6. November 2020, 18 Uhr: Gedenken an die Reichspogromnacht 1938 (Marktplatz Haltern am See)

Einladung zur Kundgebung am 6. November 2020

Gedenken an die Reichspogromnacht 1938

18.00 Uhr, Marktplatz Haltern am See

Die Erinnerung an den 9. November 1938 gehört zum festen Bestandteil der Kultur unserer Stadt Haltern am See. Bei jeder Wiederkehr dieses Datums versammeln sich Halterner Bürgerinnen und Bürger zum öffentlichen Protest auf dem Markplatz und widersprechen der Gedankenwelt und den politischen Überzeugungen, die faschistische Verbrechen möglich machten.

Wir wissen aus der Geschichte unserer eigenen Stadt, wie leicht es möglich war, Hass und Gewaltbereitschaft in den Herzen und Köpfen der Menschen zu entfachen. Es brauchte nur eine erkennbare Minderheit und eine diffuse Stimmung von Angst. Dann war es ein Leichtes, ein Klima todbringender Gewalt zu erzeugen.
Der 9. November 1938 ist unauslöschlich mit dem Beginn der Vernichtung öffentlichen jüdischen Lebens und Glaubens in Deutschland verbunden. Darum steht das Erinnern an dieses Leid im Mittelpunkt unseres Gedenkens heute.

Inzwischen wissen wir aber auch, dass Objekte des öffentlichen Hasses und der Gewalt willkürlich ausgewählt werden können. Sie sind leicht auswechselbar.
In der kurzen Geschichte unserer Demokratie seit 1949 gab es immer wieder neue Versuche, den sog. Volkszorn zu bündeln und in Anschlag zu bringen: wie schon zuvor auf die „Juden“ gerichtet, und heute auch auf die „Migranten“.
Seit kurzem geraten „die Eliten“, „die Journalisten“ und „die Politiker“ in den Fokus, und Menschen, die einfach nur für gelebte Demokratie einstehen.
Wenn man sich in den sog. Sozialen Medien umsieht, dann breitet sich da eine unglaubliche Freude an Gewalt und Vernichtung aus, die einem den Atem verschlägt.

Das ist uns nicht egal. 

Wir stehen ein für Demokratie, Respekt und Vielfalt. Und wir sind viele.

Am 6. November 2020 greifen wir unsere langjährige Tradition auf und wehren uns gegen jeden Angriff auf diese Werte.

Wir haben diese Einladung breit gestreut. Sie richtet sich:
an alle Menschen, gleich welcher Religionsgemeinschaft und gleich welcher Weltanschauung,
an die Parteien unserer Stadt und die Gewerkschaften,
an unsere Schulen und Vereine,
an die vielen kleinen und großen gesellschaftlichen Gruppen
und die vielen Einzelpersonen, die unser Zusammenleben, auf welche Weise auch immer, bereichern.

Wir laden alle herzlich ein.

Haltet Euch diesen Termin frei und gebt die Einladung an Freunde und Bekannte weiter. (Eine PDF-Datei zum Verteilen finden Sie hier.)

Wir werden eindrucksvoll vor Ort Gesicht zeigen und für unsere Werte einstehen.

Die Corona-Sicherheitsregeln sind einzuhalten: Tragen Sie bitte eine Mund-Nase-Bedeckung. Halten Sie Abstand. Achten Sie auf Abstandsmarkierungen.

V.i.S.d.P.: Organisationsteam des Forums für Demokratie, Respekt und Vielfalt (www.forumdrv.de)

 

 

10. November, 19 Uhr: Vortrag über die Vertreibung Tausender jüdischer Kulturschaffender in den Jahren 1933 bis 1941

“Packe deine Heimat, dein ganzes Leben in tragbare Koffer…”
Gedanken zur Pogromnacht 1938

Die Stadt Haltern am See und die Evangelische Kirchengemeinde laden ein zu einem Vortrag über die Vertreibung Tausender jüdischer Kulturschaffender in den Jahren 1933 bis 1941.

Der Eintritt ist frei, um eine Spende am Ausgang wird gebeten.

