Bürgerrat dient dem gesellschaftlichen Zusammenhalt

Der Bürgerrat als ein Beitrag zur Verbesserung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in der Stadt

HALTERN AM SEE. „Das schwindende Vertrauen in Politik und Parteien ist eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, das erfuhren die Zuhörer des aufrüttelnden Vortrags von Dr. Kai Unzicker von der Bertelsmann-Stiftung am Dienstag (22.11.22)  in der Stadtbücherei mit dem Titel. „Demokratie in der Krise –wie sich Vertrauen in die Politik zurückgewinnen lässt.“ Eingeladen hatte der Arbeitsgruppe „Bürgerrat für Haltern“ des Halterner Forums.

„Der öffentliche Vortrag sorgte für eine angeregte Diskussion und gab Rückenwind für das bevorstehende Bürgerrats-Projekt in unserer Stadt, das den demokratischen Zusammenhalt stärken kann“, resümierte die Arbeitsgruppe.

Vertrauensverlust für Parteien, Parlamente und Regierungen

„Aktuellen Umfragen zufolge befürworten zwar 80 Prozent unsere demokratische Staatsform, aber jeder Zweite ist mit deren Funktionieren im demokratischen Alltag unzufrieden“, belegte Dr. Unzicker anhand von Umfragen, die er im Rahmen seiner zahlreichen Projekte über den gesellschaftlichen Zusammenhalt vorgenommen hat. „Nur knapp 25 Prozent vertrauen noch den Regierungen und Parlamenten als Institutionen, den Parteien sogar nur noch 8 Prozent“, so sein ernüchterndes Forschungsergebnis. Hinzu käme ein weit verbreitetes Gefühl der Ungerechtigkeit, insbesondere bei Bevölkerungsgruppen, die sich politisch benachteiligt sehen. Die Wahlbeteiligung sei in Land und Kommunen mittlerweile auf knapp über 50 Prozent gesunken.

Der Arbeitskreis „Bürgerrat“ hatte deshalb auch die Halterner Ratsparteien zu dem Vortragsabend eingeladen, die zu Jahresbeginn die Einrichtung eines Bürgerrates in 2023 einstimmig beschlossen hatten. Wegen Terminüberschneidungen konnten jedoch die Fraktionen von CDU und Grünen sowie der Bürgermeister nicht teilnehmen und ließen sich entschuldigen. Für die SPD-Fraktion nahm deren Vorsitzende Beate Pliete teil, die nochmals die Bedeutung des Vorhabens eines Bürgerrates für Haltern unterstrich.

Plädoyer für neue Formen des Engagements

Die Empfehlungen von Dr. Unzicker nahmen die Anwesenden zustimmend auf: mehr Dialog und Begegnung zu ermöglichen, für eine bessere politische Kommunikation zu sorgen, neue Formen des politischen Engagements zu unterstützen und dabei die Teilhabechancen vulnerabler Gruppen zu verbessern. „Mit der Auswahl der Teilnehmer an Bürgerräten nach dem Zufallsprinzip per Losverfahren besteht die Chance, eine Vielfalt von Meinungen unabhängiger Bürgerinnen und Bürger zu erfahren, die sich ansonsten nicht zu Wort melden“, bestätigte der Referent die Einschätzung der Bürgerrats-Initiativgruppe. Von den Zuhörern kam die Anregung, „noch viel stärker in unserer Stadt über die Idee und das Vorhaben Bürgerräte in der Öffentlichkeit zu informieren“. Zu Beginn des neuen Jahres ist auch die Bürgerschaft zu Themenvorschlägen für einen ersten Bürgerrat aufgerufen.

Quelle der Grafik: Boehnke, Klaus; Dragolov, Georgi; Arant, Regina; Unzicker, Kai (2022): Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Baden-Württemberg 2022. Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung.: Seite 22. Online verfügbar unter https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/gesellschaftlicher-zusammenhalt-in-baden-wuerttemberg-2022-langfassung, zuletzt geprüft am 23.11.2022.

 

 

22.11.22: Vortrag von Dr. Kai Unzicker (Bertelsmann-Stiftung)

“Demokratie in der Krise? Wie sich das Vertrauen in die Politik zurückgewinnen lässt.” | Vortrag und Diskussion mit Dr. Kai Unzicker

Ein Bild, das Text enthält. Automatisch generierte BeschreibungDie Arbeitsgruppe „Bürgerrat für Haltern  – Demokratie lebendig gestalten in Haltern am See!” lädt alle Bürgerinnen und Bürger, Schülerinnen und Schüler herzlich ein zum Vortrag von Dr. Kai Unzicker von der Bertelsmann-Stiftung.

