3. März 2020: Vortrag Prof. Dr. Christoph Butterwegge: “Die zerrissene Republik. Wirtschaftliche, soziale und politische Ungleichheit in Deutschland”

Die zerrissene Republik. Wirtschaftliche, soziale und politische Ungleichheit in Deutschland – Vortrag und Diskussion mit Prof. Dr. Christoph Butterwegge

Dienstag, 3. März 2020, 19 Uhr im Alten Rathaus Haltern am See

Seit geraumer Zeit ist die wachsende Ungleichheit das Kardinalproblem unserer Gesellschaft, wenn nicht der gesamten Menschheit. Während daraus im globalen Maßstab ökonomische Krisen, Kriege und Bürgerkriege resultieren, die wiederum größere Migrationsbewegungen nach sich ziehen, sind in Deutschland der gesellschaftliche Zusammenhalt und die repräsentative Demokratie bedroht. Daher wird nicht bloß thematisiert, wie sozioökonomische Ungleichheit entsteht und warum sie zugenommen hat, sondern auch, weshalb die politisch Verantwortlichen darauf kaum reagieren und was getan werden muss, um sie einzudämmen.

Prof. Dr. Christoph Butterwegge lehrte von 1998 bis 2016 als Politikwissenschaftler und Armutsforscher an der Universität zu Köln. Er ist u.a. Mitglied der Forschungsstelle für interkulturelle Studien. Er gehört keiner Partei an, kandidierte aber für die Linken 2017 für das Amt des Bundespräsidenten.

Veranstalter: Freunde der Stadtbücherei Haltern am See e.V. und Halterner Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt, in Kooperation mit dem iWiPo-Institut NRW e.V. für Wissenschaft, politische Bildung und gesellschaftliche Praxis.

Sardinen aus Haltern demonstrieren für Demokratie, Respekt und Vielfalt

An die hundert Halterner Bürger*innen demonstrierten am 18. Januar gemeinsam unter dem Symbol der Sardine gegen die Politik der AfD. Die Halterner waren nicht allein. Mindestens 500 Menschen waren am frühen Samstagmorgen aufgestanden, um zum Ausdruck zu bringen, dass sie die Positionen der AfD ablehnen (https://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/afd-parteitag-marl-102.html).

Organisiert hatten den Protest der Halterner Bürger*innen der Asylkreis und das Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt.
Symbolisch wie auch inhaltlich fühlen sich die Halterner Demonstrant*innen der italienischen überparteilichen Sardinenbewegung verbunden (siehe dazu z.B. den Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom 24.11.2019 oder der TAZ vom 14.12.2019). Die Sardinenbewegung entstand im letzten Jahr aus spontanen Protesten gegen die nationalistisch-rassistische Politik der Salvini-Regierung.

Hier einige Bilder (mehr Bilder finden Sie  hier). Der Bürgermeister der Stadt Haltern, Bodo Klimpel, und der Landtagsabgeordnete Jürgen Hovejürgen unterstützen die Aktion.

Mehr Bilder finden Sie  hier.

Bella Ciao

Die Sardinen des Forums singen “Bella Ciao”.

Die Sardinen

Das Symbol der Sardine (der kleinen Fische) und die Idee des Schwarms sind anregend: Viele kleine, auch friedliche Fische im Schwarm können viel ausrichten – gegen große Fische und gegen die (noch) kleinen, aber sehr gefräßigen allemal.

(Das nebenstehende Schwarm-Bild wird in einem kurzen Artikel von Werner Nienhüser verwendet. In dem Artikel geht es um Organisierung generell; er wurde lange vor der Entstehung der Sardinenbewegung geschrieben.) https://employmentrelations.wordpress.com/2015/05/29/organize.

 

Weitere Informationen

 

Josef aus Nazareth ist zurück – entlassen aus der Abschiebehaft


https://www.halternerzeitung.de/haltern/darum-kehren-die-in-haltern-verschwundenen-josefsfiguren-am-sonntag-in-ihre-krippen-zurueck-1488384.html

„Der heilige Josef ist aus der Abschiebehaft entlassen worden“, meldet der Asylkreis Haltern. Deshalb könnten zum „Fest der Taufe des Herrn“ am Sonntag (12. Januar) alle Josefsfiguren zurückerwartet werden, die vor einigen Tagen aus den Krippen verschwunden waren.David Schütz vom Caritasverband Haltern teilte für den Asylkreis mit, wie es der heiligen Familie ergangen ist: „Maria hat mithilfe von Freunden des Asylkreises und einer Beratungsstelle des Caritasverbandes erfahren, dass der Schutz der Familie grundrechtlich verankert ist (GG Artikel 6). Somit konnte sie mit einem Anwalt erfolgreich Rechtsmittel gegen die Abschiebehaft einleiten.

In Bezug auf die negative Asylentscheidung erging es in Deutschland 2019 mehr als einem Viertel der Asylbewerber wie Josef: 26 Prozent aller ablehnenden Bescheide mussten 2019 nach gerichtlicher Überprüfung wieder aufgehoben werden. Hingegen gab es bei positiven Asylbescheiden 2019 laut Bundesregierung nur 1,8 Prozent fehlerhafte Bescheide.“ (Halterner Zeitung v. 11.1.2020)

Was war geschehen? Mehr dazu hier: https://www.halternerzeitung.de/haltern/josefsfiguren-in-halterner-kirchen-wurden-aus-ihren-krippen-entfernt-das-ist-der-grund-1487224.html
und hier: https://forumdrv.de/2020/01/05/abschiebebescheid-fuer-josef-von-nazareth-halterner-zeitung-berichtet/

“Abschiebebescheid für Josef von Nazareth” – Halterner Zeitung berichtet

Haltern am See 2020: Maria ohne Josef – mit Abschiebebescheid (Photo aus privater Sammlung)

Die Halterner Zeitung (Jürgen Wolter) schreibt (am 5.1.2020):

Abschiebebescheid für Josef von Nazareth

David Schütz vom Caritasverband erläutert für den Asylkreis die Hintergründe der Aktion: „Viele Christen haben sich an den Weihnachtstagen bewusst gemacht, dass sich in der Erfahrung heutiger Flüchtlinge die Geschichte des Jesuskindes spiegelt.

Papst Franziskus hatte vor Weihnachten noch einmal darauf hingewiesen: „Krippen in Kirchen, in Privatwohnungen und an öffentlichen Orten sind eine Aufforderung, in unserem Leben und in der Gesellschaft Platz für Gott zu machen, der im Antlitz so vieler notleidender Menschen verborgen ist.“

Dass nun in den Krippen der Halterner Innenstadt anstelle des heiligen Josef ein Abschiebebescheid liegt, lässt den Ernst der weltweiten Flüchtlingsdramen und auch der drastisch verschärften deutschen Flüchtlingspolitik in den Halterner Krippen sichtbar werden.”

Hintergründe liefert diese Nachricht:

Haltern am See, 04.01.2020. Gestern Morgen ist Josef von Nazareth in den frühen Morgenstunden aufgrund des abgelehnten Asylantrags und der Sorge der Behörden, er könnte untertauchen, in Abschiebehaft genommen worden. Die genauen Hintergründe konnten bis Redaktionsschluss nicht ermittelt werden. Es wird vermutet, dass er kurz nachdem seine Partnerin Maria ihren Sohn Jesus zur Welt gebracht hat, mit seiner Familie nach Ägypten floh. Ob sie dort in einer der nahe der Grenze gelegenen Flüchtlingslager untergebracht wurden, kann nicht geklärt werden. Das zügige Asylverfahren wirft einige Fragen auf; das Interview der zuständigen Behörden hat die individuelle Bedrohungssituation aus Sicht der regionalen Flüchtlingsinitiative nicht ausreichend berücksichtigt. Ob die Flüchtlingsinitiative mit ihrem Protest noch etwas bewirken kann, ist ungewiss.” (Mehr Informationen hier:  Josef ist abgeschoben worden. Den Abschiebungsbescheid finden Sie hier: Bescheid Josef von Nazareth.

“Zwei fehlen” – zwei heilige Könige sind in der #ZUE

Kunstaktion von “ausgeGRENZT”: Einige Könige sind bundesweit nicht angekommen in den Krippen. Holt die Könige aus den Lagern! Könige gegen die Festung Europa.
(https://twitter.com/zwei_fehlen)

Die letzten Tweets von dem oben genannten Twitter-Account finden Sie hier. Gute Aktion. #2fehlen

 

Lesenswerter Vortrag von Heinrich Detering: “Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten – “Wer ist wir?”

Heinrich Detering hat auf der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken im November 2018 einen lesenswerten Vortrag “Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten – “Wer ist wir?” gehalten.

Eine kleine Kostprobe:

“Dabei möchte ich fragen, wer oder was das “wir” ist, das in den Äußerungen der AfD wiederkehrend als “unser Volk”, “unser Vaterland”, “unsere Kultur” erscheint. Dazu möchte ich einige einzelne Sätze rhetorisch ernstnehmen, die um dieses ideologische Begriffszentrum kreisen. … Fast immer sind die Definitionen des vermeintlich abendländischen und des deutschen “wir” in den Hassfloskeln von Pegida und AfD negativ bestimmt. Sie sollen vor allem markieren, wer nicht dazugehören soll. Wir sind die, die nicht so sind wie die da. In einer privaten Mail – die sie im Nachhinein und mit wenig glaubwürdigen Gründen zur Fälschung erklären ließ –, hat Alice Weidel 2013 beklagt, dass “wir von kulturfremden Völkern wie Arabern, Sinti und Roma etc. überschwemmt werden”; das entspricht ihrer im Bundestag geäußerten Denunziation der nach Deutschland geflüchteten Muslime als “Kopftuchmädchen und Messermänner”. Überschwemmt sieht Frau Weidel “uns” also, und das nicht etwa von Völkern, denen unsere Kultur fremd ist – was als Behauptung über die seit Jahrhunderten in Europa lebenden Sinti und Roma immerhin auch nicht sehr weit entfernt ist von dem Satz, ein Jude könne “kein Volksgenosse sein”. Sondern sie sagt, dass wir überschwemmt werden von “kulturfremden Völkern”, also von Menschen, denen Kultur schlechthin fremd ist. Sie meint das, was im klassischen Griechenland “die Barbaren” hieß, und sie beschreibt es wie eine Naturkatastrophe, als Überschwemmung.” (Quelle: https://www.zdk.de/veroeffentlichungen/reden-und-beitraege/detail/Impulsvortrag-Zur-Rhetorik-der-parlamentarischen-Rechten-Wer-ist-wir-Prof-Dr-Heinrich-Detering–413s/)

Mittlerweile hat Detering die Rede zu einem längeren, ebenfalls lesenswerten Text ausgearbeitet und als Buch publiziert (Detering, Heinrich 2019: Was heißt hier “wir”? Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten. Stuttgart: Reclam Verlag). Hinweise auf Besprechungen finden sich hier: https://www.perlentaucher.de/buch/heinrich-detering/was-heisst-hier-wir.html