Gewinnmaximierung auf Kosten der vernachlässigten Senioren – Alloheim Sythen

Wilhelm Neurohr

“Gewinnmaximierung auf Kosten der vernachlässigten Senioren

EINE DOKUMENTATION IN 6 TEILEN

HALTERN-SYTHEN. Im Oktober war in der privaten Senioren-Pflegeeinrichtung von Alloheim in Sythen mit 80 Heimbewohnern schon wieder ein Skandal wegen schwerer Pflegemängel öffentlich bekanntgeworden, wie zuvor schon in einem Dutzend weiterer Einrichtungen des gleichen Betreibers bundesweit. Hinter dem kommerziellen Pflegekonzern Alloheim mit bundesweit 240 Senioren-„Residenzen“ für 22.000 Bewohner stecken ständig wechselnde auswärtige Finanzgesellschaften zur bloßen Profiterzielung. Sie erstreben Milliardengewinne auf Kosten der Heimbewohner, der Pflegekassen und der Steuerzahler zu Lasten der Pflegebedürftigen und verschieben ihre Gewinne in Steueroasen. Darüber hatte schon im März 2019 Prof. Dr. Werner Nienhüser aus Haltern in einem öffentlichen Vortrag im evangelischen Gemeindehaus aufgeklärt mit der Betrachtung der Eigentums- und Machtkonzentration bei Großunternehmen wie Alloheim und anderen.Trotz der langen Liste an gravierenden Pflegemängeln im Alloheim Sythen, die beinahe an den Straftatbestand der fahrlässigen Körperverletzung heranreichen, begnügt sich die Heimaufsicht beim Kreis Recklinghausen aktuell mit einem erneuten temporären Belegungsstopp, wie schon einmal in 2018 oder mit einer Mängelrüge in 2021 (wegen Hygiene-Verstößen und 4 Corona-Todesopfern). Wäre es nicht nach dem dritten Vorfall und nach fünfmaligem Wechsel der Heimleitung nunmehr angebracht, die gewinnorientierte Einrichtung des Skandalkonzerns Alloheim durch Entzug der Betriebserlaubnis (spätestens nach Auslaufen oder Kündigung der Versorgungsverträge) zu schließen, wie bereits in zwei anderen Städten in NRW und Süddeutschland vollzogen, um nach einem gemeinnützigen Träger Ausschau zu halten? Die für den seinerzeitigen Deal mit Alloheim verantwortliche Stadt Haltern schweigt zu dem erneuten Skandal und geht auf Tauchstation. Auch der ansonsten rührige Seniorenbeirat hält sich mit öffentlicher Kritik zurück.

In dieser umfassenden 6-teiligen Dokumentation sollen hinreichende Gründe für eine überfällige Schließung auch des Sythener Alloheimes genannt werden.”

(Quelle und weiterer Text hier: https://www.lokalkompass.de/haltern/c-politik/wann-entzieht-die-heimaufsicht-den-alloheim-heuschrecken-endlich-die-betriebserlaubnis_a1796542)

Artikel W. Neurohr: “Sprit- und Heizkosten: Zeitungsverleger mit zynischer Kampagne als „Retter in der Not“?”

Foto: Derzsi Elekes Andor, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

“„Du kannst dir die Heiz- und Spritkosten nicht mehr leisten?“ Mit dieser mitleidigen Frage werben derzeit Zeitungsverleger über die in Dorsten ansässige „LensingLogistik“ um Zusteller (Zeitungsboten) mit dem Lockruf: „Verdien dir was dazu!“ Mit dem Angebot eines „sicheren Zuverdienstes“ bieten sie „Minijobs, Teilzeit- oder Vollbeschäftigung für Schüler, Studenten, Berufstätige, Arbeitssuchende und Rentner“. Damit verstehen sie sich offenbar als „rettende Helfer in der Not“ für diejenigen, die sich ansonsten wegen der Inflation und Energiepreisexplosion vielleicht verschulden müssten. Deshalb kommt  ein Zweitjob wie gerufen? Noch von 2015 bis 2018 verweigerten übrigens dieselben Verleger (dank ihrer politischen Lobbyisten) ihren fleißigen Zustellern den für alle anderen geltenden gesetzlichen Mindestlohn – und bieten nun, nachdem sie händeringend fehlende Zusteller im Ruhrgebiet und Westmünsterland suchen, „faire Bezahlung“. (Dafür fordern sie aber als Ausgleich staatliche Subventionen für ihre angeblich wirtschaftlich notleidende Branche). Ist das nun ein hilfreiches oder eher ein zynisches Angebot angesichts drohender finanzieller Nöte an diejenigen, die ohne einen zusätzlichen Nebenjob nicht über die Runden kommen? Ein anderer Verlag inserierte: “Passt zu dir und deinem Leben. Werde jetzt Zeitungsbote.”” (Neurohr, W. 2022: SPRIT- UND HEIZKOSTEN. Zeitungsverleger mit zynischer Kampagne als „Retter in der Not“? https://www.lokalkompass.de/haltern/c-politik/zeitungsverleger-mit-zynischer-kampagne-als-retter-in-der-not_a1780327 v. 17. September 2022)

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

Artikel W. Neurohr: “Wahlversprechen für “bezahlbares Wohnen” in Haltern ad acta gelegt?”

