Klimaneutrale Wirtschaft geht nur ohne Wachstum

Vortragsabend mit Ulrike Herrmann

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Vortragssaal KönzgenHaus

Über 200 Interessierte konnten die Kooperationspartner vom Halterner Forum, der KAB und des DGB als Veranstalter im KönzgenHaus begrüßen zum Vortrag der prominenten Bestseller-Autorin Ulrike Herrmann. Mit ihrer Aussage „Klimaschutz gelingt nur, wenn wir uns vom Wachstumsdenken durch grünes Schrumpfen verabschieden“ sorgte sie für lebhafte Diskussionen.
Damit widersprach die taz-Wirtschaftsredakteurin dem Bundeskanzler, der in einem taz-Interview das Gegenteil behauptete: „Wir werden die Klimaziele nicht mit Verzicht erreichen“. Damit tue Deutschland so, als könne es drei Planeten verbrauchen, hielt Ulrike Herrmann dem entgegen: “Wenn wir überleben wollen, müssen Produktion und Konsum schrumpfen. Grünes Wachstum ist illusorisch“. Und Klimaschutz könne nur gelingen, „wenn die Reichen nicht geschont werden, die pro Kopf 20-mal so viel CO² verbrauchen wie die Armen.“ Doch die Energiewende mit klimaneutral hergestelltem Strom durch Windkraft und Solar stehe erst ganz am Anfang und die Elektroautos lösen nicht das Problem, belegte sie anhand von Zahlen, Daten und Fakten.

Halbierung der Wirtschaftsleistung als Ziel

Ulrike Herrmann

Mit ihrem Buchtitel „Das Ende des Kapitalismus“ wolle sie nicht als Gegnerin des Kapitalismus missverstanden werden, der uns Wohlstand und hohe Lebenserwartungen ermöglichte, betonte die Autorin. Aber eine endliche Welt könne nicht immer weiter wachsen, sondern erfordere eine Kreislaufwirtschaft. Mit einer notwendigen Halbierung der Wirtschaftsleistung und damit auch des Einkommens würde Deutschland lediglich auf den Stand von 1978 zurückfallen „in einen immer noch auskömmlichen Reichtum“, beruhigte Ulrike Herrmann die Zuhörenden.

Dies erfordere keine „Ökodiktatur“, sondern „eine demokratisch gesteuerte staatliche Rationierung, wie es derzeit schon in vielen Regionen wegen der Trinkwasserknappheit praktiziert werde und wie es in England bei Kriegsende und danach problemlos praktiziert wurde“. Fortfallende Arbeitsplätze würden bei der Transformation durch neue Arbeitsplätze kompensiert in der alternativen Energiewirtschaft, im Ökolandbau, beim Aufforsten der Wälder, beim Umwelt- und Klimaschutz usw.

Kontroverse Debatte

Moderator Prof. Nienhüser, Ulrike Herrmann und Norbert Jansen, Leiter des KönzgenHauses

An der sich anschließenden lebhaften Diskussion und Fragerunde unter der Moderation von Prof. Werner Nienhüser beteiligten sich zahlreiche Anwesende und online-Teilnehmer aus dem Chat. Ulrike Hermann hatte sichtlich Spaß an der kontroversen Debatte und bereits eingangs betont: „ich habe viele Terminanfragen abgesagt, aber nach Haltern komme ich immer wieder gerne.“ Deshalb nahm sie sich auch Zeit für das Signieren ihrer Bücher mit einer langen Schlange am Büchertisch. Die Anwesenden standen noch lange bei anregenden Gesprächen zusammen.

Weitere Informationen

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Fotos: privat; Text: Wilhelm Neurohr / Werner Nienhüser

 

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