Anhand ausgewählter Schicksale aus den Bereichen Literatur und Bildende Kunst wird Dr. Kristine von Soden Schiffswege ins Exil illustrieren: legale und illegale Aufbrüche Richtung Palästina, Großbritannien, Südamerika oder in die USA.

Im Jüdischen Museum in Dorsten ist (bis Ende November 2020) eine von Kristine von Soden kuratierte Ausstellung zu diesem Thema zu sehen:
“…nach dem nördlichen Eismeer zu sehe ich noch eine kleine Tür.” Schiffswege Kulturschaffender ins Exil (1933 – 1941)

 

5. November, 19.00 Uhr: „Unwürdige Arbeitsverhältnisse – Der Fall der Fleischindustrie“

Vortrags- und Diskussionsabend

am Donnerstag, 5. November, um 19.00 Uhr im KönzgenHaus Haltern

Unwürdige Arbeitsverhältnisse – Der Fall der Fleischindustrie“

mit den Referenten

Pfarrer Peter Kossen

und

Helge Adolphs
Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)

Ob in den Schlachtbetrieben der Fleischindustrie, in der Bauindustrie oder in der Landwirtschaft, im Versandhandel oder in der Pflegebranche – die prekären Arbeitsverhältnisse und unzumutbaren Arbeitsbedingungen sind ein Skandal.

In der Veranstaltungsreihe „(Un-)Würdige Arbeit“ wollen wir uns auf einer ersten Veranstaltung mit den Verhältnissen in der Fleischindustrie beschäftigen.

Vor allem osteuropäische Arbeitskräfte sind als Arbeitnehmer oder (Schein-)Selbstständige für Werkvertragsunternehmen oder Leiharbeitsfirmen in der Fleischindustrie tätig. Sie arbeiten häufig für Niedriglöhne und leben in unzumutbaren Wohnverhältnissen. Jahrzehntelang wurde weggeschaut; erst die jüngsten Skandale bei Tönnies und Westfleisch durch die Corona-Fälle haben die Politik endlich zum Handeln veranlasst: Geplant ist ein gesetzliches Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in großen Schlachthöfen.

Zu den Referenten:

Peter Kossen ist Leitender Pfarrer in Lengerich und u.a. Vorstandsmitglied der katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) im Bistum Münster. Peter Kossen wendet sich als engagierter und mutiger Einzelkämpfer seit Jahren gegen die unwürdigen Arbeitsbedingungen, die vor allem durch das System der Werkvertragsvergabe an Subunternehmen entstehen. Er fordert aus christlicher Überzeugung würdige Arbeit. Sein Credo: „Kirche muss den Mut haben, Schwächere zu schützen, auch wenn es Konflikte gibt. Peter Kossen nennt die Missstände beim Namen und spricht von „Sklaverei, Ausbeutung, Menschenhandel mit mafiösen Strukturen und organisierter Kriminalität“. Die Leih- und Werkvertragsarbeiter „werden in Schrottimmobilien untergerbacht und in Ghettos isoliert und diskriminiert. Die Ausgebeuteten werden betrogen und wie Wegwerfmenschen statt Mitbürger behandelt“.
Peter Kossen gründete den gemeinnützigen Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit“ e. V. (https://www.wuerde-gerechtigkeit.de), um die Menschenrechtsverletzungen endlich zu beenden. Der Verein betreut Betroffene und ermöglicht ihnen auf Spendenbasis kostenlose anwaltliche Beratung und Begleitung vor Gericht.

Helge Adolphs (Gewerkschaft NGG) hat im August 2015 die Geschäftsführung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten der Region Münsterland übernommen und hat für mehr als 5 Jahre die Region Südwestfalen als Geschäftsführer geleitet. Aus Sicht der NGG hat die Fleischindustrie und Fleischverarbeitung die Gewerkschaft seit jeher und besonders in diesem Jahr vor wichtige Aufgaben und besondere Herausforderungen gestellt. Das Thema der Werkverträge ist für die NGG nicht neu und wird gewerkschaftlich und gesellschaftlich diskutiert und in vielen Fällen auch skandalisiert. Aber erst die Corona-Pandemie rückte dieses Thema nun in das breite öffentliche Interesse und zwang die Politik, sich diesem Problem des modernen „Sklaventums“ anzunehmen und gesetzliche Regelungen vorzubereiten und zu schaffen. Die sich aus dem geplanten Gesetz ergebenden arbeitsrechtlichen Veränderungen werden aus Sicht der NGG die volle gewerkschaftliche und gesellschaftliche Aufmerksamkeit erfordern.