Sondersitzung im Halterner Rat: Wahlversprechen für “bezahlbares Wohnen” in Haltern ad acta gelegt?  (von Wilhelm Neurohr)

“Absurd: Stadt schiebt ihre Verantwortung auf Bauunternehmer ab

HALTERN AM SEE. Das Wahlversprechen aller Ratsparteien, für bezahlbares Wohnen in Haltern zu sorgen, ist geplatzt, wie in dieser Woche die Sondersitzung des Stadtentwicklungsausschusses zum teuersten Wohnbaugebiet Nesberg gezeigt hat. Dort waren die nach Rendite strebenden örtlichen Bauunternehmer als “Kronzeugen” geladen, um zu begründen, warum sich für sie als Privatinvestoren sozialer Wohnungsbau in Haltern nicht lohnt und nicht rechnet. Die Grundstücke im Nesberg und anderswo bleiben somit dem „Spiel der freien Marktkräfte“ und damit den Spekulanten und Spitzenverdienern überlassen. Auch bei Großprojekten wie den Katharinenhöfen mit 100 neuen Wohnungen verlangte die Stadt den Privatinvestoren keine einzige Sozialwohnung ab. Oder im großen sanierungsreifen Altbaubestand ließen sich bei gutem Willen preiswerte Wohnungen mit öffentlicher Förderung schaffen – jedoch Fehlanzeige.
Deshalb ist Haltern Schlusslicht beim sozialen Wohnungsbau im Lande und Spitzenreiter bei der exorbitanten Grundstückspreisexplosion und den Mietpreisen. Anders als in anderen Städten ist in Haltern kein politischer Wille und keinerlei Konzept erkennbar, steuernd einzugreifen mit den Möglichkeiten städtischer Grundstücks- und Planungspolitik und dem Abrufen öffentlicher Fördergelder, die vom Landesbauministerium “wie Sauerbier” vergeblich angeboten werden. Wohnen und Grunderwerb bleibt in Haltern somit für Normalverdiener unbezahlbar, denn willkommen sind bevorzugt zahlungskräftige Interessenten und Kapitalanleger zumeist von außerhalb. Für diese wird nach weiteren Bauflächenausweisungen im Grünen gerufen (zur Freude mancher Landwirte), ungeachtet des klimaschädlichen Flächenfraßes. Diesen Irrweg will eine Ratsmehrheit unverdrossen weitergehen.” …. Zum kompletten Text hier.

(Quellen: Text: https://www.lokalkompass.de/haltern/c-politik/wahlversprechen-fuer-bezahlbares-wohnen-in-haltern-ad-acta-gelegt_a1773898 | Photo: House with Suche bezahlbare Wohnung text by Marco Verch under Creative Commons 2.0)

Das Forum ist nun auch bei Instagram

Das ForumDRV ist nun auch auf Instagram (https://www.instagram.com/forumdrv) vertreten.
Die aktuellen Posts (Beiträge/Fotos) auf unserem Instagram-Account werden ab sofort in der rechten Seitenleiste auf dieser Webseite angezeigt.

Instagram wird besonders von “jungen” Menschen genutzt. Das Futter, die Fotos etc.  müssen wir vom Forum liefern. Gedacht ist das von Zuckerbergs Konzern so, dass wir alle uns einen Instagram-Account einrichten, dem Forum-Account folgen und diesen auch mit Beiträgen füttern. (Dass wir Instagram mit der Preisgabe von vielen unserer Daten bezahlen, abgreift, ist ja klar.)

“Begriff und Figur des Flüchtlings in historischer Perspektive”

Jochen Oltmer hat einen interessanten Aufsatz über “Begriff und Figur des Flüchtlings in historischer Perspektive” geschrieben (Bundeszentrale für politische Bildung, 13.10.2021).