    • Wann: 22.11.2022, 18 Uhr
    • Wo: Stadtbibliothek Haltern am See

Es ist keine Neuigkeit, wenn man feststellen muss, dass das Vertrauen in die Politik im Allgemeinen und auch in die Parteien in den letzten Jahren nicht gewachsen ist, vielmehr immer mehr abgenommen hat. Wenn fast ein Drittel der Deutschen einer Umfrage zufolge glauben, in einer Scheindemokratie zu leben[1]https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_91997506/demokratieverstaendnis-umfrage-jeder- dritte-sieht-deutschland-als-scheindemokratie.html spricht das eine deutliche Sprache. „Der jüngste „NRW-Check”, eine landesweite Umfrage”[2]https://ga.de/news/nrw/nrw-check-schwarz-gruen-wuerde-wahl-wieder-gewinnen_aid-77638137 kommt zu dem Ergebnis, dass ein geringes Vertrauen in die politischen Parteien besteht. „So wurde abgefragt, wer mit den Problemen in NRW am besten fertig würde. Die häufigste Antwort lautete: „keine Partei” (40 Prozent). 21 Prozent der Befragten nannten die CDU, dann kommen Grüne (elf Prozent), SPD (neun Prozent), FDP (zwei Prozent). Ernüchternde Werte…” s.u. Der Beschluss des Stadtrats, auch in Haltern den Versuch zu machen, das Instrument eines losbasierten Bürgerrats als Beratungsinstrument einzurichten und somit einen Beitrag zu leisten zur Transparenz und lebendigen Beteiligung „einfacher” Bürgerinnen und Bürger, ist im letzten Jahr gefasst worden und soll 2023 erstmalig durchgeführt werden. Wie notwendig und hilfreich es sein kann, sich für eine beteiligungsstarke demokratische Stadtkultur einzusetzen, soll an diesem Abend beleuchtet und diskutiert werden.

Über den Referenten

Als Senior Project Manager bei der Bertelsmann Stiftung ist Dr. Kai Unzicker für das Themenfeld „Gesellschaftlicher Zusammenhalt” verantwortlich und hat das Messinstrument „Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt” entwickelt. Zuletzt hat er das Projekt „Vielfalt leben – Gesellschaft gestalten” geleitet, dass sich mit dem Zusammenleben der heterogenen Einwanderungsgesellschaft befasst hat. Er hat Soziologie, Psychologie und Philosophie in Marburg studiert und in Erziehungswissenschaft in Bielefeld promoviert.

 

Anmerkungen

4.11.22: Vortrag von Prof. Niko Paech (Ökonom und Nachhaltigkeitsforscher)

»All you need is less« Eine Ökonomie der Genügsamkeit | Vortrag und Diskussion mit Niko Paech

“Nach der Finanzkrise, die kaum ein Wirtschaftswissenschaftler vorhergesehen hatte, war die Empörung groß. Die Modelle der Ökonomen seien zu starr und weltfremd. Gelehrt werde an den Universitäten fast nur die neoklassische Theorie, die von der Droge “Wachstum” dominiert wird. Und nicht nur das: Der stete Ruf nach mehr lässt Rohstoffe schwinden und treibt den Klimawandel, die Erderwärmung und die Umweltzerstörung voran.” (Quelle und mehr Informationen)
  • Wann: 4. November 2022, 19:00 Uhr
  • Wo: Haltern am See, Stadtbücherei, Lavesumer Str. 1g

Eintritt 5,00 € / ermäßigt 3,00 €
Telefon: 02364 / 933-216
E-Mail stadtbuecherei@haltern.de
Veranstalter: Freunde der Stadtbücherei

Siehe auch die Webseite von Niko Paech.

Bericht über Vorträge “Lieferkette gerissen?!” (Pressemitteilung vom 14.09.2022)

Die Pandemie und der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine haben deutliche Spuren hinterlassen und bedrohen die weltweiten Lieferketten. Erleben wir gerade möglicherweise das Ende der Globalisierung? Dieser Frage ist die AG „Würdige Arbeit“ am Montagabend nachgegangen – gemeinsam mit spannenden Speaker*innen bei einer hybriden Abendveranstaltung im KönzgenHaus.

