Heilige Familie in der Flüchtlingsunterkunft – Alternative Krippe in St. Laurentius (Haltern am See)

In der Laurentiuskirche in Haltern erwartete die Besucher eine Besonderheit: Neben dem gewohnten Bild von Maria, Josef und dem Jesuskind inmitten der Hirten und Schafe war dort auch eine „alternative“ Krippe aufgebaut.

Wo würde Jesus heute geboren werden? Antwort: in einer Flüchtlingsunterkunft! Der Stall in Bethlehem war schließlich nichts anderes als eine Notunterkunft für Menschen, die niemand bei sich haben wollte.


Die Besucher der Laurentiuskirche waren dazu eingeladen, die Perspektive der Geflüchteten einzunehmen. An die aufgestellten Trennwände konnten eigene Gedanken und Gefühle geschrieben werden.

Außerdem waren Videoproduktionen zu sehen: Zum einen der mehrfach preisgekrönte Animationsfilm „01 Gravity“ der in Haltern arbeitenden Künstlerin Katharina Potratz,  der die Fluchtgeschichte eines kleinen Jungen erzählt. Zum anderen der Livemitschnitt eines Theaterstücks aus dem Jahr 2018, in dem Halterner Laiendarsteller unter Regie des Theaterpädagogen der Ruhrfestspiele, Alois Banneyer, sowie der Theaterpädagogin Kathi Klöpfer Erfahrungsberichte aus NRW-Sammelunterkünften szenisch umsetzen.

Im Schatten der Corona-Pandemie darf die dramatische Situation in den Flüchtlingsunterkünften nicht aus dem Blick verloren werden – zumal die Menschen dort durch die Unterbringungsbedingungen dem höchsten Ansteckungsrisiko überhaupt in dieser Gesellschaft ausgesetzt sind (weitere Informationen u.a. hier: https://www.asyl.net/start/nachrichten/informationen-zu-auswirkungen-des-coronavirus/.

 

Einladung: “Un)würdige Arbeit – Das Beispiel der Pflege(berufe)” – Onlineveranstaltung am Donnerstag, 21.01.2021 um 19:00 Uhr

(Un)würdige Arbeit – Das Beispiel der Pflege(berufe)

Onlineveranstaltung am Donnerstag, 21.01.2021 um 19:00 Uhr

Podiumsgespräch und Diskussion

Die aktuelle Situation der Pandemie legt die Grenzen und Schwächen im Bereich der Pflege in aller Deutlichkeit offen. Auch wenn die Situation in vergleichbaren Ländern noch schlimmer scheint, ist unübersehbar, dass Applaus nicht reicht.

An dem Abend sollen als Podiumsteilnehmer*innen fachkundige Personen über folgende Fragekreise ins Gespräch kommen:
1. Wie ist die Arbeitssituation in den Bereichen, die Sie kennen bzw.  hier vertreten (z.B. Arbeitsbelastungen, Beschäftigtenstruktur, Entlohnung, Arbeitszeiten, ethische Standards)?
2. Was müsste sich ändern?
3. Was ist konkret als nächstes zu fordern und zu tun?

Die Referent*innen:

Ulrich Christofczik, Evangelisches Christophoruswerk e.V.
Gregor Pleiss, Krankenpfleger und Medizin-Pädagoge
Marion Schäfer, Gewerkschaftssekretärin ver.di
Prof. Dr. Thorsten Schulten, Hans-Böckler-Stiftung
Hans-Werner Quasten, Initiative Respekt

Moderation: Prof. Dr. Werner Nienhüser, Universität Duisburg-Essen

(Flyer – PDF – zum Download und Weiterverteilen)

Digitaler Ort: Zoom-Einladungslink_
Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger (online-)Anmeldung mit Angabe aller zur Rückverfolgbarkeit notwendigen Kontaktdaten über den folgenden Link möglich: Anmeldung online

Noch zwei Hinweise:

Eine Teilnahme an der Diskussion ist zunächst über eine Chatfunktion möglich. Die Chatbeiträge werden durch eine*n Moderator*in in den Gesprächsverlauf eingebracht. Eine direkte Diskussionsbeteiligung wird in der letzten halben Stunde angestrebt. Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und anschließend bearbeitet der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Für die Veranstaltung wird kein Eintrittsgeld erhoben, aber stattdessen eine Spende für den Verein „Aktion Würde und Gerechtigkeit e. V.“ empfohlen. Spendenkonto: https://www.wuerde-gerechtigkeit.de/mitgliedschaft-spenden

„Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt“ – Aktion der Evangelischen Frauenhilfe auf dem Marktplatz in Haltern am See

Dem Aktionsaufruf der Evangelischen Frauenhilfe „Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt“ sind etliche Menschen gefolgt. Auf dem Marktplatz in Haltern am See wurde am Tag der Menschenrechte  mit gefalteten Schiffchen der 1.319 Menschen gedacht, die allein 2019 als Bootsflüchtlinge ertrunken sind.

Der Asylkreis und das Halterner Forum haben die Aktion unterstützt.

Hier einige Bilder von der bewegenden Aktion.


Zum Tag der Menschenrechte – Forum fordert: „Zurück zur dezentralen Flüchtlingsunterbringung und -betreuung“

Tag der Menschenrechte:

 Aufrüttelnder Appell von Asylkreis und Halterner Forum: „Zurück zur dezentralen Flüchtlingsunterbringung und -betreuung“

 Erneute Quarantäne nach Corona-Fällen in der ZUE endlich aufgehoben

 HALTERN / MARL. Einen aufrüttelnden  Appell  zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember richten der Asylkreis und das Halterner Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt an die verantwortlichen Politiker und  die Öffentlichkeit: „Die unantastbare Menschenwürde der Flüchtlinge in den zentralen Unterbringungseinrichtungen (ZUE) ist vor allem in Corona-Zeiten nicht gewährleistet, weil die wiederholte Quarantäne der Bewohner in den Massenunterkünften unter unzumutbaren Lebensbedingungen stattfindet“,  so empören sich die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer. 

„Bundesweit und in der  ZUE Marl standen die Bewohner der Massenunterkünfte  zum wiederholten Male  unter ständig verlängerter Quarantäne, obwohl die Infektionen vermeidbar wären bei  dezentraler Unterbringung und Betreuung“, beklagen die Flüchtlingshelfer vom Asylkreis. „Alle  Angebote zur dezentralen Unterbringung mit ehrenamtlicher Betreuung wurden bisher abgelehnt“, kritisiert der Asylkreis und will das über einen eindringlichen Appell an die verantwortlichen Politiker ändern. Notfalls will man sogar versuchen, die Gesetzesregelung über eine Volksinitiative nach der Landesverfassung mit zahlreichen Unterschriften zu Fall zu bringen.

72 Flüchtlinge in der ZUE Marl unter Quarantäne wegen erneuter Corona-Fälle

„In der Marler ZUE im alten Kreisgesundheitsamt standen erst im Mai dieses Jahres 22 der dort untergebrachten 106 Flüchtlinge sowie zwei Mitarbeiter wegen der Corona-Fälle unter Quarantäne. Nun stand  in der zweiten Corona-Welle wegen acht positiv getesteter Personen die gesamte ZUE mit ihren 72 derzeit dort untergebrachten Flüchtlingen schon wieder bis vor kurzem unter Quarantäne“, so berichten die besorgten Flüchtlingshelfer.

„Die Flüchtlingsräte bundesweit warnen schon länger vor diesen von vornherein absehbaren Fehlentwicklung in den kritikwürdigen Massenunterkünften mit dreistelligen Zahlen von Infizierten in einzelnen Einrichtungen“, erinnert Hermann Döbber vom Halterner Asylkreis: „Viele traumatisierte Menschen auf engem Raum, wenig Privatsphäre, Isolation von der Außenwelt, sexualisierte Gewalt an Frauen und queren Menschen. Corona macht diese Orte noch gefährlicher und machen die Pandemie zu einer außerordentlichen Belastung für Körper und Psyche der Menschen“.

„Privatsphäre und Selbstbestimmungsrecht ausgesetzt“

„Die Folgen sind fatal und unmenschlich“, wissen die Ehrenamtlichen Helfer  zu berichten: „Während der Quarantäne saßen die Betroffenen  Tage und Wochen ohne Privatsphäre in ihren Mehrbettzimmern mit drei vorgesetzten Mahlzeiten, ohne die Möglichkeit,  einzukaufen, zu spazieren oder Beratungsstellen aufzusuchen. Dabei sind sie in absoluter Abhängigkeit vom Träger der Einrichtung und des dortigen Personals. Das Selbstbestimmungsrecht ist ausgesetzt“.

Und weil das Infektionsgeschehen bei Mehrbettzimmern und Gemeinschaftsbädern kaum einzudämmen sei, komme es meist zu verlängerten Ketten-Quarantänen und wegen der ausweglosen Lage mancher Bewohner zu Ausschreitungen. „Schon ohne Corona sei wegen der langwierigen Asylverfahren die Situation verfahren und das Bleiberecht wird ausgehöhlt, so die Feststellung der weitgehend ausgegrenzten ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer.

Asylkreis plant Spendenaktion für die Betroffenen in der ZUE

Die Mitglieder des Asylkreises beklagen: „Kinder können solange nicht zur Schule oder zum Kindergarten, Integrationsförderung findet nicht statt und Erwachsene haben für mindestens 9 Monate nach Ankunft ein Arbeitsverbot und verbringen als Kinderlose  bis zu 24 Monaten ohne Privatsphäre in der Massenunterkunft. Und sie bekommen zu wenig Taschengeld, um selber Sprachkurse zu bezahlen oder  Fahrtkosten zu ihrem Anwalt aufzubringen“.

Der Asylkreis plant deshalb eine Spendenaktion für die betroffenen Bewohner in der ZUE und hofft dabei auf die Unterstützung und Zulassung durch die Bezirksregierung und den Betreiber.

„Man lässt keine Menschen ertrinken“

Da die Probleme bereits bei den Fluchtursachen und  den Fluchtumständen beginnen, wollen der Asylkreis und das Halterner Forum am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, auch die geplante Aktion der evangelischen Frauenhilfe Westfalen unterstützen: „Da momentan wieder viele Flüchtlinge im Mittelmeer, etwa in Booten Richtung Kanaren, ertrinken und die zivile Seenotrettung erschwert wird, soll auf allen öffentlichen Plätzen mit gefalteten Schiffchen der 1.319 Menschen gedacht werden, die allein 2019 als Bootsflüchtlinge ertrunken sind“, so heißt es im Aktionsaufruf der evangelischen Frauenhilfe.

Zeitungsartikel Menschenwürde in den ZUE (PDF)

Pressemitteilung des Forums: Offener Brief aus Haltern an Bundestagsabgeordnete: „Leiharbeit in den Schlachtbetrieben gesetzlich beenden“

Offener Brief aus Haltern an Bundestagsabgeordnete: „Leiharbeit in den Schlachtbetrieben gesetzlich beenden“

Empörung über Rückzieher bei Gesetzesberatung im Bundestag

HALTERN. In einem gemeinsamen offenen Brief an die CDU-Bundestagsabgeordneten aus NRW haben das Halterner Forum, der KAB-Bezirks- und Diözesanverband und das Könzgenhaus ihre Empörung und ihre Forderungen zum Ausdruck gebracht über eine zurückgestellte Gesetzesvorlage: „Das von der Bundesregierung vorgelegte Artbeitsschutzkontrollgesetz zur Beendigung der Werks- und Leiharbeit in der Fleischindustrie wurde durch eine Gruppe von CDU-Abgeordneten nach Lobbyeinfluss ausgebremst“ so lautet der Vorwurf der Briefverfasser. 

(Hier der Text des Offenen Briefes)

Erst am 5. November hatte das Halterner Forum zusammen mit der KAB und dem Könzgenhaus in einer öffentlichen Online-Veranstaltung mit Pfarrer Peter Kossen und Helge Adolphs von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten den Blick auf die unwürdigen Arbeitsverhältnisse in der Fleischindustrie gerichtet (wir berichteten). Auf der Website des Halterner Forums (www.forumdrv.de) ist die Veranstaltung als Video nachzuverfolgen, zusammen mit einem ARTE-Bericht über „das Schuften im Schlachthof“, das Pfarrer Peter Kossen sogar als „sklavenähnliche Verhältnisse“ bezeichnet.

„Noch im Sommer war durch die Corona-Fälle bei Tönnies und Westfleisch die Empörung auch bei den politischen Parteien über die jahrzehntelangen Missstände so groß, dass die Bundesregierung am 23. Oktober dem Bundestag einen Gesetzentwurf für ein Arbeitsschutzkontrollgesetz vorlegte, um damit die Werks- und Leiharbeit in der Fleischindustrie zu unterbinden“ erinnert Herbert Bludau-Hoffmann vom Halterner Forum, selber langjähriger Gewerkschafter beim ver.di-Landesverband NRW. „Doch eine Gruppe von CDU-Bundestagsabgeordneten fiel durch den Einfluss von Lobbyisten der eignen Koalitionsregierung in den Rücken und vertagte die Beschlussfassung, um die Leiharbeit zu erhalten“, bemerkt der KAB-Bezirksvorsitzende Klaus-Dieter Amtmann fassungslos.

Der heimische Bundestagsabgeordnete Michael Groß (SPD) kritisiert dazu auf Facebook den CDU-Landesminister Laumann, der zuvor das „parteiübergreifende Versagen“ bei den Zuständen in der Fleischindustrie beklagte und nach seinen Worten „den „Sumpf austrocknen wollte“, aber jetzt nach dem Lobbyeinfluss selber nur noch von „notwendige Kompromissen“ im Gesetzesverfahren spricht.

Die Verfasser des offenen Briefes appellieren an die CDU-Bundestagsabgeordneten der einzelnen Landesbezirke in NRW, die am 23. Oktober in 3. Lesung zurückgestellte Gesetzesvorlage „unverzüglichen und unverwässert in Kraft zu setzen, um die unhaltbaren Zustände für die Beschäftigten in der Fleischindustrie zugunsten würdiger Arbeitsverhältnisse zu beenden“. Sie erinnern die Abgeordneten an die „Ansprüche ihrer christlichen Partei“ und erwarten, „dass sie im bevorstehenden Bundestagwahljahr ihr persönliches Abstimmungsverhalten in dieser Sache transparent machen“.

Text des Offenen Briefes

 

Anschauen: “Re: Schuften im Schlachthof – Rumänen in Deutschland, Asiaten in Rumänien” (ARTE)

Re: “Schuften im Schlachthof – Rumänen in Deutschland, Asiaten in Rumänien” | ARTE Re: – in der Mediathek von Arte zu finden

“Die Arbeit ist hart, oft ekelhaft und durch Corona sogar gefährlich – und trotzdem kommen zig-tausende Rumänen nach Deutschland oder Frankreich, um in der Fleischbranche oder bei der Ernte ihr Geld zu verdienen. Warum tun sie sich das an, warum ist die Fremde oft der einzige Ausweg – und wer macht die Arbeit in Rumänien? Asiaten füllen die Lücken. Eine Spirale der Verzweiflung. Das Dorf Goreni liegt im rumänischen Transsilvanien. Hier gibt es außer Landwirtschaft kaum Jobs. Die meisten gehen daher zum Arbeiten nach Westeuropa. So wie Elisabeta, die in Deutschland Erdbeeren pflückt. Ihr Mann Zlotan ist Schweißer in Frankreich. Sohn Paul war bis März Schichtarbeiter bei Tönnies und will jetzt wieder zurück – obwohl sich seine Tante und sein Onkel genau bei diesem Fleischkonzern mit Covid-19 infiziert haben und im Moment in Deutschland in Quarantäne sind. Elisabeta bereitet das große Sorgen. Gerade erst wurde die 54-Jährige in Deutschland um einen großen Teil ihres Lohnes betrogen. Dennoch, irgendwie muss die Familie Geld verdienen, sonst kommen sie nicht durch. Seit dem EU-Beitritt Rumäniens sind die Preise explodiert und gerade Lebensmittel oft sogar noch teurer als in Deutschland. Doch ein Viertel aller Rumänen sind als Kleinbauern tätig. Gerade sie kommen nicht über die Runden. Vier Millionen Rumänen arbeiten daher im Ausland – das ist jeder fünfte – darunter viele junge Erwachsene, wie Elisabetas 20-jähriger Sohn Paul. Die Folge der Arbeiterkarawane nach Westeuropa erlebt man in Cluj, Nordrumänien: Vasile, der Betreiber einer Hamburger-Restaurantkette, sucht händeringend Arbeitskräfte. Doch kein Rumäne will für das Geld, das er zahlen kann, arbeiten. Und so hat er 13 Männer aus Sri Lanka angeworben. Auch in der Fleischfabrik in Cluj arbeiten Asiaten, die dort für wenig Lohn Därme reinigen und Fleisch zerlegen. Über 30.000 Visa hat Rumänien – trotz der Coronakrise – allein im Jahr 2020 für Arbeiter aus asiatischen Ländern ausgestellt.”
Reportage (D 2020, 32 Min) (s.a. https://www.arte.tv/de/videos/098419-002-A/re-schuften-im-schlachthof/)

Jetzt online: Digitalmitschnitt zu „(Un-)Würdige Arbeit – der Fall der Fleischindustrie“

Jetzt online: „(Un-)Würdige Arbeit – der Fall der Fleischindustrie“ – Digitalmitschnitt der Veranstaltung

Die aktuelle Lage in der Fleischindustrie war Thema der Auftaktveranstaltung der Reihe „(Un-)Würdige Arbeit”. Erleben Sie den spannenden Diskussionsabend noch einmal digital mit.

Referent*innen und Teilnehmer*innen kamen – pandemiebedingt – in einer Online-Konferenz zusammen. Referent Pfarrer Peter Kossen prangert die unwürdigen und unzumutbaren Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie seit Jahren an. Aktuell kritisiert er, dass die CDU/CSU das versprochene und überfällige Arbeitsschutzkontrollgesetz verzögert und entkräftet. Er fordert: “Werkverträge und Leiharbeit verbieten! Keine Schlupflöcher im Arbeitsschutzkontrollgesetz!” (Siehe Pressemitteilung von Peter Kossen, 16.11.2020)

Helge Adolphs von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten – NGG gab einen Einblick in die Arbeit der Gewerkschaften im Bereich der Fleischwirtschaft. Unwürdige Arbeitsverhältnisse gäbe es auch in anderen Branchen. In der Fleischwirtschaft sei die Situation für die Beschäftigten besonders prekär.  Das Projekt “Faire Mobilität” des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) bietet Unterstützung dabei, gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen für Beschäftigte aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten auf dem deutschen Arbeitsmarkt durchzusetzen (siehe auch den Offenen Brief des Projekts).

Die nächste Veranstaltung dieser Reihe findet am 21. Januar 2021 statt, dann zum Thema „Würdige Arbeit in Pflege- und Sozialberufen“.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des Könzgenhauses und des Forums für Demokratie, Respekt und Vielfalt.

Initiative des DGB-Projekts “Faire Mobilität” zur Fleischindustrie

“Faire Mobilität” initiiert Offenen Brief an Regierungsfraktionen im deutschen Bundestag in Sachen Fleischindustrie

Das Projekt “Faire Mobilität” des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ist entstanden, um dabei zu unterstützen, gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen für Beschäftigte aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten auf dem deutschen Arbeitsmarkt durchzusetzen.

Das DGB-Projekt hat aktuell einen Offenen Brief initiiert. Dieser richtet sich an die Regierungsfraktionen von CDU und SPD im deutschen Bundestag, mit dem Ziel, die derzeitige Gesetzesinitiative des Arbeitsministeriums zum Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischindustrie zu unterstützen. Eine Verwässerung des Gesetzentwurfes, die von einem Teil der CDU-Fraktion offensichtlich angestrebt wird, gilt es aus Sicht des DGB zu verhindern. Der Offene Brief wird von einem breiten Unterstützerkreis getragen.

Die zentrale Forderung des Offenen Briefes:

“Wir fordern die Bundesregierung auf, das geplante Arbeitsschutzkontrollgesetz nicht zu verwässern!”

 

Pfarrer Peter Kossen steht vor dem Konrad-Adenauer-Haus: “Werkverträge und Leiharbeit verbieten! Keine Schlupflöcher im Arbeitsschutzkontrollgesetz!”

Pressemitteilung (von Peter Kossen)

“Protest am Konrad-Adenauer-Haus

Heute, am Montag, 16.11., werde ich allein ab ca. 11.00 Uhr vor dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin stehen, um dagegen zu protestieren, dass die CDU/CSU das versprochene und überfällige Arbeitsschutzkontrollgesetz verzögert.

Ich werde dabei ein Schild in den Händen halten mit der Aufschrift: Werkverträge und Leiharbeit verbieten! Keine Schlupflöcher im Arbeitsschutzkontrollgesetz!

Union verzögert und entkräftet versprochenes Gesetz

Die CDU/CSU ist im Begriff, die dringend notwendige Regulierung der Arbeitsverhältnisse in der Fleischindustrie durch das Arbeitsschutzkontrollgesetz aufzuweichen und damit unwirksam zu machen. Sie will weiterhin die Leiharbeit gestatten. Schon jetzt ist zu sehen, dass Werkvertragsarbeit um-etikettiert wird zur Leiharbeit und dass die Verantwortlichen moderner Sklaverei einfach weitermachen.

 Werkvertragsarbeit und Leiharbeit sind nicht notwendig!

Die Betriebsratsvorsitzenden großer Standorte der Fleischindustrie im Nordwesten haben aktuell darauf hingewiesen, dass es zum Auffangen von Marktschwankungen oder für das Abfedern des Saisongeschäfts weder die Werkvertragsarbeit noch die Leiharbeit braucht. Dafür gibt es andere Instrumente, die nicht so leicht zu primitivem Lohn- und Sozialdumping missbraucht werden können.

Zurück zur Rechtsstaatlichkeit!

Ausbeutung und Abzocke der Arbeitsmigrant*innen waren viel zu lange möglich, weil zehntausende von ihnen „unter dem Radar“ von Behördenaufsicht und Kontrollen blieben. Mit krimineller Energie wurde und wird die Verantwortung für menschenwürdige Arbeits- und Lebensverhältnisse durch Sub,- Sub, Subketten und durch fragwürdige Vertragsverhältnisse atypischer, prekärer Beschäftigung unkenntlich gemacht. Daran ist auch die Leiharbeit umfänglich beteiligt. Was wir sehen, ist ein System der organisierten Verantwortungslosigkeit! Daran sollte das Arbeitsschutzkontrollgesetz etwas ändern. Es sollte Ausbeutung und Abzocke beenden und Rechtsstaatlichkeit wiederherstellen. Den mafiösen Sumpf des massenhaften Missbrauchs von Werkvertrags- und Leiharbeit sollte das Gesetz trockenlegen. Diesen Sumpf schützt die CDU/CSU, wenn sie die Leiharbeit in der Fleischindustrie weiterhin ermöglicht. Damit macht sie sich zum Komplizen der Sklaventreiber. Nicht für die Täter Partei zu ergreifen, sondern für die Opfer, ist die dringliche Aufgabe einer christlichen Volkspartei!

Kompromisse auf Kosten der Schwächsten

Was der Gesetzgeber nicht erzwingt, wird die Fleischindustrie freiwillig nicht verändern. Die Corona-Pandemie hat das Bewusstsein dafür geschärft, wie Frauen und Männer angemietet, mit schwerster Arbeit verschlissen und dann entsorgt werden – wie Maschinenschrott. Darüber hinaus werden viele mit Wuchermieten für Bruchbuden abgezockt. Risikogruppe sind sie durch ihre vielfach unerträglichen Lebens- und Arbeitsbedingungen. Großschlachthöfe und Massenunterkünfte sind zu Hotspots geworden. Die Bundesregierung hatte sich verpflichtet, in der Szene aufzuräumen. Beeindruckt jedoch und verunsichert von den Drohungen der Fleischindustrie und der Leiharbeitslobby, versuchen nun CDU und CSU, das überfällige Gesetz zu verzögern und zu entkräften. So ist es in den vergangenen Jahren immer wieder gewesen, deshalb hat sich bis heute nichts zum Guten verändert. Die Regelung raube den Betrieben die notwendige „Beinfreiheit“, heißt es von der Union. Das Bild ist zutreffend! Die „Beinfreiheit“ nutzt die Fleischindustrie dazu, Menschenwürde und Gerechtigkeit mit Füßen zu treten. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass die in vielen Teilen mafiös durchseuchte Fleischindustrie jedes Schlupfloch brutal zur Ausbeutung und Abzocke ausnutzt. Deshalb: Keine Zugeständnisse auf Kosten von Menschenwürde und Gerechtigkeit!

Arbeitsschutzkontrollgesetz verabschieden und fortschreiben!

Die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit in der Fleischindustrie ist überfällig und kann nur ein erster Schritt sein. Denn ganz ähnliche ausbeuterische Verhältnisse finden wir vielfach in der Paketbranche, in der Logistik, auf dem Bau, im Reinigungsgewerbe und in anderen Wirtschaftszweigen! Auch hier muss es heißen: Zurück zur Rechtsstaatlichkeit! Jetzt!” (Quelle: Pressemitteilung v. Peter Kossen vom 16.11.2020)

 

 

Videoinstallation zur Erinnerung an die Pogromnacht (9. November 1938) in Haltern am See

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 – in der Reichspogromnacht – wurden in Haltern Juden verhaftet. Nationalsozialisten drangen in ihre Wohnungen ein, zertrümmerten das Mobiliar und setzten es in Brand. Die Synagoge an der Rekumer Straße wurde ebenso wie der jüdische Friedhof stark beschädigt.

Das Forum Demokratie, Respekt und Vielfalt  erinnert alljährlich mit einer Kundgebung in Haltern an die Schrecken der Pogromnacht. Die Kundgebung setzt einen Zeichen gegen jegliche Art von Fremdenhass. (Hier finden Sie den Aufruf zur Kundgebung 2020.) Leider konnte die Kundgebung nicht wie geplant stattfinden. Zwar sind auch während der Coronapandemie politische Kundgebungen (mit entsprechendem Hygienekonzept) möglich. Dennoch hielt es das Forum für sinnvoll, auf eine Form der Erinnerung zu verzichten, bei der sich viele Menschen treffen.

Zum Gedenken hatte das Forum zu einer Videoinstallation eingeladen. Am Freitagabend wurden fünfzig Fotos in die Fenster des Alten Rathauses projiziert. Die Bilder zeigen Ereignisse der Nazizeit in Haltern. Stadtarchivar Gregor Husmann hat die Fotos zur Verfügung gestellt; Thomas Rath fügte sie zu einer Videoinstallation zusammen.