“‘Flüchtling’ – 2015 “Wort des Jahres”. Wie haben sich die Verwendung dieses Begriffs und die Bedeutungen, die ihm zugewiesen wurden, seit dem Aufkommen im 17. Jahrhundert verändert? Eine kleine Begriffs- und Figurgeschichte. … Tatsächlich gewann die Rede von ‘Geflüchteten’ seit Anfang der 2010er Jahre an Gewicht und konkurriert seither in der öffentlichen Diskussion mit dem Begriff des Flüchtlings. Dessen Bedeutungsverlust und die Karriere von Alternativbenennungen (z.B. ‘Schutzsuchende’) ist noch nicht zureichend erklärt worden, zumal Forschungsergebnisse aus den Sprachwissenschaften deutlich machen, dass nach der Wirkung des Suffix ‘-ling’ befragte Personen mit ihm keineswegs überwiegend eine negative Konnotation verbinden. … Nicht das Wort ist das Problem, sondern die Zuweisung von Bedeutung im Kontext intensiver gesellschaftlicher Aushandlungen.”

“Wie Kommunen für bezahlbares Wohnen sorgen können: Das Praxismodell der sozial gerechten Bodenordnung” (von Wilhelm Neurohr)

Wilhelm Neurohr analysiert in einem Beitrag im “Stadtspiegel” den Wohnungsmarkt und Immobilienpolitik in Haltern am See und zieht einen Vergleich zu Münster. Er belässt es nicht bei einer kritischen Analyse, sondern macht auch konkrete Vorschläge für die Halterner Stadtentwicklungspolitik.

Wie Kommunen für bezahlbares Wohnen sorgen können: Das Praxismodell der sozial gerechten Bodenordnung.
Was haben die attraktive Großstadt Münster und die kleine Stadt Haltern am See gemeinsam? Die hohen Grundstückspreise und die demzufolge hohen Mietpreise liegen etwa gleichauf. Was unterscheidet die beiden Städte? Mit aktiver und sozial orientierter Immobilienpolitik sorgt die Stadt Münster für bezahlbares Wohnen, während die Stadt Haltern weitgehend dem freien Immobilienmarkt die Entwicklung überlässt. Dabei wäre das vorbildliche Konzept der Stadt Münster mit dem „Modell der Sozialgerechten Bodenordnung“ eine Blaupause auch für kleinere Kommunen wie Haltern. Letztere mutiert ungebremst zur teuersten Wohnstadt in der Region und übertrifft sogar Münster bei den Grundstückspreisen, zum Nachteil ihrer Bewohner und zum Vorteil der Grundbesitzer. …

Tiny House – räumlich zumindest weit weg von Haltern (dieses Haus steht im Winslow Memorial Park in South Freeport, Maine)

So bleibt Haltern am See wohl auch weiterhin ein unbezahlbar „teures Pflaster“ im Speckgürtel der großen Ruhrgebietsstädte und El Dorado für Spekulanten, mit Grundstückspreisen von durchschnittlich 307 €/qm (zum Vergleich in Münster 305 €/qm) und Höchstpreisen bis zu 700 €/qm (zum Vergleich: die teuersten Grundstücke in Münster bis 620,- €/qm, Stand September 2021). Die Nachbarstadt Dülmen mit 234 €/qm bietet Halterner Abwanderern zwar eine Auffangmöglichkeit und kann überdies ein Vielfaches an öffentlich geförderten Wohnungen vorweisen. Alles so zu belassen, kann aber nicht Ziel der Halterner Stadtentwicklungspolitik sein, die von Münster allerlei lernen kann.”

Quelle: Neurohr, Wilhelm 2021: Neue Wege der kommunalen Immobilienpolitik. Wie Kommunen für bezahlbares Wohnen sorgen können. In: Stadtspiegel Dorsten/Haltern, 23. September 2021, https://www.lokalkompass.de/haltern/c-politik/wie-kommunen-fuer-bezahlbares-wohnen-sorgen-koennen-das-praxismodell-der-sozial-gerechten-bodenordnung_a1633714

Bild: Paul VanDerWerf from Brunswick, Maine, USA, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Lesenswerter Vortrag von Heinrich Detering: “Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten – “Wer ist wir?”

Heinrich Detering hat auf der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken im November 2018 einen lesenswerten Vortrag “Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten – “Wer ist wir?” gehalten.