Von links n. rechts: Christoph Scherrer, Eva-Maria Reinwald, Christoph Holbein-Munske

Sind die globalen Lieferketten vielleicht bereits gerissen? Eher nein, lautet ein Fazit der Runde vom Montagabend. Zwar gibt es – wie aktuell erlebbar – immer wieder Rückschläge in der Globalisierung; momentan lässt sich aber eher von Stagnation denn von einem tatsächlichen Ende reden. „Nichtsdestotrotz zeigen die aktuellen Entwicklungen der vergangenen zwei Jahre, dass man kritische Rohstoffe oder beispielsweise medizinisch notwendige Produkte lieber im eigenen Land produzieren lässt – oder aber zumindest in solchen, mit denen man freundschaftliche Beziehungen pflegt“, resümiert Christoph Holbein-Munske vom KönzgenHaus die Diskussionen, der die Veranstaltung moderiert hat.

Mehr lesen

12.9.22 – Lieferkette gerissen? Vortrags- und Diskussionsveranstaltung

Lieferkette gerissen? Vortrags- und Diskussionsveranstaltung

  • Wann: 12. September 2022, 19:30 bis 21:30 Uhr
  • Wo: wahlweise im KönzgenHaus_Haltern am See oder online (nach voriger Anmeldung).
  • Teilnahmebeitrag
    • Präsenz 10 € (kleiner Imbiss inklusive) Online 10 €
    • Mitglieder der KAB und von DGB-Gewerkschaften zahlen nur 5 €.

Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich und bis zum 11. September 2022 über diesen Link möglich.

 

Erleben wir das Ende der Globalisierung?

Die Pandemie und der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine bedrohen die weltweiten Lieferketten. Öl, Medikamente und Fahrradersatzteile fehlen, im globalen Süden verschärft sich der Hunger. Sind die globalen Lieferketten gerissen? Welches sind die Folgen für die Menschen?

Diese Fragen diskutieren wir mit Christoph Scherrer, Professor für Globalisierung und Politik an der Universität Kassel und Autor des Buchs “Macht in weltweiten Lieferketten” (2021).

Gerechte Globalisierung – Globalisierung von Gerechtigkeit?

Im Anschluss gehen wir mit Eva-Maria Reinwald von Südwind der Frage nach, welche Rolle ein europäisches Lieferkettengesetz für eine gerechte Gestaltung der Globalisierung spielen kann und welche Bedeutung die gegenwärtigen Krisen für die Kampagne zum Lieferkettengesetz haben.

Die Veranstaltung setzt die Vortragsreihe “Würdige Arbeit” fort.

Veranstalterinnen:

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Bildquellen:

22.9.22: Vortrag Prof. em. Dr. Heinz-J. Bontrup: “Krisengewinner und Krisenverlierer – wie die Ampel den sozialen Frieden gefährdet. Alternativen zur Regierungspolitik in Krisenzeiten”

Vortrag und Diskussion mit Prof. em. Dr. Heinz-J. Bontrup

„Krisengewinner und Krisenverlierer – wie die Ampel den sozialen Frieden gefährdet. Alternativen zur Regierungspolitik in Krisenzeiten.“

  • Wann: Donnerstag, 22. September 2022 um 19.00 Uhr
  • Wo: Haltern am See, Bildungsstätte KönzgenHaus, Annaberg 40
  • Eintritt frei
Prof. Heinz-J. Bontrup (Quelle: IWiPo)
“Die multiple Krise infolge des Ukraine-Krieges, der Pandemie und der Klimakatastrophe stellt unser Land vor allergrößte Herausforderungen: Dramatische Energieknappheit und -verteuerung, Unterbrechung globaler  Lieferketten, exorbitant erhöhte Rüstungsausgaben, höchste Inflationsrate, Rezessionsgefahr und weiterer Pandemie-Herbst sowie Klimaschäden lassen Wohlstandsverluste und drastisch zunehmende soziale Spaltung befürchten. Die derzeitige Preisexplosion verschmilzt mit den anderen Großkrisen dieser Zeit zu einem toxischen Gefüge. Die soziale Notlage der Menschen trotz  Konsumverzicht ist in der Politik noch nicht wirklich angekommen, die kein umfassendes Konzept vorlegt.”

