsverhältnisse gäbe es auch in anderen Branchen. In der Fleischwirtschaft sei die Situation für die Beschäftigten besonders prekär.  Das Projekt “Faire Mobilität” des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) bietet Unterstützung dabei, gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen für Beschäftigte aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten auf dem deutschen Arbeitsmarkt durchzusetzen (siehe auch den Offenen Brief des Projekts).

Die nächste Veranstaltung dieser Reihe findet am 21. Januar 2021 statt, dann zum Thema „Würdige Arbeit in Pflege- und Sozialberufen“.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des Könzgenhauses und des Forums für Demokratie, Respekt und Vielfalt.