Eine kleine Kostprobe:

“Dabei möchte ich fragen, wer oder was das “wir” ist, das in den Äußerungen der AfD wiederkehrend als “unser Volk”, “unser Vaterland”, “unsere Kultur” erscheint. Dazu möchte ich einige einzelne Sätze rhetorisch ernstnehmen, die um dieses ideologische Begriffszentrum kreisen. … Fast immer sind die Definitionen des vermeintlich abendländischen und des deutschen “wir” in den Hassfloskeln von Pegida und AfD negativ bestimmt. Sie sollen vor allem markieren, wer nicht dazugehören soll. Wir sind die, die nicht so sind wie die da. In einer privaten Mail – die sie im Nachhinein und mit wenig glaubwürdigen Gründen zur Fälschung erklären ließ –, hat Alice Weidel 2013 beklagt, dass “wir von kulturfremden Völkern wie Arabern, Sinti und Roma etc. überschwemmt werden”; das entspricht ihrer im Bundestag geäußerten Denunziation der nach Deutschland geflüchteten Muslime als “Kopftuchmädchen und Messermänner”. Überschwemmt sieht Frau Weidel “uns” also, und das nicht etwa von Völkern, denen unsere Kultur fremd ist – was als Behauptung über die seit Jahrhunderten in Europa lebenden Sinti und Roma immerhin auch nicht sehr weit entfernt ist von dem Satz, ein Jude könne “kein Volksgenosse sein”. Sondern sie sagt, dass wir überschwemmt werden von “kulturfremden Völkern”, also von Menschen, denen Kultur schlechthin fremd ist. Sie meint das, was im klassischen Griechenland “die Barbaren” hieß, und sie beschreibt es wie eine Naturkatastrophe, als Überschwemmung.” (Quelle: https://www.zdk.de/veroeffentlichungen/reden-und-beitraege/detail/Impulsvortrag-Zur-Rhetorik-der-parlamentarischen-Rechten-Wer-ist-wir-Prof-Dr-Heinrich-Detering–413s/)

Mittlerweile hat Detering die Rede zu einem längeren, ebenfalls lesenswerten Text ausgearbeitet und als Buch publiziert (Detering, Heinrich 2019: Was heißt hier “wir”? Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten. Stuttgart: Reclam Verlag). Hinweise auf Besprechungen finden sich hier: https://www.perlentaucher.de/buch/heinrich-detering/was-heisst-hier-wir.html

Lesehinweis: “ABC der globalen (Un)Ordnung” erscheint am 22.8.2019

Ordnung in die globale (Un)Ordnung bringen – Im Jahr 2005 erschien das »ABC der Globalisierung«. Inzwischen zeigen sich die Auswirkungen der neoliberalen Globalisierung in aller Deutlichkeit: Aus dem Wohlfahrtsversprechen ist eine Welt der globalen ­(Un)Ordnung ­geworden.

114 Autorinnen und Autoren greifen in 126 Stichwörtern – von »Anthropozän« über »Europäische Union«, »Gender«, »Klimawandel«, »Rassismus« und »Sozial-ökologische Transformation« bis hin zu »Ziviler Ungehorsam« und »Zivilgesellschaft« – die aktuellen Entwicklungen im ABC der globalen (Un)Ordnung auf, erarbeiten politische Orientierungspunkte und zeigen Alternativen.

Auch für das neue, ­ab dem 22. August erhältliche Standardwerk der Globalisierungskritik gilt: »Eine andere Welt ist möglich«.”

Quelle: Newsletter 8/2019 des VSA-Verlages, siehe auch hier: https://www.vsa-verlag.de/nc/buecher/detail/artikel/abc-der-globalen-unordnung/

“Die tödlichste Migrationsroute der Welt” – Menschenrechtsanwälte erstatten Anzeige beim Internationalen Strafgerichtshof wegen des Flüchtlingssterbens im Mittelmeer

“Menschenrechtsanwälte werfen der EU und ihren Mitgliedstaaten “crimes against humanity” (“Verbrechen gegen die Menschheit”) vor und haben beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) Anzeige wegen des Flüchtlingssterbens im Mittelmeer erstattet. Die EU-Flüchtlingsabwehr habe das Mittelmeer in die “tödlichste Migrationsroute der Welt” transformiert, heißt es in dem Anzeigedokument; dass dort in den vergangenen Jahren weit mehr als 10.000 Menschen zu Tode gekommen seien, sei keiner “Naturkatastrophe” und keinem “tragischen Fehler” geschuldet, sondern einer bewusst gestalteten Politik. Die Anwälte belegen dies detailliert an zwei Maßnahmen. Demnach hat die Ablösung der italienischen Seenotrettungsoperation “Mare Nostrum” durch die Frontex-Operation “Triton” im Herbst 2014 die Zahl der Opfer absehbar erhöht. Zudem hat die Kooperation mit der libyschen Küstenwache zur Internierung Zehntausender Flüchtlinge in Folter- und Mordlagern geführt. Beides hat besonders die Bundesregierung forciert, und dies in voller Kenntis der mörderischen Folgen.”

Mehr hier: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7956, Stand 4.6.2019

Bildquelle: Wikimedia Commons, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:20151030_Syrians_and_Iraq_refugees_arrive_at_Skala_Sykamias_Lesvos_Greece_2.jpg