Mehr Informationen: Flyer zum Download; siehe auch die Informationen auf der Webseite des Instituts für Wirtschaft und Politik (IWiPo).

23.9.22: Vortrag Stefan Nolte: “Der Mensch und die Umweltkrisen – Warum es so schwerfällt uns zu ändern”

Vortrag Stefan Nolte

“Der Mensch und die Umweltkrisen – Warum es so schwerfällt uns zu ändern”

  • Wann: 23. September 2022, 19.30 Uhr:
  • Wo:  Stadtbücherei, Lavesumer Str. 1g
  • Eintritt frei
“Die Auswirkungen der Klimaerhitzung zeigen sich immer stärker, auch bei uns in Deutschland. Gleiches gilt für das voranschreitende Artensterben und die Plastikvermüllung der Meere. Die Fakten hierzu liegen seit vielen Jahren auf dem Tisch. Dennoch finden Veränderungen, individuell und gesellschaftlich, nur sehr langsam statt. Obwohl wir letztlich wissen, was zu tun ist, fehlt es häufig am Handeln. …. Stefan Nolte ist in Haltern am See aufgewachsen. Er hat unter anderem fünf Jahre im Niedersächsischen Umweltministerium gearbeitet und ist derzeit Klimaschutzbeauftragter des Niedersächsischen Europaministeriums. Er ist Jurist, hat aber auch Psychologie (Bachelor) studiert.” (Quelle hier)

(Mehr Informationen hier)

 

„Die Zivilgesellschaft kann zum nachhaltigen Frieden beitragen“

Pressebericht (von Wilhelm Neurohr):

Bewegender Vortrag im KönzgenHaus:

„Die Zivilgesellschaft kann zum nachhaltigen Frieden beitragen“

HALTERN AM SEE. Für die 40 anwesenden Friedensbewegten war am vergangenen Mittwoch im KönzgenHaus die Darstellung des zivilen Sicherheitskonzeptes „ein Lichtblick in dunklen Kriegszeiten“ in Europa: Der nationale und internationale Koordinator der Initiative „Sicherheit neu denken“, Ralf Becker, beeindruckte die Anwesenden mit seinem Vortrag, weil er Hoffnung auf eine mögliche Überwindung der momentanen Militarisierung der Politik durch die Zivilgesellschaft machte.

„Das zivilgesellschaftliche Konzept für eine friedenspolitische Sicherheitsarchitektur in Europa findet durch die breite Vernetzung der Initiatoren längst auf höchster politischer Ebene Gehör und Anerkennung“, so konnte der Vortragsredner aus der Praxis berichten. Er verwies auf bevorstehende Gesprächsrunden mit Bundespolitikern aller Fraktionen sowie auf bevorstehende Termine mit Mitstreitern aus anderen Ländern. Anerkannte Konfliktlösungsstrategien und -methoden könnten die Eskalationsdynamik unterbrechen und „die Schockstarre des Kriegsbeginns vom 24. Februar“ überwinden helfen.

„Frieden und Verständigung benötigen Perspektivenwechsel und Friedenslogik denkt vom Ende her“, betonte Ralf Becker. Die Arbeitsgruppe „Zivile Krisenintervention“ hat dazu aktuell „Impulse für eine entschlossene und besonnene Reaktion auf Putins Krieg“ in 16 Punkten veröffentlicht. Neben den Grundzügen des zivilgesellschaftlichen Sicherheitskonzeptes stellte der Gastreferent auf Wunsch der Veranstalter und der Zuhörerschaft auch die Möglichkeiten der „Sozialen Verteidigung“ sowie den Zusammenhang mit der Klimagerechtigkeitsbewegung her, da die durch Kriege verschlimmerte Klimakatastrophe neue Verteilungskriege und Flüchtlingsbewegungen hervorrufen könne.

Eingeladen zu dieser Veranstaltung für eine wirkliche „Zeitenwende“ im politischen Denken und Handeln hatte ein breites Bündnis aus der Halterner Zivilgesellschaft, vom Halterner Forum und IWiPo-Institut über die Kirchengemeinden und die KAB sowie Pax Christi bis hin zu den Dülmener Friedensfreunden und Attac. In einer lebhaften Diskussion sowie in kleinen „Murmelrunden“ wurden die vielen Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewegt, die sich auf ein Umdenken einließen.

Informationen über das Konzept „Sicherheit neu denken“ sind unter www.sicherheitneudenken.de zu finden.