Lesenswerter Vortrag von Heinrich Detering: “Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten – “Wer ist wir?”

Heinrich Detering hat auf der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken im November 2018 einen lesenswerten Vortrag “Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten – “Wer ist wir?” gehalten.

Eine kleine Kostprobe:

“Dabei möchte ich fragen, wer oder was das “wir” ist, das in den Äußerungen der AfD wiederkehrend als “unser Volk”, “unser Vaterland”, “unsere Kultur” erscheint. Dazu möchte ich einige einzelne Sätze rhetorisch ernstnehmen, die um dieses ideologische Begriffszentrum kreisen. … Fast immer sind die Definitionen des vermeintlich abendländischen und des deutschen “wir” in den Hassfloskeln von Pegida und AfD negativ bestimmt. Sie sollen vor allem markieren, wer nicht dazugehören soll. Wir sind die, die nicht so sind wie die da. In einer privaten Mail – die sie im Nachhinein und mit wenig glaubwürdigen Gründen zur Fälschung erklären ließ –, hat Alice Weidel 2013 beklagt, dass “wir von kulturfremden Völkern wie Arabern, Sinti und Roma etc. überschwemmt werden”; das entspricht ihrer im Bundestag geäußerten Denunziation der nach Deutschland geflüchteten Muslime als “Kopftuchmädchen und Messermänner”. Überschwemmt sieht Frau Weidel “uns” also, und das nicht etwa von Völkern, denen unsere Kultur fremd ist – was als Behauptung über die seit Jahrhunderten in Europa lebenden Sinti und Roma immerhin auch nicht sehr weit entfernt ist von dem Satz, ein Jude könne “kein Volksgenosse sein”. Sondern sie sagt, dass wir überschwemmt werden von “kulturfremden Völkern”, also von Menschen, denen Kultur schlechthin fremd ist. Sie meint das, was im klassischen Griechenland “die Barbaren” hieß, und sie beschreibt es wie eine Naturkatastrophe, als Überschwemmung.” (Quelle: https://www.zdk.de/veroeffentlichungen/reden-und-beitraege/detail/Impulsvortrag-Zur-Rhetorik-der-parlamentarischen-Rechten-Wer-ist-wir-Prof-Dr-Heinrich-Detering–413s/)

Mittlerweile hat Detering die Rede zu einem längeren, ebenfalls lesenswerten Text ausgearbeitet und als Buch publiziert (Detering, Heinrich 2019: Was heißt hier “wir”? Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten. Stuttgart: Reclam Verlag). Hinweise auf Besprechungen finden sich hier: https://www.perlentaucher.de/buch/heinrich-detering/was-heisst-hier-wir.html

Wettbewerb für junge Autor*innen: “Frieden verbindet über Grenzen”

Wettbewerb für junge Autor*innen”Frieden verbindet über Grenzen”

“Erstmals wird im Frühjahr 2020 ein internationaler Schreibwettbewerb von Friedensgruppen aus Enschede und Dülmen besonders für junge Autor*innen ausgelobt.

Das Thema des Wettbewerbs lautet:

“Vrede verbindt over grenzen
Frieden verbindet über Grenzen
La paix transcende les frontières””

  • Wer kann teilnehmen: Jede/r, der jünger ist als 25 Jahre
  • Was kann man einreichen: Eine Geschichte oder ein Gedicht mit maximal 700 Wörtern, es werden Beiträge in allen Sprachen angenommen. 
  • Bis wann wohin senden:  Senden Sie Ihren Beitrag bis zum 24. Februar 2020 an:
  • info@enschedevoorvrede.nl (Stichwort STORY CONTEST)
  • an die Zentralbibliothek, Pijpenstraat 15, 7511 GM Enschede, t.a.v. Catharina Broekman,
  • oder an friedensfreundeduelmen@posteo.de (Stichwort STORY CONTEST)

Mehr Informationen finden Sie hier: Autorenwettbewerb 2020_Aufruf

(Danke an die Friedensfreunde Dülmen für die Aktion und den Hinweis; https://www.friedensfreundeduelmen.eu)

 

 