Veranstaltungshinweise:

Die Veranstaltung ist auf 50 Teilnehmer begrenzt und findet unter Corona-Bedingungen mit Listeneintragung sowie Abstands- und Hygieneregeln statt. Beim Betreten ist der Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen.

Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger (online-)Anmeldung mit Angabe aller zur Rückverfolgbarkeit notwendigen Kontakt­daten möglich.

Link zur Anmeldung:

https://www.könzgenhaus.de/bildungsangebote/bildungsprogramm/politische-bildung/#c765

Bitte beachten Sie die im KönzgenHaus geltenden Verhaltensgrundregein während der Corona­-Pandemie. Die jeweils aktuelle Fassung für Gäste und Teilnehmende ist hier einzusehen:

https://könzgenhaus.de/tagungshaus/corona-hygienekonzept/teilnehmer/

Für die Veranstaltung wird kein Eintrittsgeld erhoben, aber stattdessen eine Spende für den Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit e. V.“ empfohlen. . (Spendenkonto: https://www.wuerde-gerechtigkeit.de/mitgliedschaft-spenden).

Flyer / Einladung (PDF) zum Download

Veranstalter

C:\Users\werni\AppData\Local\Temp\ABBYY\PDFTransformer\12.00\media\image8.jpeg

C:\Users\werni\AppData\Local\Temp\ABBYY\PDFTransformer\12.00\media\image10.jpeg C:\Users\werni\AppData\Local\Temp\ABBYY\PDFTransformer\12.00\media\image9.jpeg

Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt bringt das Thema Bürgerräte in die Diskussion

Buergerrat Demokratie Diskussion

Das Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt (Forum) hat sich in seiner Sitzung am 20.09.2020 zum Thema Bürgerräte auf folgende Einschätzung und Vorgehensweise verständigt:

  • Der Bürgerrat wird allgemein als sinnvolles, anlassbezogenes Instrument zur Stützung der Bürgerbeteiligung und der Basisdemokratie gesehen.
  • Das Forum lädt Frau Claudine Nierth, Bundessprecherin von “Mehr Demokratie e.V.” zu einem öffentlichen Vortrag zum Thema Bürgerräte ein.
  • Im Anschluss daran wird das Forum sich detailliert mit einer möglichen Organisationsform eines Bürgerrates beschäftigen und mit in Frage kommenden Themen zur Befassung in einem Bürgerrat.
  • Letztendlich wird das Forum das Thema Bürgerräte mit der örtlichen Politik, den Parteien und der Verwaltung hinsichtlich der Realisierungsmöglichkeiten erörtern.

Als ersten Entwurf hat sich das Forum auf einen ersten schriftlichen Diskussionsbeitrag zum Thema Bürgerräte verständigt. Der Beitrag (von Wilhelm Neurohr) kann hier heruntergeladen werden.

Kriege mit Beteiligung der USA als Fluchtursache

“Mehrheit der Flüchtlinge in Griechenland ist von Kriegsschauplätzen westlicher Staaten geflohen. US-Studie schlägt Wiedergutmachung für sie vor.” So beginnt ein Artikel  über eine Studie des „Costs of War Project“ (siehe dazu auch https://ffm-online.org/die-fluchtverursacher/)

“Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge in Griechenland, darunter diejenigen auf den Ägäisinseln, sind von Kriegsschauplätzen westlicher Mächte geflohen, werden aber von Deutschland und der EU ausgesperrt. Mehr als drei Fünftel aller Flüchtlinge, die im vergangenen Jahr in Griechenland registriert wurden, stammen aus vier Ländern, in denen die Bundeswehr operiert (Afghanistan, Irak, Syrien) oder die Vereinigten Staaten Drohnenangriffe durchführen (Pakistan). Auf Lesbos sind insbesondere Flüchtlinge vom Hindukusch präsent. Dies entspricht den Resultaten einer aktuellen, an einer US-Elitehochschule (Brown University) erstellten Studie, der zufolge die Kriege der USA und ihrer Verbündeten, darunter Deutschland, in den vergangenen zwei Jahrzehnten mindestens 37 Millionen Menschen auf die Flucht getrieben haben. Nur der Zweite Weltkrieg hat mehr Flüchtlinge produziert als sie. Berlin und Brüssel stellen hohe Summen zur Verfügung, um die Grenzen gegen unerwünscht Einreisende abzuschotten. Das Zugeständnis, zu dem sich Berlin nach dem Brand im Lager Moria bereit findet: die Aufnahme von nicht mehr als 1.700 Menschen.” (https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8382)

 

Quelle: Vine u.a. 2020: 2

Wesentliche Befunde

Die Studie von Vine u.a. untersucht acht Länder, in denen die USA als Kriegspartei oder durch Drohnen-Angriffe beteiligt waren oder sind. Diese Länder sind Afghanistan, Pakistan, Irak, Syrien, Libyen, Jemen, Somalia und die Philippinen.

  • 37 Millionen zur Flucht getrieben.
    Die Zahlen stützen sich auf offizielle Daten, unregistrierte Flüchlinge wurden nicht einbezogen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind 37 Millionen Menschen in den acht analysierten Ländern zur Flucht getrieben worden (vermutlich liegt die Zahl bei zu 59 Millionen). Rund 25 Millionen sind mittlerweile in ihre immer noch von Krieg, Elend und Hunger gezeichneten Herkunftsorte zurückgekehrt.
  • Mindestens 800.000 Kriegstote.
    Mindestens 800.000 Menschen sind ums Leben gekommen. Wenn man die Opfer von Kriegsfolgen wie Unterernährung oder Krankheiten hinzurechnet, sind es mindestens drei Millionen und vermutlich mehr, vielleicht sogar eine zweistellige Millionenzahl an Kriegstoten.

Hier die Zusammenfassung der Befunde aus der Studie selbst.

“MAJOR FINDINGS
§ The U.S. post-9/11 wars have forcibly displaced at least 37 million people in and from Afghanistan, Iraq, Pakistan, Yemen, Somalia, the Philippines, Libya, and Syria. This exceeds those displaced by every war since 1900, except World War II.
§ Millions more have been displaced by other post-9/11 conflicts involving U.S. troops in smaller combat operations, including in: Burkina Faso, Cameroon, Central African Republic, Chad, Democratic Republic of the Congo, Mali, Niger, Saudi Arabia, and Tunisia.
§ 37 million is a very conservative estimate. The total displaced by the U.S. post-9/11 wars could be closer to 48–59 million.
§ 25.3 million people have returned after being displaced, although return does not erase the trauma of displacement or mean that those displaced have returned to their original homes or to a secure life.
§ Any number is limited in what it can convey about displacement’s damage. The people behind the numbers can be difficult to see, and numbers cannot communicate how it might feel to lose one’s home, belongings, community, and much more.
Displacement has caused incalculable harm to individuals, families, towns, cities, regions, and entire countries physically, socially, emotionally, and economically.” (Vine u.a. 2020: 3).

„Die falsche Lehre aus Stukenbrock“ – Rede von Eugen Drewermann

(Quelle: youtube)

„Die falsche Lehre aus Stukenbrock“
“Eugen Drewermann, prominentes Mitglied der Friedensbewegung, hält die Gedenkrede:
„Man kann Frieden nur haben, wenn man abrüstet. So kommen wir aus dem Teufelskreis heraus oder wir ziehen ewig die falsche Lehre aus Stukenbrock.“ Das sagt Eugen Drewermann beim Antikriegstag des Arbeitskreises Blumen für Stukenbrock am Samstag auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof. Der 80-jährige ehemalige katholische Priester und Kirchenkritiker, er trat vor 15 Jahren aus der Kirche aus, ist prominentes Mitglied der Friedensbewegung und zum zweiten Mal Gastredner des Antikriegstages.” (Monika Schönfeld, Westfalen-Blatt v. Sonntag, 06.09.2020, abgefragt am 12.9.2020)

Mehr Informationen: