Josef aus Nazareth ist zurück – entlassen aus der Abschiebehaft


https://www.halternerzeitung.de/haltern/darum-kehren-die-in-haltern-verschwundenen-josefsfiguren-am-sonntag-in-ihre-krippen-zurueck-1488384.html

„Der heilige Josef ist aus der Abschiebehaft entlassen worden“, meldet der Asylkreis Haltern. Deshalb könnten zum „Fest der Taufe des Herrn“ am Sonntag (12. Januar) alle Josefsfiguren zurückerwartet werden, die vor einigen Tagen aus den Krippen verschwunden waren.David Schütz vom Caritasverband Haltern teilte für den Asylkreis mit, wie es der heiligen Familie ergangen ist: „Maria hat mithilfe von Freunden des Asylkreises und einer Beratungsstelle des Caritasverbandes erfahren, dass der Schutz der Familie grundrechtlich verankert ist (GG Artikel 6). Somit konnte sie mit einem Anwalt erfolgreich Rechtsmittel gegen die Abschiebehaft einleiten.

In Bezug auf die negative Asylentscheidung erging es in Deutschland 2019 mehr als einem Viertel der Asylbewerber wie Josef: 26 Prozent aller ablehnenden Bescheide mussten 2019 nach gerichtlicher Überprüfung wieder aufgehoben werden. Hingegen gab es bei positiven Asylbescheiden 2019 laut Bundesregierung nur 1,8 Prozent fehlerhafte Bescheide.“ (Halterner Zeitung v. 11.1.2020)

Was war geschehen? Mehr dazu hier: https://www.halternerzeitung.de/haltern/josefsfiguren-in-halterner-kirchen-wurden-aus-ihren-krippen-entfernt-das-ist-der-grund-1487224.html
und hier: https://forumdrv.de/2020/01/05/abschiebebescheid-fuer-josef-von-nazareth-halterner-zeitung-berichtet/

“Abschiebebescheid für Josef von Nazareth” – Halterner Zeitung berichtet

Haltern am See 2020: Maria ohne Josef – mit Abschiebebescheid (Photo aus privater Sammlung)

Die Halterner Zeitung (Jürgen Wolter) schreibt (am 5.1.2020):

Abschiebebescheid für Josef von Nazareth

David Schütz vom Caritasverband erläutert für den Asylkreis die Hintergründe der Aktion: „Viele Christen haben sich an den Weihnachtstagen bewusst gemacht, dass sich in der Erfahrung heutiger Flüchtlinge die Geschichte des Jesuskindes spiegelt.

Papst Franziskus hatte vor Weihnachten noch einmal darauf hingewiesen: „Krippen in Kirchen, in Privatwohnungen und an öffentlichen Orten sind eine Aufforderung, in unserem Leben und in der Gesellschaft Platz für Gott zu machen, der im Antlitz so vieler notleidender Menschen verborgen ist.“

Dass nun in den Krippen der Halterner Innenstadt anstelle des heiligen Josef ein Abschiebebescheid liegt, lässt den Ernst der weltweiten Flüchtlingsdramen und auch der drastisch verschärften deutschen Flüchtlingspolitik in den Halterner Krippen sichtbar werden.”

Hintergründe liefert diese Nachricht:

Haltern am See, 04.01.2020. Gestern Morgen ist Josef von Nazareth in den frühen Morgenstunden aufgrund des abgelehnten Asylantrags und der Sorge der Behörden, er könnte untertauchen, in Abschiebehaft genommen worden. Die genauen Hintergründe konnten bis Redaktionsschluss nicht ermittelt werden. Es wird vermutet, dass er kurz nachdem seine Partnerin Maria ihren Sohn Jesus zur Welt gebracht hat, mit seiner Familie nach Ägypten floh. Ob sie dort in einer der nahe der Grenze gelegenen Flüchtlingslager untergebracht wurden, kann nicht geklärt werden. Das zügige Asylverfahren wirft einige Fragen auf; das Interview der zuständigen Behörden hat die individuelle Bedrohungssituation aus Sicht der regionalen Flüchtlingsinitiative nicht ausreichend berücksichtigt. Ob die Flüchtlingsinitiative mit ihrem Protest noch etwas bewirken kann, ist ungewiss.” (Mehr Informationen hier:  Josef ist abgeschoben worden. Den Abschiebungsbescheid finden Sie hier: Bescheid Josef von Nazareth.

“Zwei fehlen” – zwei heilige Könige sind in der #ZUE

Kunstaktion von “ausgeGRENZT”: Einige Könige sind bundesweit nicht angekommen in den Krippen. Holt die Könige aus den Lagern! Könige gegen die Festung Europa.
(https://twitter.com/zwei_fehlen)

Die letzten Tweets von dem oben genannten Twitter-Account finden Sie hier. Gute Aktion. #2fehlen

 

Nachgelesen – “Vom Willkommen zur Abschiebung – Steht der Flüchtlingsschutz zur Disposition?”

Vom Willkommen zur Abschiebung – Steht der Flüchtlingsschutz zur Disposition?– so lautet der Titel einer Rede von Dietrich Eckeberg, Referent für Flüchtlingsarbeit bei der Diakonie RWL. Er hat diese Rede bereits 2018 bei einer Feier der Kirchengemeinde Düren gehalten, um deren Engagement der Gemeinde in der Flüchtlingshilfe zu würdigen. Die Rede ist nach wie vor aktuell und lesenswert, allein schon wegen einiger Zitate.

Eckeberg zitiert aus einer Stellungnahme der Diakonischen Werke:

‘Die geplante Einrichtung von Sammellagern für Asylsuchende in jedem Regierungsbezirk des Landes mit einer Kapazität von 1000 Personen ist ein gefährlicher und falscher Weg. Die Erfahrungen, die mit derartigen Einrichtungen aus anderen Bundesländern (schon seit langem) bestehen, sind durchweg negativ. Zahlreiche Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen über das Leben von Flüchtlingen in Sammellagern belegen, dass physische und psychische Erkrankungen, Kriminalität und Hoffnungslosigkeit die nahezu unvermeidliche Folge einer solchen Unterbringung sind.’Meine Damen und Herren – diese Stellungnahme der Diakonischen Werke der Evangelischen Kirche im Rheinland und des Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche von Westfalen datiert vom 23. Oktober1990!” (Quelle: Dietrich Eckeberg 2018: Vom Willkommen zur Abschiebung – Steht der Flüchtlingsschutz zur Disposition?, https://www.diakonie-rwl.de/themen/festrede-cafe-international, abgefragt am 2.12.2019)

Ein weiteres Zitat, das Eckeberg in kritischer Absicht anführt, stammt von Bundeskanzlerin Angela Merkel aus dem Jahre 2017:

“Wir arbeiten daran, dass Rückführungen möglichst aus den Erstaufnahmeeinrichtungen erfolgen können; denn wir wissen: Wenn Menschen erst einmal durch ehrenamtliche Helfer in Kommunen integriert sind, dann ist die Rückführung sehr viel schwerer und schwieriger.” (Bundeskanzlerin Angela Merkel am 9. Februar 2017, https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/asylpolitik-ausreisepflicht-besser-durchfuehren-222360
Screenshot des Videos der Pressekonferenz (Bundeskanzlerin Angela Merkel am 9. Februar 2017)

Wer den genauen Kontext der Aussage von Frau Merkel nachvollziehen will, kann das hier tun. Das Zitat ist auf dem Video bei Minute 3:48 zu hören.

Danke den Mitgliedern des Forums für Demokratie, Respekt und Vielfalt für die Hinweise.

29.11.2019, Haltern am See: “Kein Mensch ist illegal – nirgendwo!” – Solidaritätskonzert: Lieder von Flucht und Geflüchteten

Veranstaltungshinweis

“Kein Mensch ist illegal – nirgendwo!” – Solidaritätskonzert: Lieder von Flucht und Geflüchteten   gesungen zum Akkordeon von Dieter Michels aus Datteln

  • Wann: am 29. November 2019 um 19.30 Uhr
  • Wo: Paul-Gerhardt-Haus, Reinhard-Freericks-Straße 17, Haltern am See

Eintritt frei!

Veranstalter: Asylkreis Haltern 

 

14.11.2019, Haltern am See: „Flüchtlinge weggesperrt? – Aktuelle Entwicklungen der Flüchtlingspolitik“

Titelbild Amos 2-2019

Am 14.11. um 18.30 Uhr findet in der Stadtbücherei eine Veranstaltung
zum Thema „Flüchtlinge weggesperrt?“ – „Aktuelle Entwicklungen der
Flüchtlingspolitik“ statt . Mehrere Mitglieder des Asylkreises bzw. des Forums für Demokratie, Respekt und Vielfalt (www.forumdrv.de) haben Beiträge im aktuellen Heft der Zeitschrift AMOS veröffentlicht. Dieses wird der Öffentlichkeit vorgestellt und die Autoren laden zur Diskussion ein. (Das Inhaltsverzeichnis der Amos-Ausgabe kann man hier herunterladen.)

Hier finden Sie einen Bericht im “Stadtspiegel”: https://www.lokalkompass.de/haltern/c-vereine-ehrenamt/fluechtlinge-weggesperrt-zentrale-unterbringung-im-kreuzfeuer-der-kritik_a1237242

Einen Einladungs-Flyer können Sie hier runterladen.

Siehe auch den früheren Beitrag auf dieser Webseite: https://forumdrv.de/2019/06/06/demnaechst-zum-lesen-schwerpunktheft-amos-22019-zum-thema-fluechtlinge-weggesperrt/

Einstimmiger Beschluss des Stadtrates: Haltern am See wird “Sicherer Hafen”

Der “Asylkreis Haltern am See” hatte am 25.09.2019 den Bürgermeister der Stadt gebeten, dem Stadtrat einen Beschlussvorschlag vorzulegen, mit dem sich die Stadt Haltern dem Bündnis “Sicherer Hafen” anschließt (siehe dazu den Beitrag hier auf diesem Blog: https://forumdrv.de/2019/10/03/haltern-am-see-soll-sicherer-hafen-werden/)

Der Stadtrat hat nun auf der Sitzung vom 10.10.2019  einstimmig unter anderem Folgendes beschlossen:

“Der Rat der Stadt Haltern am See ist bereit, aus Seenot gerettete und von der Bundesrepublik Deutschland übernommene Flüchtlinge im Rahmen der gesetzlichen Regelungen aufzunehmen. Wir appellieren an die Bundesregierung, sich verstärkt für die Bekämpfung von Fluchtursachen und für eine humane europäische Flüchtlingspolitik gerade angesichts der Situation im Mittelmeerraum einzusetzen.”

Mehr Informationen und den ausführlichen Beschluss finden Sie hier: Michael Menzebach: “Einstimmiges Votum für “Sichere Häfen”, in: Stadtspiegel Dorsten/Haltern vom 11. Oktober 2019

Mehr zur Aktion Seebrücke: https://seebruecke.org/startseite/sichere-haefen-in-deutschland/

6.10.2019, Haltern am See: Vortrag von Ruby Hartbrich: „Seenotrettung von Flüchtenden im Mittelmeer“

Das Halterner Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt (www.forumdrv.de) lädt ein zu folgender Veranstaltung:

„Seenotrettung von Flüchtenden im Mittelmeer“

Vortrag (mit Film und anschließender Diskussion) von
Ruby Hartbrich, Ärztin und Sea-Watch-Aktivistin

  • Wann: Sonntag, 06.10.2019, 11:00 bis 13 Uhr
  • Wo: Haltern am See, Saal des Alten Rathauses
The Sea-Watch 3 patrolling the Central Mediterranean Search and Rescue Zone; International Waters off Libya; 19/12/2018, photo taken by Chris Grodotzki / Sea-Watch.org

Ruby Hartbrich wird von ihren Einsätzen auf Rettungsschiffen der Organisation “Sea-Watch” im Mittelmeer berichten. Die Marburger Ärztin stellt die Hintergründe der Fluchtbewegung dar und zeigt aktuelles Filmmaterial.
Mittlerweile acht Mal half Ruby Hartbrich auf Rettungsschiffen der Organisation “Sea Watch” Flüchtenden im Mittelmeer. Die Einsätze der ehrenamtlich Helfenden dauern jeweils drei Wochen am Stück. Hartbrich behandelt bei den Geretteten alle möglichen Krankheiten: Infektionen, Verbrennungen, Schusswunden, Knochenbrüche, Dehydrierung. Die Einsätze werden immer mehr schwieriger. Viele Flüchtlinge ertrinken, weil zu wenige Rettungsschiffe vor Ort sind. Die Flüchtenden gehen das Risiko des Ertrinkens ein, weil sie in Libyen und anderen Ländern Gewalt, Folter, Sklaverei und Tod erwarten. Ruby Hartbrich mahnt uns daran zu denken, was wir tun würden, wenn wir in einer so verzweifelten Situation wären.

Zur Person: Ruby Hartbrich ist Ärztin in Marburg. Im Juli 2019 wurde sie von der Humanistischen Union für ihr ehrenamtliches Engagement mit einem Preis ausgezeichnet, dem „Marburger Leuchtfeuer“ (die Dankesrede von Frau Hartbrich finden Sie hier, hier ein weiteres Video).

Alle Interessierten sind herzlich zum Vortrag und zur anschließenden Diskussion eingeladen.

Veranstalter: Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt (www.forumdrv.de)

Sea-Watch 3 legt in Italien(Lampedusa) an – Kapitänin Carola Rackete wird in Polizeigewahrsam genommen

“Gegen den Willen der italienischen Behörden hat das Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ mit 40 Migranten an Bord den Hafen auf Lampedusa erreicht. Die Polizei nahm die Kapitänin Carola Rackete daraufhin in Gewahrsam.” (Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.6.2019)
“Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Bedford-Strohm, sprach von einer Schande für Europa. Er sei traurig und zornig, dass eine junge Frau verhaftet worden sei, weil sie Menschen gerettet und sicher an Land gebracht habe.” (Deutschlandfunk.de v. 29.6.2019). (Siehe dazu auch:  “Bedford-Strohm und Sea-Watch-Aktivisten Ehrenbürger von Palermo” (Domradio.de v. 28.6.2019)

Weitere Kommentar erübrigen sich, der Fall zeigt, wie es mit den Menschenrechten in Europa bestellt ist. Hier einige aktuelle Tweets:

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Politik in Deutschland stellt sich die hypothetische Frage: Wie würde sich wohl die deutsche Regierung verhalten, wenn sie in der Lage der italienischen Regierung wäre? Immerhin: Das Interview mit Minister Seehofer lässt etwas Hoffnung auf eine Lösung.

Und auch immerhin: Mehrere Länder (darunter auch Deutschland, weiterhin Portugal, Frankreich und Luxemburg) haben sich bereit erklärt, die 40 Menschen aufzunehmen (Deutschlandfunk.de v. 29.6.2019).

Siehe auch: https://forumdrv.de/2019/06/22/menschen-in-not-und-seawatch3-darf-noch-immer-keinen-sicheren-hafen-anlaufen/