25. März 2020, Vortrag in Münster: “Menschen werden angemietet, verschlissen und dann entsorgt”

“Menschen werden angemietet, verschlissen und dann entsorgt

25. Mrz 2020 – 19:30 Uhr , Lesesaal der Stadtbücherei Münster, Alter Steinweg 11

Vortrag und Diskussion mit Pfarrer Peter Kossen

Quelle des Bildes: Pax Christi Münster, siehe den unten stehenden Link
Quelle des Bildes: Pax Christi Münster, siehe den unten stehenden Link

„Billig! Billig! Billig!“ hat einen hohen Preis. Den Preis für verramschte Lebensmittel in unserem Land bezahlen Landwirte mit ihrer Existenz, rumänische und bulgarische Arbeitsmigrant*innen mit ihrer Gesundheit und die Natur mit der Artenvielfalt und dem ökologischen Gleichgewicht. Werkverträge und Leiharbeit werden dabei zum Zweck von Lohn- und Sozialdumping hemmungslos missbraucht. Arbeitsmigranten leben in verschimmelten Bruchbuden als Bürger „zweiter Klasse“ und werden dafür noch mit Wuchermieten abgezockt. Sie werden gehandelt wie Ware, behandelt wie Leibeigene und verschlissen wie Gebrauchsgegenstände. Es gibt Alternativen zum Verschleiß von Menschen, Tieren und Umwelt! Jetzt ist die Zeit, in der sich etwas verändert, durch Menschen, die etwas verändern!” (Webseite Pax Christi Münster).

Nachgelesen – “Vom Willkommen zur Abschiebung – Steht der Flüchtlingsschutz zur Disposition?”

Vom Willkommen zur Abschiebung – Steht der Flüchtlingsschutz zur Disposition?– so lautet der Titel einer Rede von Dietrich Eckeberg, Referent für Flüchtlingsarbeit bei der Diakonie RWL. Er hat diese Rede bereits 2018 bei einer Feier der Kirchengemeinde Düren gehalten, um deren Engagement der Gemeinde in der Flüchtlingshilfe zu würdigen. Die Rede ist nach wie vor aktuell und lesenswert, allein schon wegen einiger Zitate.

Eckeberg zitiert aus einer Stellungnahme der Diakonischen Werke:

‘Die geplante Einrichtung von Sammellagern für Asylsuchende in jedem Regierungsbezirk des Landes mit einer Kapazität von 1000 Personen ist ein gefährlicher und falscher Weg. Die Erfahrungen, die mit derartigen Einrichtungen aus anderen Bundesländern (schon seit langem) bestehen, sind durchweg negativ. Zahlreiche Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen über das Leben von Flüchtlingen in Sammellagern belegen, dass physische und psychische Erkrankungen, Kriminalität und Hoffnungslosigkeit die nahezu unvermeidliche Folge einer solchen Unterbringung sind.’Meine Damen und Herren – diese Stellungnahme der Diakonischen Werke der Evangelischen Kirche im Rheinland und des Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche von Westfalen datiert vom 23. Oktober1990!” (Quelle: Dietrich Eckeberg 2018: Vom Willkommen zur Abschiebung – Steht der Flüchtlingsschutz zur Disposition?, https://www.diakonie-rwl.de/themen/festrede-cafe-international, abgefragt am 2.12.2019)

Ein weiteres Zitat, das Eckeberg in kritischer Absicht anführt, stammt von Bundeskanzlerin Angela Merkel aus dem Jahre 2017:

“Wir arbeiten daran, dass Rückführungen möglichst aus den Erstaufnahmeeinrichtungen erfolgen können; denn wir wissen: Wenn Menschen erst einmal durch ehrenamtliche Helfer in Kommunen integriert sind, dann ist die Rückführung sehr viel schwerer und schwieriger.” (Bundeskanzlerin Angela Merkel am 9. Februar 2017, https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/asylpolitik-ausreisepflicht-besser-durchfuehren-222360
Screenshot des Videos der Pressekonferenz (Bundeskanzlerin Angela Merkel am 9. Februar 2017)

Wer den genauen Kontext der Aussage von Frau Merkel nachvollziehen will, kann das hier tun. Das Zitat ist auf dem Video bei Minute 3:48 zu hören.

Danke den Mitgliedern des Forums für Demokratie, Respekt und Vielfalt für die Hinweise.