Kriegerdenkmal oder Kriegsmahnmal?

Bei Bildinterpretationen ist die betrachtende Person nicht passiv; sie nimmt eine Perspektive ein. Nicht ausgeschlossen ist, ein Bild gezielt aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Die historische Perspektive ist sicher eine davon. Ich will hier meinen ersten Eindruck des Denkmals wiedergeben und Fragen stellen.


Mein erster Impuls bei Ansehen des Denkmals bzw. von Bildern des Denkmals war eine Frage: Sehe ich ein Kriegerdenkmal oder ein Kriegsmahnmal? Mein Eindruck des Denkmals oder Mahnmals wird von der Darstellung zweier Soldaten dominiert. In meiner Wahrnehmung des Gesamtbildes steht die Darstellung der Kämpfer, der Täter des Krieges, eindeutig im Vordergrund.

Zwei Soldaten. Überlebensgroß. Entschlossen-kämpferische Mienen. Die Soldaten scheinen nicht nur voranzuschreiten, sondern kurz vor dem Angriff zu stehen; schließlich trägt einer der beiden die Handgranate zum Wurf bereit in der Hand. Eine positive Assoziationen weckende Darstellung heldenhafter Kämpfer, das wollten die nationalsozialistischen Schöpfer. Zumindest zu ihrer Zeit dürfte ihnen dies wohl gelungen ein.

Was tritt beim Betrachten in den Hintergrund? Die vergleichsweise kleinen Mahntafeln verändern das durch die Kämpferdarstellung dominierte Bild wenig. Meine Wahrnehmung wird vor allem durch die heroisch wirkenden Krieger geprägt, weniger durch die Tafeln und deren Texte. Geht das nur mir so? Ich glaube nicht. Und können dann noch so richtige Reden an Gedenktagen diesen Eindruck korrigieren und das Gedenken auf die Opfer der Kriege richten?

“Jedes Gedenken der Gefallenen, also Ermordeten, ohne die klare Ableugnung der Kriegsidee ist eine sittliche Schande und ein Verbrechen an der nächsten Generation” (Tucholsky 1927: 555)[1]Ignaz Wrobel (Kurt Tucholsky) 1927: Über wirkungsvollen Pazifismus. In: Die Weltbühne, 11.10.1927, Nr. 41, S. 555. (In: Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Band 5, Reinbek bei Hamburg … Continue reading.

Erneut und vielleicht immer wieder über ein solches Denkmal und seine Wirkungen zu diskutieren, ist richtig. Alles andere wäre eine Schande.

Text: Werner Nienhüser. Fotos: Hermann Döbber. Die Ansichten des Verfassers und des Fotografen geben nicht unbedingt die Meinung des gesamten Forums oder seiner Mehrheit wieder.

Anmerkungen

Anmerkungen
1 Ignaz Wrobel (Kurt Tucholsky) 1927: Über wirkungsvollen Pazifismus. In: Die Weltbühne, 11.10.1927, Nr. 41, S. 555. (In: Kurt Tucholsky: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Band 5, Reinbek bei Hamburg 1975, S. 337-343. Hier Seite 342); gemeinfrei verfügbar unter:  http://www.zeno.org/Literatur/M/Tucholsky,+Kurt/Werke/1927/%C3%9Cber+wirkungsvollen+Pazifismus.

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